Der Weinmarkt in Deutschland – ein komplexes Gebilde

LEH-Weinregal
© Dr. Hermann Pilz

Nur in drei Ländern der Erde, in den USA, in Frankreich und in Italien, ist der Weinmarkt größer als in Deutschland. Alle drei Länder verfügen über eine bedeutende Weinherstellung. Im Unterschied zu Deutschland konsumiert die Bevölkerung dort bevorzugt die heimischen Weine, vor allem Franzosen und Italiener erweisen sich in Sachen Weinkonsum patriotisch. Es ist schwer auf diesen Märkten einen ausländischen Wein zu verkaufen.

Ganz anders der deutsche Weinmarkt, der mit einem seit Jahren stabilen Volumen von rund 20 Millionen Hektolitern der mit Abstand liberalste Weinmarkt der Welt ist. Deutsche Weinkonsumenten haben die große Auswahl aus einem weltweiten Angebot und nutzen diese auch.

Weine aus Deutschland decken ein Drittel des Binnenkonsums

Die deutsche Weinherstellung aus insgesamt etwa 100.000 Hektar Rebfläche deckt rund 35 Prozent der in Deutschland konsumierten Weine. Französische und italienische Weine steuern jeweils rund 15 bis 18 Prozent bei. Weine aus Spanien, dem dritten mediterranen Weinland in Europa mit der weltweit größten Rebfläche, stehen für rund zehn Prozent der Weine auf dem deutschen Markt und die übrigen zehn bis 15 Prozent liefern die vier großen Überseeländer USA/Kalifornien, Chile, Südafrika und Australien sowie, mit schon deutlich kleineren Anteilen, die Länder Österreich, Portugal und Griechenland. Die weitere Liste ist lang und umfasst rund 70 Länder der Erde, darunter oft reichlich exotisch klingende Länder von Armenien über Bulgarien bis zu Uruguay und – um das ABC voll zu machen – auch Zypern ist vertreten. Der hart umworbene Weinmarkt sorgt dafür, dass der Einsatz von innovativen Lösungen für die digitalen Getränkefabriken der Zukunft für Abfüller und Kellereien zukünftig essentiell sein werden. Die Firma Krones, die auf insgesamt 11.000 Quadratmetern auf der drinktec in München ausstellt, präsentiert im September genau dazu zukunftsträchtige Lösungen.

Für Konsumenten erscheint das Angebot oft verwirrend groß, da es sich in den einzelnen Ländern auf ganz unterschiedliche Weinregionen und damit Weinstile verteilt. Das Weinland Italien mit 20 Weinregionen und seinen bekannten Weinen – vom Prosecco und Bardolino bis hin zu den derzeit angesagten Weinen aus der Rebsorte Primitivo aus Apulien oder den Weinen des sizilianischen Nero d’Avola – ist ein Weinuniversum für sich.

Vielzahl der Einkaufsstätten fördert die Vielfalt des Weinkonsums

Die andere Seite sind die Strukturen, wie der deutsche und der importierte Wein zum Konsumenten gelangt. Denn er ist die letzte Instanz, die den Weinkonsum im Markt in Bewegung hält. Von der deutschen Weinherstellung, die im Durchschnitt der letzten Jahre bei neun Millionen Hektoliter lag, bleiben nach Abzug des Exports im Umfang von rund einer Million Hektoliter noch acht Millionen Hektoliter für den deutschen Markt übrig. Zusammen mit dem Import von Wein für den deutschen Markt im Umfang von rund zwölf Millionen Hektolitern ergibt sich ein Gesamtmarktvolumen von 20 Millionen Hektolitern oder zwei Milliarden Liter Wein, die bei einem Durchschnittskonsum von 24 Litern Wein und Sekt pro Kopf und Einwohner jährlich in Deutschland getrunken werden.

Absatzkanäle in Deutschland

Eine große Rolle für den Absatz deutscher Weine spielt die Direktvermarktung – vor allem durch die deutschen Weingüter und Winzergenossenschaften, die insgesamt mehr als ein Drittel des deutschen Weins produzieren. Ein weiterer großer Teil des Absatzes fließt über die Einkaufsstätten des Lebensmittelhandels, darunter auch der größte Teil der Auslandsweine. Rund neun Millionen Hektoliter oder rund 1,2 Milliarden Flaschen Wein rollen über die Kassenbänder der beiden großen Handelskonzerne Edeka und Rewe sowie der bundeweit agierenden sechs Discountunternehmen Aldi Süd, Aldi Nord, Lidl, Netto, Norma und Penny. Im Lebensmittelhandel, der über rund 40.000 Verkaufsstellen verfügt, vereinen die führenden acht Konzerne über 95 Prozent der Umsätze.

Hinzu kommt der Wein- und Weinfachgroßhandel, der Endverbraucher und Gastronomie beliefert und sowohl über stationäre wie Internet-basierte Online-Shops verfügt. Rund 3.000 Unternehmen werden zur Fachhandelsbranche gezählt, zu der noch eine weit größere Anzahl weiterer Einkaufsstätten für Wein hinzukommen. Sie alle wittern ein gutes Geschäft im liberalen deutschen Weinmarkt.

 

Zertifizierung und die Standards moderner Produktion

Was alle Anbieter weltweit erfüllen müssen, um im deutschen Markt Fuß zu fassen, sind die Standards, die die einschlägigen EU-Bestimmungen und das deutsche Lebensmittel- und Weinrecht vorschreiben.

Alle Bestandteile einer modernen Produktion zeigen die Aussteller der SIMEI@drinktec vom 11. bis 15. September 2017 in München – von Hygienestandards über Produktsicherheit bis hin zur gesamten Technik für Produktion, Behandlung und Abfüllung von Weinen.

Der Wettbewerb verlangt eine effiziente und damit kostengünstige Produktion, die ohne den Einsatz moderner Fülltechnologien und Materialien von der Flasche bis zum Verschluss nicht möglich ist. Besonders herausragende Innovationen und Kreativität in Weinbau und Weinherstellung werden deshalb bei der SIMEI Innovation Challenge mit dem begehrten Lucio Mastroberardino Innovation Award ausgezeichnet. In der SIMEI Knowledge & Innovation Area erfahren Besucher zudem alles über die Weinbranche in zahlreichen Workshops und Vorträgen. Im drinktec Forum werden Themen rund um die Prozessautomatisierung diskutiert, die zukünftig Einzug in der Weinbranche halten werden.

Welche Rolle moderne Technik genau im Weinbau spielt, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz has been in charge of the trade magazine WEINWIRTSCHAFT as chief editor for over 20 years. He loves writing about many different topics of the wine and spirits industry.

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