Cider international auf Erfolgskurs

Cider im Glas
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Cider wächst weltweit und entwickelt sich immer stärker zu einem internationalen Getränk. Eine Stärke der Branche ist dabei ihre Innovationsfreude. Das wurde beim diesjährigen Global Cider Forum in Frankfurt deutlich.

Weltweit haben Cider-Hersteller in den letzten Jahren ihre Produkte modernisiert und passen sie immer wieder den neuesten Verbrauchertrends an – ob nun aromatisiert oder gehopft, vegan oder nachhaltig, kalorienreduziert oder alkoholfrei. Und das macht sich offenbar bezahlt: Cider legt deutlich stärker zu als alle anderen alkoholischen Getränke – auch wenn sich das Wachstum in den letzten Jahren etwas verlangsamt hat.

Die Kategorie konnte in den letzten sechs Jahren im Volumen weltweit im Schnitt ein Plus von gut vier Prozent verzeichnen – während beispielweise Spirituosen und Wein jeweils nur um etwa zwei Prozent zulegten. Das zeigten jüngst erst die Zahlen von Global Data.

In manchen Märkten kann Cider gleichwohl nennenswerte Marktanteile verzeichnen. Mit Abstand ganz vorn liegen bei einem Pro-Kopf-Konsum von jeweils etwa 15 Litern Großbritannien und Irland. Ähnliche Werte findet man sonst nirgendwo; auf Platz drei folgen mit großem Abstand und 6,6 Litern pro Kopf die Finnen, auf Platz vier mit 2,45 Litern die Spanier. Deutschland schafft es mit 0,8 Litern nicht einmal unter die Top 25 Märkte weltweit.

In Großbritannien bedeutender Wirtschaftsfaktor

Mit einem Volumenanteil von 38 Prozent hat Großbritannien für den internationalen Cidermarkt eine herausragende Bedeutung. Über acht Millionen Hektoliter werden im Vereinigten Königreich jährlich abgesetzt, wie Gordon Johncox, Präsident des nationalen Ciderverbands NACM, unter Verweis auf Daten des Marktforschungsinstituts IRI in seinem Vortrag unterstrich. Mit einem jährlichen Umsatz von umgerechnet mehr als 3,5 Milliarden Euro und einem Exportwert von rund 136 Millionen Euro sei Cider ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, so Johncox.

Dabei befindet sich die Kategorie in dem stärksten Markt jedoch in einem stetigen Sinkflug. Laut Global Data gingen die Absätze in Großbritannien seit 2013 jährlich um 0,56 Prozent zurück. Nach den von Johncox präsentierten IRI-Daten betrifft dies praktisch alle Preisklassen: Das mit 55 Prozent dominante Mainstream-Segment verliert ebenso wie der Preiseinstieg. Auch in der Premium-Kategorie gehen die Verkäufe – nach einer längeren Periode des Wachstums – zurück.

Gründe für die Verluste sieht der Verbandschef unter anderem in dem insgesamt rückläufigen Alkoholkonsum der Briten und einem deutlichen Erstarken der Anti-Alkohol-Lobby. Zudem verliere Cider Marktanteile an andere Getränkesegmente. Nicht zuletzt machen die Unsicherheiten rund um den Brexit der Branche zu schaffen.

Cider trinken
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Cider – mit aromatisierten Sorten neue Zielgruppen gewinnen

Unter dem englischen und französischen Cider versteht man Apfelschaumwein oder Apfelsekt. Dieser entsteht, wenn man Äpfel presst und den Most unter Druck vergären lässt. Und das ist auch der Unterschied zum deutschen Apfelwein: Cider sprudelt.

Neue Perspektiven eröffnet indessen die deutliche Zunahme von Flavoured-Varianten. Sie würden dem Cider neue Konsumenten bringen, gibt sich Johncox zuversichtlich. Die aromatisierten Sorten haben im Handel inzwischen einen Marktanteil von gut einem Viertel, in der Gastronomie liegt er gar bei 39 Prozent.

