Das Etikett zwischen Vorschrift und Phantasie: Was drauf steht ist auch drin, oder?

Labels and the line between regulations and imagination
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Ausstattung und Verpackung eines Artikels sind essentiell für das Produktmarketing. Die Etikettierung spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie muss viel mehr Anforderungen erfüllen, als es auf den ersten Blick erscheint.

So müssen umfangreiche rechtliche Vorschriften beachtet werden. Die sind bei Wein in einer Vielzahl von Richtlinien, Verordnungen und Gesetzen von Europäischer Union, Bund und Ländern festgelegt. Wer dagegen verstößt, begeht in vielen Fällen eine Straftat und das nicht ohne Grund. Die Geschichte der Weinverfälschungen und der falschen oder irreführenden Bezeichnungen ist lang. Sie begleitet den Wein seit mehr als zweitausend Jahren.

Ist immer das drin, was auf der Flasche Wein drauf steht?

Der Etiketten-Hersteller Gewa Etiketten GmbH ist einer der spezialisierten Anbieter von Wein-Etiketten und Aussteller auf der SIMEI@drinktec. Das Unternehmen bietet Weinproduzenten und Kellereien mit seinen „Kurzinformationen zum Weinrecht“ seit Jahrzehnten eine anschauliche und praktische Hilfestellung. Ein wichtiges Thema sind dabei die rechtlichen Anforderungen bei der Etikettierung von Wein, Schaum- und Perlwein und anderen Weinerzeugnissen. Dazu gehören beispielsweise die „obligatorischen Angaben“, wie die Nennung der korrekten Verkehrsbezeichnung (zum Beispiel „Wein“, „Sekt“ oder „weinhaltiges Getränk“). Aber auch die Angaben zu Herkunft, Inhalt und Alkoholgehalt sowie zur Losnummer müssen auf ein Etikett. Vor einigen Jahren wurde zudem auch die neue Kennzeichnung von Allergenen eingeführt. Die obligatorischen Angaben können durch weitere Bezeichnungen ergänzt werden, wie Erntejahr, Rebsorte oder geografischer Ursprung.

Trotz klarer Richtlinien sind weltweit leider zahlreiche Weinfälschungen und irreführende Bezeichnungen auf Wein- und Schaumweinflaschen im Umlauf. Selbst auf den größten Weinmessen der Welt, wie der Vinexpo in Bordeaux, findet man Kurioses, was die Etikettierung anbelangt: Beispielsweise wusste eine Winzergenossenschaft von der französischen Mittelmeerinsel Korsika wohl um die verkaufsfördernde Bezeichnung „Prosecco“. Folglich boten Sie einen Schaumwein mit der Bezeichnung „100 % Vermentino“ unter dem Stichwort „Méthode Prosecco“ an. Weder darf aus der weißen Rebsorte Vermentino ein Prosecco erzeugt werden, noch darf wegen dem geschützten geografischen Ursprung auf Korsika überhaupt ein Schaumwein mit der Bezeichnung Prosecco hergestellt werden.

Etiketten machen Marken

Neben der Information dienen Etiketten der optischen Gestaltung und Aufwertung der Weinflaschen. Etiketten sind Aushängeschilder der Weinproduzenten. Die Zeiten, in denen auf einfache Etiketten-Vordrucke zurückgegriffen wurde, sind lange vorbei. Etiketten sind mitunter wahre Kunstwerke. Sie werden als solche auf den Flaschen berühmter Weingüter wie Chateau Mouton Rothschild in limitierter Auflage von Künstlern gestaltet und sind oft begehrte Sammlerobjekte.

Etiketten differenzieren die Weinwelt

Ausgezeichneten Weinproduzenten und ihren Weinen genügt auf dem Etikett ein einziger Name, wie beispielsweise beim piemontesischen Starwinzer Gaja. Seine Barolos und Barbarescos sind Kult – und genauso kultig ist auch seine Etiketten-Gestaltung. Das gilt auch für viele traditionsreiche deutsche Weingüter. Wer kennt als Weinliebhaber nicht die wunderbaren, im Design des Jugendstils und der Gründerzeit gestalteten Etiketten von Weingütern wie Bassermann-Jordan aus der Pfalz oder Robert Weil aus dem Rheingau.

Etiketten sind natürlich nicht nur Sammlerobjekte, sondern erfüllen auch eine wichtige Orientierungsfunktion: Das New Yorker Luxushotel Waldorf Astoria hat 1923 die 1921er Trockenbeerenauslese des Weinguts Maximin Grünhaus zum sagenhaften Preis von 100.000 Goldmark auf einer Versteigerung erworben – ein Allzeitrekord für den teuersten jemals versteigerten Wein. Kein Wunder, dass angesichts solcher Preise für Betrüger schon immer die Verlockung bestand, Weine und Etiketten zu fälschen. Das gilt heute wie damals für eine Vielzahl hochwertiger Weine aus Bordeaux, Burgund, der Toskana. Der Valpolicella mit seinen Amarone wurde erst vor wenigen Jahren im großen Stil in Kanada mit gefälschten Etiketten kopiert.

Technik von damals und heute

Etiketten waren einst Unikate und wurden, wie der griechische Name »Lithographie« verdeutlicht, tatsächlich auf Steinplatten gedruckt. Heute kommen modernste Druck- und Etikettierverfahren bei der Herstellung und Verarbeitung von Etiketten zum Einsatz. Die Bandbreite dabei ist groß – von der Kalt- und Heißleim- bis hin zur Selbstklebe-Etikettierung. Trotz effizienter Herstellung und hochwertiger Veredelung mit Prägedruck oder Gold- und Silberlaminierung erlaubt die heutige Technik individuelle Gestaltungen bis hin zur Serienfertigung von Einzel-Etiketten. Sie ermöglichen eine Individualisierung der Produktgestaltung.

Etikettierung und Verpackung auf der Drinktec

Mit der World of Labels gibt es auf der drinktec einen eigenen Ausstellungsbereich (Halle A2) speziell für Hersteller von Etikettiertechnik und Etiketten. Auch auf der SIMEI@drinktec findet sich eine Vielzahl von Firmen wie der italienische Etikettiermaschinen-Hersteller Cavagnino & Gatti S.P.A., der internationale Weinproduzenten und die Firma Valdo aus Valdobbiadene zu seinen Kunden zählen darf. Mit den Firmen Krones AG und KHS GmbH stellen weitere renommierte Marktführer im Bereich Etikettiermaschinen auf der Messe aus. Zahlreiche andere Aussteller präsentieren auf der SIMEI@drinktec die modernste Technik, Lösungen für die digitale Vernetzung und alles rund um die Etikettierung für Glas- und PET-Flaschen. Weiteres zum Thema Wein erfahren Besucher in der SIMEI Knowledge & Innovation Area in zahlreichen Workshops und Vorträgen.

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz

Seit mehr als 20 Jahren leitet Dr. Hermann Pilz als Chefredakteur die Fachzeitschrift WEINWIRTSCHAFT und schreibt leidenschaftlich gerne über die verschiedensten Themen der Wein- und Spirituosen-Branche.

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