Barrique – mehr als Geschmack

Eichenholzfässer für Barrique-Wein
© Dr. Hermann Pilz

Die Lagerung und Aufbewahrung von Wein beschäftigte Weinmacher seit jeher: In mehr oder minder geeigneten Behältnissen wie Tonkrügen, Amphoren oder Lederschläuchen transportierten und bewahrten Menschen in früherer Zeit das kostbare Gut Wein auf. Wer es sich leisten konnte, verwendete Fässer aus Holz, die haltbarer und auch besser zu transportieren waren als zerbrechliche Krüge. In der heutigen Zeit gilt das Barriquefass wohl als das bekannteste Lagergefäß für Wein und die Reifung darin als Qualitätsmerkmal. 

Barrique steht für mehr als nur die Lagerung und das eigentliche Fass: Diese Art der Weinbereitung in verhältnismäßig kleinen, neuen Eichenholzfässern sorgen vor allem für den charakteristischen Barrique-Geschmack.

Geburtsstunde Barrique auf bedeutendem Weinhandelsplatz Bordeaux

Ihren Ursprung haben die bekannten Barriquefässer in Bordeaux. Im Jahr 1866 wurde dort die Größe eines Barriquefasses auf genau 225 Liter festgeschrieben, die auch heute noch so gilt. Ein solches Barriquefass konnte ein Mann alleine rollen. Zwei Männer konnten es gerade noch so tragen. Zu jener Zeit wurden die Weine von den Châteaus zu den Händlern an die Kais der Gironde zur Verladung nach Bordeaux gebracht. Erst dort hatte man sie zu verkaufsfähigen Weinen verschnitten und bis zum Weiterverkauf gelagert. Die Kunden der Bordelaiser Kaufleute saßen insbesondere in London und in den reichen Kolonien des britischen Imperiums. Entsprechend eigneten sich besonders Barriquefässer, um den Wein per Schiff dorthin zu transportieren. Auf der Rückfahrt nahm man die teuren Fässer als Leergut wieder zurück nach Frankreich.

Die Lagerung im Barrique veränderte jedoch den Geschmack der Weine und verlieh ihnen ihren charakteristischen süß-würzigen Geschmack. Die Kunden in England gewöhnten sich schnell daran. Die besonderen Aromastoffe entstehen, wenn die Küfer die Dauben mit Wasser und Feuer biegen. Also ganz natürlich bei der Herstellung der Barriquefässer. Als Holz wird heute fast nur noch Eiche verwendet, das auch aufgrund seiner Härte und Dichte am besten geeignet ist.

Siegeszug der Barrique-Weine hat einen Namen

Der bekannte US-amerikanische Weinkritiker Robert Parker bevorzugte Rot- und Weißweine, die alkoholreich und zugleich ein sattes Barrique-Aroma auszeichnete. Seiner Empfehlung und seinen Bewertungen folgen Millionen von Konsumenten in den Staaten und auch in Europa. So prägte er den Geschmack vieler Önologen rund um den gesamten Globus. Weinproduzenten aus aller Welt begannen, ihre höherwertigen Weine im Barriquefass auszubauen oder eine gewisse Zeit einzulagern. Ob spanische Gran Reservas oder italienische Super Tuscans, der Einsatz des Barriquefasses war quasi obligatorisch.

Barrique – eine Wissenschaft für sich

Gesetzliche Regelungen geben vor, ab wann „im Barrique gereift“ auf dem Etikett stehen darf. Diese reichen von Mindestlagerzeiten im Barriquefass bis hin zu der Abgrenzung, wenn Holz-Chips oder geröstete Holzscheite den Barriquegeschmack erzeugen. Der Ausbau und die Lagerung im Barrique verändern nicht nur den Geschmack der Weine, sondern auch die Haltbarkeit. Durch den Austausch über das Holz werden Weine stärker dem Sauerstoff ausgesetzt und hierdurch stabiler und reifer gegenüber Weinen, die nur in den sonst üblichen Edelstahltanks ausgebaut werden. Die Auswahl geeigneter Fassküfer und Barrique-Produzenten ist also zentral für die Produzenten. Dabei ist die Auswahl und die Suche nach geeignetem Holz gar nicht einmal so einfach. Hochwertige Barriquefässer kosten schnell tausend und mehr Euro – was vielen Weingütern und Winzern aber für die Qualität und Vermarktung ihres Weines wert ist. Denn die Angabe „im Barrique gereift“ nach Angaben des Deutschen Weininstituts nur bei Qualitäts- und Prädikatsweinen zugelassen. Mindestens 75 Prozent des Weins müssen im Barriquefass gegoren oder gereift worden sein.

Auf der SIMEI@drinktec sind mit Dolium aus Ungarn, Garbellotto aus Italien, Valoga aus Bulgarien oder der PA Fassbinderei GmbH aus Österreich verschiedenste Anbieter im Bereich Barriquefässer vertreten. Zubehör, das für die Produktion unerlässlich ist, bietet die Firma Lafal snc di Franchini mit ihren Lagersystemen für Barriquefässer.

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz has been in charge of the trade magazine WEINWIRTSCHAFT as chief editor for over 20 years. He loves writing about many different topics of the wine and spirits industry.

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