Glasbehälter für Wein – und für die Umwelt?

Im Weinbereich spielten Verpackungsalternativen zu Glasbehältern bislang kaum eine Rolle. Wein und Glasflaschen, vor allem in Form der verbreiteten 1,0- und 0,75-Literflaschen, gehören für viele Konsumenten zum Erscheinungsbild von Wein.
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Glas als Werkstoff ist seit Jahrtausenden im Gebrauch. Frühzeitig erkannten die Menschen die Vorteile, sei es in Form von Trink- oder Lagerbehältern oder als Glas für erste Fenster in römischen Villen. Durchsichtig, fest und geschmacksneutral ist Glas, das man als Behältnis weitgehend hermetisch verschließen konnte. Deshalb sind Glasbehälter für Wein heute nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern spielen auch unter Umweltaspekten eine wichtige und stark diskutierte Rolle.

Anders als von vielen vermutet, ist Glas jedoch kein Kristall oder ein Festkörper, sondern eine erstarrte Flüssigkeit. Diese wird so schnell abgekühlt, dass ihre Struktur dem flüssigen Zustand entspricht und nicht genügend Zeit bleibt, Kristalle des in der Hauptsache enthaltenen Silikats auszubilden.

Industrielle Fertigung macht Glas zum Alltagsgegenstand 

In Form von Flaschen verwenden wir Glas als alltägliches Produkt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte die industrielle Produktion ein, die durch die Einführung neuer Verfahren laufend verbessert wurde. Die Herstellung von Glas aus einer heißen Schmelze erfordert viel Energie, weshalb fortlaufend eine Reduzierung der eingesetzten Energie angestrebt wird.

Trotz intensiver Forschung, Glas energetisch günstiger zu produzieren, schien seine Zukunft als Verpackungsmaterial für Flüssigkeiten jedoch lange Zeit auf dem absteigenden Ast zu sein. Die gesamte Getränkeindustrie setze lange Zeit auf neue Materialien, sei es Aluminium in Form von Dosen, Kartonverpackungen für Säfte und einfach zu produzierende und leichte PET-Flaschen für Mineralwasser, Süßgetränke und Limonaden. Eine übliche 0,5-Literflasche Bierflasche in Glas wiegt mit 280 Gramm rund das Zehnfache einer gleichgroßen PET-Flasche, was für den Transport einen erheblichen Unterschied darstellt.

Glasbehälter – der Klassiker für Wein

Im Weinbereich spielten Verpackungsalternativen zu Glasbehältern bislang kaum eine Rolle. Wein und Glasflaschen, vor allem in Form der verbreiteten 1,0- und 0,75-Literflaschen, gehören für viele Konsumenten zum Erscheinungsbild von Wein. Einzige Ausnahme bilden die Kartonverpackungen in Form von Tetra Pak und den Bag-in-Box-Verpackungen, die es als 1,5-, 3- und 5-Liter-Verpackungen gibt. Sie bestehen aus einer Kartonverpackung und einem Schlauchbeutel mit Zapfventil. Im manchen Ländern erfreuen sie sich großer Beliebtheit. In den skandinavischen Ländern beispielsweise halten Bag-in-Box-Verpackungen einen Anteil von rund 50 Prozent am Weinabsatz. Zu den Freizeitaktivitäten der Skandinavier wie Camping und Bootstouren passen leicht transportierbare Weine abgefüllt in Bag-in-Box-Verpackungen perfekt. In Italien sind Tetra Pak und vergleichbare andere Kartonverpackungen die übliche Verkaufseinheit für einfache Tafel- und Alltagsweine.

Ganz anders in Deutschland: Hier dominiert die Glasflasche den Weinmarkt und ist für Verbraucher unverzichtbar. Branchenschätzungen zufolge werden mehr als zwei Milliarden Glasflaschen jährlich auf dem deutschen Markt verkauft, von dem ein Großteil in deutschen Weinkellereien gefüllt werden.

Der Mehrweganteil bei Wein liegt derzeit bei unter 20 Prozent. Allerdings ist die Recyclingquote bei Glas durch das Rückholsystem hoch, das über den Grünen Punkt organisiert wird und in das jeder Hersteller einbezahlt. Über 250.000 Glas-Container stehen in Deutschland, die von 97 Prozent der Haushalte genutzt werden, berichtet der in Düsseldorf ansässige Bundesverband Glas, dem auch die zwölf in Deutschland tätigen Glasflaschenproduzenten angehören. Überhaupt ist Glas ein vorbildlicher Werkstoff was die Recyclingquote betrifft. Laut Verband besteht manche Flaschensorte heute schon aus bis zu 90 Prozent „Alt“-Scherben. Im Schnitt sind es pro Glasflasche derzeit 60 Prozent.   

