Themenwoche Produktsicherheit: Wein – Prüfung muss sein

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Zu groß ist wohl die Versuchung, zu schummeln. Weinkontrolleure sorgen dafür, dass die Gesetze eingehalten werden.
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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Der Ratschlag galt schon immer auch im Bereich der Lebens- und Genussmittel. Zu groß ist wohl die Versuchung, bei deren Herstellung zu schummeln. Beim Wein sorgen Weinkontrolleure dafür, dass die Gesetze eingehalten werden. 

Kontrolle von Wein: Ein Blick in die Geschichtsbücher

Das berühmte Reinheitsgebot für Bier von 1516 hatte so manche Vorgänger. Schon früh wurden in den Städten Panscher und Verfälscher streng bestraft: Belege reichen bis ins älteste deutsche Stadtrecht, dem von Augsburg (1156), zurück. Ende des 15. Jahrhunderts erließ Kaiser Maximilian I. erstmals eine Reichsweinordnung, die als Reinheitsgebot für den Wein gelten kann. Man muss wissen: Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben Erzeuger Wein nicht in Flaschen gefüllt, sondern im Fass an Händler verkauft. Wie diese dann den Wein mit anderen mischten und deklarierten, war für die Verbraucher schwer zu durchschauen. Stammte ein „Rheinwein“ wirklich vom Rhein, ein „Niersteiner“ aus Nierstein? Dass es um das Image des Weins (und damit die wirtschaftliche Lage der Winzer) nicht zum besten bestellt war, liegt auf der Hand. Das sollte sich ändern. Ein engagierter junger Journalist aus Neustadt an der Weinstraße namens Daniel Meininger gründete deshalb 1903 eine Zeitschrift für den „reellen Weinhandel“. Darin war häufig die Rede von Gerichtsurteilen gegen panschende Händler. Die Preußen führten zur gleichen Zeit die erste amtliche Weinkontrolle ein.

Kontrolle ist Ländersache

Heute obliegt die Kontrolle von Wein den Landesuntersuchungsämtern. „Das beste Weingesetz würde nichts nützen, wenn nicht dafür Sorge getragen würde, dass die Gesetzesvorschriften auch tatsächlich eingehalten werden“, heißt es beim Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz. Die über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor einer gewaltigen Aufgabe: An fünf Standorten im Bundesland werden Lebensmittel, Tierbestände, aber auch Arzneimittel und Kosmetika überprüft und kontrolliert. Dafür ist eine entsprechende Ausbildung nötig, ständige Schulungen sorgen für die Weiterbildung. Geprüft werden Stichproben, die zum Beispiel bei Fassweintransporten oder auf Weihnachtsmärkten am Glühweinstand gezogen werden. Aber auch Erzeuger, der Lebensmittelhandel und die Gastronomie werden stichprobenartig getestet. Dabei wird nicht nur auf die korrekte Bezeichnung geachtet: „Die Weinüberwachung im Land gewährleistet den Schutz des Verbrauchers vor Gesundheitsschäden sowie vor Irreführung und Täuschung sowie den lauteren Wettbewerb zwischen Erzeuger/Winzer und Vermarkter. Sie ruht auf den zwei Säulen Weinchemie und Weinkontrolle“, erklärt das Landesuntersuchungsamt. Wein und andere Getränke werden im Labor chemisch analysiert, aber auch vor Ort von den Kontrolleuren verkostet.

Amtliche Prüfung ablesbar am Etikett

Seit 1971 muss die amtliche Prüfnummer (A.P.-Nummer) auf jedem Etikett eines Qualitäts- und Prädikatsweins stehen. Sie belegt, dass der Wein fehlerfrei, sorten- und gebietstypisch ist. Die Qualitätsweinprüfung, bestehend aus einer analytischen und sensorischen Prüfung, ist Ländersache. Sie benennen auch die Prüfkommissionen. Anders als in anderen Ländern, die auf Stichprobenbasis operieren, muss in Deutschland jeder einzelne Wein diese Prüfung durchlaufen, um die A.P.-Nummer zu erhalten. Ein großes Stück Sicherheit, von der die Zeitgenossen Kaiser Maximilians I. trotz drastischer Strafen für „schwarze Schafe“ wohl nur träumen konnten.

Das Etikett mit seinen Pflichtangaben ist so etwas wie der Personalausweis des Weins, wobei die meisten Angaben wie Rebsorte(n) oder Jahrgang freiwillig, aber in der Regel vorhanden sind. Zum Thema Etikettierung gibt es mit der World of Labels auf der drinktec einen eigenen Ausstellungsbereich (Halle A2) speziell für Hersteller von Etikettiertechnik und Etiketten. Weiteres zum Thema Wein erfahren Besucher in der erstmals parallel zur drinktec stattfindenden SIMEI Knowledge & Innovation Area in zahlreichen Workshops und Vorträgen. In der speziell der Kellerei- und Weintechnik gewidmeten SIMEI@drinktec werden neben Maschinen und Anlagen zur Weinherstellung auch Inspektions- und Sortiermaschinen sowie Kontrolleinrichtungen präsentiert. Denn am besten findet die Kontrolle schon bei der Erzeugung statt.

Dr. Rolf Klein

Dr. Rolf Klein

Der freiberufliche Weinjournalist war bis 2006 Chefredakteur der Weinwelt und bloggt über aktuelle Trendthemen aus der Welt der Weine und Winzer.

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