Ausbildung zum Milchtechnologen: Künftige Anforderungen in der Milchwirtschaft

© Molkerei Ammerland

Europa- und teilweise auch weltweit suchen Molkereien und Käsereien händeringend nach Auszubildenden Milchtechnologen und bereits qualifiziertem Fachpersonal für leitende Tätigkeiten. 

Gerne werden Fachleute auch aus anderen Ländern beschäftigt, die ganz neue Betrachtungsweisen für die Milchverarbeitung mitbringen und möglicherweise auch einen etwas anderen beruflichen Werdegang als die klassischen Milchtechnologen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz haben.

Zu wenig Transparenz

Leider herrscht bisher sehr wenig Transparenz darüber, was genau die Lerninhalte einer Ausbildung zum Milchtechnologen sind, die zum Beispiel ein Kandidat aus Frankreich oder Dänemark absolviert hat. Daher lässt es sich vorab schwer beurteilen, wie und wo die Fachkraft in einer Molkerei eingesetzt werden kann. Dies ändert sich nun, denn die Organisation AEDIL (Association for European Dairy Industry Learning) hat sich dieses Problems angenommen und im Rahmen des von der EU geförderten Erasmus+ Projekts „Mapping Skills Needs and Supply in the Dairy Sector“ nicht nur einen Vergleich der Kenntnisse der Molkeristen quer durch Europa gezogen, sondern auch wichtige fachliche Qualifikationen ermittelt, die für eine Ausbildung zum Milchtechnologen zukünftig bedeutsam werden.

Grüne und digitale Fähigkeiten sind gefragt

Im Mittelpunkt stehen natürlich immer die fachlichen Kenntnisse, die von der Rohstoffkunde über Hygiene, Mikrobiologie, Prozesstechnik bis hin zur Verpackung und einigem mehr reichen müssen. In einer zunehmend automatisierten Betriebsumwelt reichen aber diese – gewiss sehr umfangreichen Voraussetzungen – bei weitem nicht aus. Umschrieben mit „Grüne Fähigkeiten“ hat AEDIL als weitere wichtige Elemente des Molkereifachberufs der Zukunft auch Kenntnisse zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit identifiziert. 

Digitale Kompetenzen haben bei den Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitnehmer durch die Milchwirtschaft einen sehr hohen Stellenwert. Dazu gehört die Fähigkeit, die Grundlagen der Automatisierung zu verstehen und betriebswirtschaftliche Software einzusetzen. Pilotanlagen in Molkereischulen sollten auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden, um die Schüler mit der bestehenden Technologie vertraut zu machen, empfiehlt die Organisation. 

Laut Geschäftsbericht 2018/19 des Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) ist Europa mit 167 Millionen Tonnen der größte Milcherzeuger der Welt. Dahinter folgen die USA mit 99 und China mit 30 Millionen Tonnen. Die Milchindustrie ist mit rund 26 Milliarden Euro Jahresumsatz der größte Bereich der deutschen Ernährungsbranche.

Hinsichtlich grüner Fähigkeiten müssen die künftigen Milchtechnologen in der Lage sein, die mit der Milchverarbeitung verbundenen Risiken einzuschätzen, sie müssen einen Einblick in die Wiederverwendung von Energie und Ressourcen haben und damit Geschäftsstrategien auch unter einem nachhaltigen Blickwinkel verstehen.

Weiterbildung für Milchtechnologen

Milchflaschen auf dem Förderband in Molkerei
© unsplash / User: Mehrshad Rajabi

Kenntnisse und Fähigkeiten sollten im Laufe des Berufslebens eines Milchtechnologen ständig weiterentwickelt werden, sowohl qualitativ als auch in Bezug auf ihren Umfang: Dem dienen nicht nur die verschiedenen Fachseminare, die die Trägerorganisationen des AEDIL, zum Beispiel in Deutschland der Zentralverband Deutscher Milchwirtschaftler (ZDM), ausarbeiten und anbieten. Auch die Zuliefer- und Ausrüstungsindustrie für Molkereien ist aufgerufen, sich in der Vermittlung von Kenntnissen für die Ausbildung von Milchtechnologen zu engagieren – denn wer soll in den Betrieben die immer komplexer werdende Technik beherrschen, wenn er nicht fundiert ausgebildet wurde? 

Eine weitere Gelegenheit zum Erwerb neuer Kenntnisse sind Fachmessen wie die drinktec  – die Weltleitmesse für die Getränke- und Liquid-Food-Industrie. Auf der kommenden Veranstaltung vom 13. bis 17. September 2021 in München findet wieder ein „Milchtag“ statt, an dem Themen rund um die industrielle Milchverarbeitung im Fokus stehen. Sie suchen noch einer Plattform, um Ihre Innovationen der Milchtechnologie vorzustellen? Dann seien Sie auf der nächsten drinktec mit dabei.

Roland Sossna

Roland Sossna

Der gelernte Molkereifachmann, Agraringenieur und freie Fachjournalist Roland Sossna gestaltet unter anderem die Redaktion der Fachtitel molkerei-industrie und IDM International Dairy Magazine. Regelmäßig stellt er herausragende Innovationen aus der Molkerei-Branche auf dem Blog vor.