Weinernte 2018 – Gute Aussichten

Weinernte 2018 – Gute Aussichten
© Ero-Grapeliner 6000, Fa. Ero-Gerätebau

Die internationale Weinproduktion 2018 verbessert die Versorgungslage für Wein deutlich. Durchschnittliche bis gute Ernten in den großen Weinerzeugerländern auf der Südhalbkugel der Erde zu Beginn des Jahres und eine größere Weinernte als die letzten Jahre in vielen Ländern Europas spülen deutlich mehr Wein in die Keller der Winzer, Weingüter und Kellereien.

2017 musste die internationale Weinbranche mit einem Gesamtvolumen von 250 Millionen Hektolitern eine der kleinsten Weinernten der letzten Jahrzehnte verkraften. Die Folge waren zum Teil erhebliche Preissteigerungen für wichtige Weinkategorien: Von einfachen Weiß- und Rotweinen ohne nähere Herkunftsangabe, die  als »Generic White« oder »Generic Red« gehandelt werden, bis hin zu den wichtigen Rebsortenweinen der einzelnen Weinländer, wie zum Beispiel Merlot aus den Überseeländern oder Tempranillo aus Spanien, – sie alle wurden erheblich teurer. Viele Kontrakte konnten nicht oder nur zu höheren Preisen bedient werden, wodurch einzelne Weine aus den Listungen großer Handelsketten verschwanden oder im Verkauf aufgrund erhöhter Preise Absatzverluste verzeichnen mussten.

Weinproduktion wird international

Mehr als ein Drittel der gesamten Weltweinproduktion wird inzwischen über Kontinente und Ländergrenzen hinweg gehandelt. Der internationale Warenaustausch spielt auch bei Wein eine immer größere Rolle. Neue Länder und Märkte wie China, der übrige asiatische Raum, aber auch aufsteigende Länder in Afrika und Südamerika beginnen, ihre Vorliebe für Wein zu entdecken. Das weltweite Volumen der internationalen Exporte ist inzwischen auf über 108 Millionen Hektoliter und der Wert auf über 30 Milliarden Euro geklettert, wie die „Internationale Organisation für Rebe und Wein“ (OIV) in Paris in ihrem jüngsten Bericht veröffentlichte.

Während 2017 als das Jahr mit knapper Versorgungslage in die Annalen eingehen wird, verbessert 2018 die Lage wiederum entscheidend. Mit der internationalen Weinernte 2018 dürfte eine Rückkehr zur normalen Versorgungslage erfolgen. Das bedeutet geringeren Stress für Einkäufer bei der Beschaffung gewünschter Mengen und moderatere Preise für die Weinkellereien und Handelsunternehmen. Frühzeitige Informationen über die zukünftige Mengen-, Markt- und Preisentwicklung sind entscheidend für den Markt, womit ein erster Überblick über die aktuelle Ernte 2018 willkommene Informationen liefert.

Ausgeglichene Weinernte auf der Südhalbkugel

Auf der Südhalbkugel konnte im Frühjahr Argentinien mit einem vorläufigen Erntevolumen von 2,55 Millionen Tonnen nach drei kleineren Ernten in den Vorjahren wieder an einen normalen Herbst anknüpfen. Chile konnte mit einer Ernte von 1,85 Millionen Tonnen oder 13 Millionen Hektolitern eine um 36 Prozent größere Ernte im Vergleich zu 2017 einfahren. Australien blieb mit 1,79 Millionen Tonnen hinter den beiden Konkurrenten aus Lateinamerika und erntete im Vorjahresvergleich etwa 20 Prozent weniger Wein. Auch Südafrika konnte im Frühjahr mit 1,2 Millionen Tonnen – oder 15 Prozent weniger infolge der schlimmsten Dürre seit 100 Jahren – deutlich weniger Wein produzieren als 2017. Die Preise für chilenische und argentinische Weine gaben daher etwas nach, für die wichtigsten Weinkategorien in Südafrika musste etwas mehr bezahlt werden.

Die Vereinigten Staaten rechnen im laufenden Herbst mit 3,8 Millionen Tonnen Trauben. Ein Teil davon wird für Wein, ein anderer für Rosinen und andere Traubenprodukte verwendet. Das Weinvolumen dürfte wie in den Vorjahren bei etwa 24 bis 25 Millionen Hektolitern liegen. Die USA können damit ihren Weinbedarf nicht allein aus eigener Ernte decken und bleiben als wichtigster Importmarkt der Welt für alle anderen Weinproduzenten interessant. Hitze und katastrophale Feuersbrünste, die auch in den Weinregionen wüteten, beeinträchtigten zwar das Ergebnis, aber das Volumen der Weinproduktion liegt auf Normalniveau. 

