Wettbewerbsvorteile durch innovative Verpackungstechnologien

innovative Verpackung
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Die automatisierte Produktion durch den Einsatz von Robotern wird vor allem mit der Automobilbranche assoziiert. Heute dringen moderne Technologien in immer mehr Branchen vor, wie auch in die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie. Der Lebensmittelsektor verzeichnet dabei im Vergleich zum Vorjahr mit rund 32 Prozent neu installierten Robotern im Jahr 2018 eine der stärksten Wachstumsraten. Das Beispiel Danone aus der Milchindustrie zeigt, wie moderne Robotik bei der innovativen Top-Cup-Verpackung für Joghurt erfolgreich genutzt wird.

Joghurt „nur“ mit Frucht holt Verbraucher kaum noch hinter dem Ofen hervor. Tatsächlich ist der Markt für Fruchtjoghurt in Deutschland seit Jahren rückläufig. Von 2011 bis 2018 bewegte sich der Pro-Kopf-Verbrauch fermentierter Milchprodukte um ein ganzes Kilogramm auf 29,9 kg pro Jahr zurück, berichtet die ZMB (Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle, Berlin) in ihrem Jahrbuch Milch 2019. In Zusammenhang damit steht der entsprechend ebenfalls rückläufige Rohstoffeinsatz, der im angegebenen Zeitraum um 9,2 Prozent auf etwas über eine Million Tonnen sank. Dieser Verlust des Absatzvolumens von circa 100 Millionen Kilogramm Milch entsprechen der jährlichen Verarbeitungsmenge einer kleineren Molkerei – was die direkten Auswirkungen auf die Milchindustrie verdeutlicht.

Innovative Verpackungstechnologie mit dem Top Cup

Produktion innovativer Verpackung
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Es ist also kein Wunder, dass die Joghurthersteller sich alle Mühe geben, über Produktinnovationen Marktanteile zu erhalten oder gar zu steigern. Diese Neuerungen der Produkte gelingen oft nur durch kreative Anpassungen oder Neuerfindungen der Verpackung, wie folgendes Beispiel zeigt: Beim Konzept des erweiterten Stülpdeckels, dem sogenannten Top Cup, wird eine separat versiegelte und in der Regel transparente Kunststoffverpackung oben auf dem Becher platziert. Sie enthält beispielsweise Cerealien, Schokoballs, Smarties oder andere bunte und meist süße Kreationen, die der Verbraucher vor dem Verzehr in die Joghurtgrundmasse im Hauptbecher einrührt. Meist beziehen Molkereien diese Top Cups von spezialisierten Zulieferern, die derartige Beigaben im großen Stil und daher kostengünstiger produzieren können.

Applikation in Rekordgeschwindigkeit

Allerdings bildet das Applizieren der Top Cups zuweilen technische Probleme. Die edlen Stülpdeckel von Hand aufzusetzen erlauben sich meist nur kleine Molkereien, die eine Manufaktur-Philosophie leben und nach außen tragen. Im großen Stil müssen für Top Cups hingegen spezielle Applikatoren eingesetzt werden. Beim Aufsetzen der Top Cups kommt es auf höchste Präzision und immer mehr auch auf Schnelligkeit an. Eine solche Lösung für die innovative Verpackung hat vor Kurzem die Schweizer Firma Stäubli für Danone kreiert. Ein „ultraflinker“ Stäubli FAST Picker bringt eine kleine vorfabrizierte Verpackung mit dem gewünschten Topping und inklusive Plastiklöffel maschinell auf die Oberseite des Joghurtbechers auf. Der Clou beim FAST-Picker ist ein vierachsiges kinematisches Design, das bisher unerreichte Geschwindigkeiten von 237 Pick-and-Place-Zyklen pro Minute erreicht und damit einen neuen Rekord aufstellt. Und dies, obwohl der Roboter mit lebensmitteltauglichem NSF H1-Schmierstoff der Klasse NSF H1 betrieben wird. Der FAST-Picker ist so schnell, dass er gleich zwei Deltaroboter ersetzen kann.

Für Danone bietet diese innovative Verpackungstechnologie mehrere Vorteile: Grundlegend verringert sich der Platzbedarf, da für das Zelldesign nur ein Roboter benötigt wird. Außerdem führt die Technologie zu einer Effizienzsteigerung, indem die Produktion deutlich erhöht wird, sich Stückkosten reduzieren und eine neue Qualität der Verpackungen erreicht wird. Damit lässt sich folgern, dass sich der französische Konzern mit modernster Roboter-Technologie für seinen Verpackungen einen Vorsprung gegenüber anderen Wettbewerbern verschaffen konnte.

Neue Technologien beschränken sich nicht nur auf Verpackungsarten, sondern auch auf deren Material. Deshalb arbeiten Wissenschaftler an neuen und biologisch abbaubaren Verpackungsmaterialien aus Naturstoffen. Dazu zählt Casein, das Protein der Milch sowie Pilze, Disteln und sogar die Schalen von Krabben, die für umweltverträgliches Verpackungsmaterial verwendet werden.

Vielfalt „mit der Ecke“

Die Erfindung des Doppelkammerbechers durch die Molkerei Müller liegt bereits viele Jahre zurück. Mit der damals innovativen Verpackungsvariante lässt sich eine quasi unbegrenzte Anzahl an Produkt-Sorten an den Verbraucher bringen, um auf individuelle Interessen einzugehen und den Wunsch nach Abwechslung abzudecken. Kleiner Vorteil für die Hersteller: Sie müssen nur eine Grundmasse an Joghurt zubereiten, die sie dann in durchaus großen Chargen in die größere Verpackungs-Kammer füllen, während die in der kleinen Kammer beigefügte Fruchtzubereitung für die Vielfalt sorgt. Das Konzept Doppelkammerbecher des „Joghurt mit der Ecke“ ist bei vielen Joghurtherstellen im In- und Ausland zum Standard geworden und wird inzwischen beim Verbraucher als wenig aufregend empfunden.

Wer sich einen Überblick über den aktuellen Stand der Verpackungstechnologien im Getränke- und Lebensmittelbereich verschaffen möchte, kann sich bei der drinktec auf der Messe München vom 4. bis 8. Oktober 2021 informieren. Sie suchen noch einer Plattform, um Ihre Innovation in diesem Bereich vorzustellen? Dann seien Sie auf der nächsten drinktec vom 13. bis 17. September 2021 mit dabei.

Roland Sossna

Roland Sossna

Der gelernte Molkereifachmann, Agraringenieur und freie Fachjournalist Roland Sossna gestaltet unter anderem die Redaktion der Fachtitel molkerei-industrie und IDM International Dairy Magazine. Regelmäßig stellt er herausragende Innovationen aus der Molkerei-Branche auf dem Blog vor.