PET vs. Glas

Der Gewichtsvorteil und der geringere Energieaufwand in der Herstellung macht sich in Ökobilanzen bemerkbar. Für beide Werkstoffe lassen sich Mehrwegsysteme aufbauen und so die Ökobilanzen erheblich verbessern. Welche Bilanz günstiger ausfällt, hängt je nach Produktion von den Bedingungen, Rücklaufquoten, Transportentfernungen und die Logistik von der Herstellung zum Verbraucher und wieder zurück ab. Glasflaschen können beispielsweise 50 Mal neu befüllt werden, bei PET-Flaschen beträgt die Wiederbefüllquote nur 20 bis 25 Zyklen.

Etwa 40 Prozent der in Deutschland verkauften Weine stammt aus deutscher Weinproduktion, die anderen 60 Prozent der abgefüllten Weine stammen aus dem Ausland.
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2016 lag der Mehrweg-Anteil bei Getränken nur noch bei etwas über 40 Prozent. Zehn Jahre zuvor wurden noch zwei Drittel der Getränke im Mehrweg gehandelt. Der gesunkene Anteil hat den Gesetzgeber auf den Plan gerufen, der deshalb im neuen Verpackungsgesetz (2019) eine neue Zielquote von 70 Prozent Mehrweg fordert. Am Regal muss nun gekennzeichnet werden, ob es sich um Mehr- oder Einweg handelt. 

Mehr noch als die gesetzlichen Vorgaben dürften jedoch die auf breiter gesellschaftlicher Ebene entbrannte Diskussion über Ressourcenverbrauch und Rohstoffnutzung bis hin zur Vermüllung der Weltmeere mit Plastikmüll ein Umdenken beim Verbraucher bewirken.

Glas erlebt derzeit eine regelrechte Renaissance in der Getränkebranche und rückt wieder stärker in den Fokus aller Marktteilnehmer. Mehrweg bei Glas, insbesondere im Mineralwasserbereich, ist im Aufwind. Mittlerweile liegt der Anteil von Mehrweg-Glasbehältern auf dem 13 Milliarden Euro großen Markt der alkoholfreien Getränke wieder bei 13,9 Prozent, knapp unter dem Wert von Plastik-Mehrweg.

Traditionelle Getränkehersteller setzen vermehrt auf Glas

Ausgelöst durch die Diskussionen rund um den Klimawandel setzen immer mehr Getränkehersteller wieder verstärkt auf Glas. Coca Cola, zahlreiche Mineralwasserhersteller oder der österreichische Energydrink-Produzent Red Bull lancierten in den letzten Monaten neue Produkte in Glasflaschen, für die speziell in Abfüllanlagen für die Glasflaschenfüllung investiert wurde.

Etwa 40 Prozent der in Deutschland verkauften Weine stammt aus deutscher Weinproduktion, die anderen 60 Prozent der abgefüllten Weine stammen aus dem Ausland.

Die aktuell anhaltende Nachfrage nach Glas, wie Peter Mohr, Geschäftsführer beim Glasgroßhändler Wittwer aus Rheinland-Pfalz erklärt, hatte für die traditionellen Verwender einen unschönen Begleiteffekt: Die erhöhte Nachfrage führte Anfang 2019 zu einer Verknappung auf dem Markt für Glasbehälter, von dem auch die deutschen Winzer und Weinkellereien betroffen waren.

Etliche Glassorten, etwa dunkelgrüne Literflaschen für Wein, waren über Monate nur schwer zu bekommen. Verschärft wurde die Situation durch den vorübergehenden Ausfall mehrerer Glasschmelzwannen in großen Glashütten in Süd- und Ostdeutschland, die repariert werden mussten. Glasschmelzwannen sind aufgrund der hohen Temperaturen einem ständigen Verschleiß unterworfen, insbesondere Verunreinigungen mit Metallen in den Grundstoffen verursachen erhebliche Probleme.

Inzwischen hat sich die Lage allerdings etwas entspannt. Glasflaschen, ob die traditionelle Literflasche in Grün oder die 0,75 Literflasche in verschiedenen Grünfärbungen, in Weiß oder Braun sind wieder zu haben.

Glasbehälter auf der drinktec 2021

Glas bleibt ein wichtiges und begehrtes Material, auf das die Getränkewirtschaft nicht verzichten kann. Da es theoretisch zu 100 Prozent recycelt werden kann, macht es den Werkstoff in der heutigen Zeit doppelt wertvoll. Bekannte und neue Anbieter sowie innovative Produkte wird es aus allen Sparten der Getränkebranche auf der Münchner Technologiemesse drinktec 2021 geben, die vom 13. bis 17. September 2021 auf dem Messegelände stattfindet.

Sie haben innovative Ansätze für Glasbehälter entwickelt und möchten diese einem internationalen Publikum vorstellen? Dann seien auch Sie bei der nächsten drinktec mit dabei. 

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz

Seit mehr als 20 Jahren leitet Dr. Hermann Pilz als Chefredakteur die Fachzeitschrift WEINWIRTSCHAFT und schreibt leidenschaftlich gerne über die verschiedensten Themen der Wein- und Spirituosen-Branche.