Europa mit deutlich größerer Weinernte 

Nach einem katastrophal kleinen Erntejahr 2017 kehrt Europa zu normalen Verhältnissen zurück. In Spanien wird mit einer Ernte von rund 6 Millionen Tonnen oder etwa 40 bis 42 Millionen Hektolitern gerechnet. Spanien würde damit wieder eine deutlich größere Ernte als in den Jahren nach der Rekordernte von 2013 einfahren, die rund sieben Prozent über dem langjährigen Durchschnitt läge. Aufgrund der häufigen Regenfälle und des Witterungsverlaufs war die Ernte in Spanien um rund 14 Tage verzögert. Das Ergebnis ist mengen- wie qualitätsmäßig ordentlich. Frankreich liegt mit einer Menge von 6,5 Millionen Tonnen Trauben – verwandelt in Wein ist das ein Volumen von 45 bis 47 Millionen Hektolitern – im langjährigen Mittel. Der Weinbau in Frankreich hatte zwar mit etlichen Wetterkapriolen bis hin zu Hagel und Starkregen zu kämpfen, mit dem voraussichtlichen Volumen liegt die Ernte aber auf gutem Niveau.

Einen schwierigen Witterungs- und damit Vegetationsverlauf hatten auch die Weinbauern in Italien zu bewältigen. Dennoch dürfte die Ernte nach Schätzungen des italienischen Önologenverbands (UIV) mit rund 52 Millionen Hektolitern eine der größten Ernten der letzten Jahrzehnte sein. Apulien katapultiert sich mit knapp 11 Millionen Hektolitern vor dem Veneto an die Spitze der italienischen Weinregionen. Die Versorgung mit wichtigen italienischen Weine wie Pinot Grigio, Chardonnay, Soave oder Lugana als Weißweine sowie Sangiovese, Negroamaro, Primitivo oder Montepulciano d’Abruzzo dürfte im laufenden und im kommenden Jahr somit sicher gestellt sein. Noch herrscht allerdings etwas Unsicherheit über die italienischen Erntezahlen. Kurz nach dem Önologenverband veröffentlichte das italienische Landwirtschaftsministerium eine um rund 6 bis 7 Millionen Hektoliter niedrigere Prognose für das Erntevolumen. Ob etwas mehr oder weniger dürfte am Ende allerdings kaum eine Rolle spielen – die Weinernte fällt in jedem Fall viel größer aus als im langjährigen Mittel und im vergangenen Jahr.

Vielversprechende Ernteaussichten in Deutschland

Der Weinbau in Deutschland dürfte nach den aktuell vorhandenen Daten und den Aussagen von Beobachtern eine sehr große Ernte erwarten. Befürchtete Ernteminderungen durch die lange Trockenperiode erweisen sich nur in Ausnahmefällen als zutreffend. Das Potenzial der Ernte liegt bei deutlich über 10 Millionen Hektolitern. Das wäre erheblich mehr als die 8,5 Millionen Hektoliter, die 2017 in die Keller flossen. Aufgrund der gesetzlich geregelten Höchstertragsbegrenzung, die die Vermarktung der Ernte beschränkt, werden zahlreiche Winzer nicht alles ernten, was an den Rebstöcken gewachsen ist. Für die Winzer ein herber Verlust. Angesichts des gut entwickelten und gesunden Traubenguts ist von vielen nicht nachvollziehbar, wieso eine solche Ernte nicht ganz eingebracht werden kann. Die nicht-geernteten Mengen könnten eventuelle Minderernten in den nächsten Jahren wieder ausgleichen. Aber was nicht geregelt ist, ist nicht erlaubt, und so verdirbt ein Teil der deutschen Weinernte am Rebstock.

Kleinere Erzeugerländer in Europa, wie beispielsweise Österreich, berichten ebenfalls über gute Ernteaussichten. Mit einem Volumen von 2,6 bis 2,8 Millionen Hektolitern dürfte die Ernte ebenfalls etwas über dem Durchschnitt liegen.

Alles in allem rechnen Marktbeobachter mit einer Weltweinernte von rund 270 bis 275 Millionen Hektolitern, was rund zwei Prozent über dem langjährigen Mittel und rund 11 Prozent über dem Niveau des vergangenen Jahres liegen würde. Angesichts eines durchschnittlichen weltweiten Konsums in den letzten Jahren von 240 Millionen Hektolitern kehrt der Weltweinmarkt wieder zu normalen Versorgungsverhältnissen und damit zu moderaten Weinpreisen im internationalen Handel zurück. Die Verbraucher dürfen sich auf gute Weine zu akzeptablen Preisen freuen.

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz

Seit mehr als 20 Jahren leitet Dr. Hermann Pilz als Chefredakteur die Fachzeitschrift WEINWIRTSCHAFT und schreibt leidenschaftlich gerne über die verschiedensten Themen der Wein- und Spirituosen-Branche.

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