Überhaupt ist es im Vereinigten Königreich die Gastronomie, die für Lichtblicke sorgt. Während der Handel um die sieben Prozent verliert, steigt im Ontrade-Kanal der Umsatz um gut zwei Prozent – bei stagnierender Menge (+0,2 Prozent). Und das bei einer deutlich höheren Wertigkeit: Während der Durchschnittspreis im Handel bei umgerechnet 2,60 Euro pro Liter liegt, zahlt man in der Gastronomie für das Pint (ca. 570 Milliliter) rund 4,30 Euro.

Anders als Großbritannien kann Deutschland bislang noch nicht allzu viel zum Weltmarkt beitragen, und das ganz große Wachstum findet anderswo statt, wie Kevin Baker von Global Data zeigte. Konkret sind nach seinen Ausführungen die neuen Märkte in Osteuropa aktuell die starken Treiber. Seit 2013 stand Tschechien an der Spitze der am schnellsten wachsenden Cider-Märkte, gefolgt von Rumänien. Ebenfalls unter den Top 10 platzierten sich Slowenien, Bulgarien, Russland und die Ukraine. Deutlich aufsatteln konnten weltweit auch Nordamerika, Afrika sowie Australien und Neuseeland.

Obwohl also Cider in den letzten Jahren immer internationaler geworden ist, vereint Westeuropa weiterhin fast 60 Prozent des Marktvolumens. Noch vor zehn Jahren entfielen allerdings noch nahezu 80 Prozent des Absatzes auf die Region. Da hier aber der Zuwachs inzwischen am geringsten ist, dürften sich die Verhältnisse bald noch weiter zu neuen Märkten verschieben.

Cider schiebt zahlreiche Trends mit an

Eine Stärke der Kategorie ist offenbar ihre Innovationskraft. Seit den späten 1980er-Jahren gesellten sich zu den traditionellen Produkten aus Äpfeln immer mehr mit Saft anderer Früchte oder Aromen veränderte Getränke. Diese „Flavoured Ciders“ werden immer beliebter, ihr Marktanteil wächst laut Global Data in den meisten Ländern, wenn auch nicht überall so stark wie in Großbritannien.

Zwar entfallen weltweit immer noch 78 Prozent auf Apple Cider und lediglich 18 Prozent auf die Aromatisierten. Letztere verzeichneten allerdings seit 2013 im Schnitt ein jährliches Plus von fast 17 Prozent. Die übrigen vier Prozent nimmt der unter anderem in Großbritannien, Irland und Skandinavien beliebte Pear Cider oder Perry (aus Birnen) ein – allerdings mit sinkender Tendenz. Besonders viel Flavoured Cider wird in Westeuropa getrunken. Laut Erhebungen von Global Data sind unter den aromatisierten Getränken solche mit Beerengeschmack bei weitem die populärsten.

Auch über den Geschmack hinaus zeigt sich Cider als eine sehr innovative Kategorie, indem er zahlreiche Trends mit anschiebt.

Äpfel für die Cider Produktion
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So finden sich moderne Produkte mit weniger Kalorien ebenso am Markt wie solche mit trendigen Ingredienzien wie Kokoswasser oder Apfelessig. Zudem spielen die Hersteller beim Thema Nachhaltigkeit ganz vorne mit, insbesondere wenn es um vegane oder ökologisch erzeugte Produkte geht. Nicht zuletzt sind manche Marken im Craft-Segment aktiv, während andere die Gattungsgrenzen überschreiten wie die kurz „Spiders“ genannten Cider mit Spirituosenaromen und entsprechendem Branding. Alles im allem gute Voraussetzungen auch für künftiges Wachstum.

Wer sich für die technischen Hintergründe der Cider-Herstellung interessiert, findet in der internationalen Fachmesse drinktec in München das richtige Forum. Dort präsentieren Aussteller aus aller Welt ihre Lösungen. Sie wollen auch mit dabei sein? Dann melden Sie sich hier an. Die nächste drinktec findet vom 13. bis 17. September 2021 statt.

Barbara Rademacher

Barbara Rademacher

Barbara Rademacher war 18 Jahre lang Redakteurin bei einer renommierten Fachzeitschrift für die Getränkebranche. Im Juli 2018 gründete die gelernte Journalistin zusammen mit ihrem langjährigen Kollegen Dirk Omlor ein Text- und Beratungsbüro mit dem zentralen Projekt getraenke-news.de.