Losgrößenoptimierung in der Produktion

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© Molkerei Ammerland

Eine der aktuellen Herausforderungen für den Produktionsleiter einer Molkerei ist die zunehmend geringere Losgröße, mit der Produkte die Stufen des Fertigungsprozesses durchlaufen. Die Märkte werden immer stärker segmentiert, was einerseits natürlich die heiß begehrten Absatzimpulse setzt, andererseits aber auch die gerade noch absetzbaren Produktionsvolumina begrenzt. Konkret bedeutet dies, dass Produktionen meist nicht mehr einen ganzen Tag oder länger durchlaufen – die Ausnahme bleibt hier die Käseproduktion. Im Extremfall muss sogar im 20-Minuten-Takt umgestellt werden, was die Produktionseffizienz in hohem Maße reduziert. Eine qualifizierte Losgrößenoptimierung ist für jeden Produktionsleiter daher wirtschaftlich relevant.

Die Entscheider in den Molkerei-Betrieben sind dieser Entwicklung allerdings nicht völlig hilflos ausgesetzt: Sie sollten vielmehr regelmäßig die Produktionslosgrößen auf den Prüfstand stellen und auf monetäre Einsparpotenziale, freisetzbare Produktionskapazitäten oder Reduktionsmöglichkeiten des Lagerbestandes prüfen – im Fachjargon gesprochen: eine Losgrößenoptimierung durchführen. Um eine wirklich qualifizierte Entscheidung zu ermöglichen, brauchen die Produktionsleiter und -planer allerdings Zahlen. Nur wer alle Auswirkungen einer Losgrößenoptimierung unter Einbezug aller operativen Restriktionen und aller relevanten Kostenpositionen kennt, kann sinnvolle Veränderungen in der Produktion anstoßen und erreichen.

Klassische Losgrößenbestimmung

Einen Ansatzpunkt könnte das klassische Losgrößenmodell nach Andler bieten. Hier werden die beiden hauptsächlichen Kostenverursacher, die Bestandskosten für die Lagerung des produzierten Artikels sowie die Rüstkosten betrachtet. Die optimale Losgröße ergibt sich aus dem Schnittpunkt von Rüst- und Bestandskosten und dies liefert auch – unter Annahme konstanter Verbräuche – ein Gesamtkostenminimum für die Produktion. Dieses klassische Losgrößenmodell ist lediglich ein theoretischer Ansatzpunkt. In der Praxis sind für die Losgrößenoptimierung oftmals weitere, relevante Kostenpositionen zu identifizieren und in das Berechnungsmodell zu integrieren.

Ein Beispiel: Läuft das Lager voll, müssen die Kosten für ein externes Lager mitbetrachtet werden. Erschwerend kommt für die Milchindustrie hinzu, dass die meisten ihrer produzierten Produkte verderblich sind. Diese müssen mit einer ausreichenden und mit dem Handel vertraglich vereinbarten Restlaufzeit in die Kühlregale des Einzelhandels gelangen. Das bedeutet also, dass Losgrößenoptimierung nicht pauschal, sondern immer nur individuell auf die jeweilige Produktion angepasst erfolgen kann.

Indien ist weltweit größter Milchproduzent: Mehr als 150 Millionen Tonnen Milch kommen jedes Jahr aus Indien, mehr als aus jedem anderen Land der Welt. Selbst die Europäische Union (EU) produziert zusammen genommen jährlich gerade einmal gut 10 Millionen Tonnen mehr. Laut UNO-Ernährungsorganisation FAO wird Indien bis 2025 die EU überholen.

Das Push-Pull Supply-Chain-Management in der Milchindustrie

losgrößenoptimierung in der milchbranche
© Pixabay / User: pixel2013

Die Milchindustrie hat eine Push-Pull Lieferkette, in der eine vertraglich abzunehmende Milchmenge (Push) mit der Kundennachfrage nach Endprodukten (Pull) in Einklang gebracht werden muss. Dieses ist beim Kuppelprodukt „Milch“ separat für die Hauptbestandteile „Fett“ und „Eiweiß“ zu betrachten. Sollten diese Mengen die jeweiligen Kundenbedarfe übersteigen, werden im Regelfall Pufferartikel mit längerem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) produziert. Diese Produktionsmengen, denen keine aktuelle Kundennachfrage gegenübersteht, sind bei der Berechnung der optimalen Losgrößen zu berücksichtigen, rät das Düsseldorfer Beratungsunternehmen HÖVELER HOLZMANN CONSULTING GmbH. Interessanterweise kann es aber auch genau andersherum laufen: Ist der Rohstoffeingang zu gering für die Erfüllung der Nachfrage, muss zusätzlicher Rohstoff beschafft werden. Hier wären also die Zusatzkosten ebenfalls in die Losgrößenbestimmung zu übernehmen.

Die Sache mit der Losgrößenoptimierung ist also überaus komplex; laut dem Beratungsunternehmen lassen sich aber Kostenvorteile je nach Unternehmen in bis zu sechsstelliger Höhe erreichen. Die Herausforderungen sind auch in anderen Branchen der Getränkeindustrie durchaus ähnlich gelagert. Die drinktec 2021, die Weltleitmesse für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie, kann wertvolle Erkenntnisse aus vielen Wirtschaftsbereichen vermitteln, die sich gewinnbringend im eigenen Betrieb umsetzen lassen. Planen Sie daher also unbedingt den Besuch der nächsten drinktec, die vom 4. bis 8. Oktober 2021 auf der Messe München stattfindet, ein. Sie suchen noch einer Plattform, um Ihre Innovation der Getränkeindustrie vorzustellen? Dann buchen Sie jetzt ihre Standfläche auf der drinktec 2021.

Roland Sossna

Roland Sossna

Der gelernte Molkereifachmann, Agraringenieur und freie Fachjournalist Roland Sossna gestaltet unter anderem die Redaktion der Fachtitel molkerei-industrie und IDM International Dairy Magazine. Regelmäßig stellt er herausragende Innovationen aus der Molkerei-Branche auf dem Blog vor.