Auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion

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Zahlreiche Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen haben sich längst auf den Weg hin zur Klimaneutralität gemacht. Erste Betriebe aus der Lebensmittel- und Milchindustrie sowie aus dem Zuliefersektor stehen bereits unter dem Zeichen der Klimaneutralität. Das gilt nicht nur für Firmen der westlichen Welt – nein auch in Asien, Südamerika oder Afrika wird das Thema intensiv diskutiert. Dort müssen neu konzipierte Betriebe allerdings nicht ein “Chaos“ aus über Jahrzehnte hin angesammelter Technik und Energiekonzepten entwirren und modernisieren, sie springen quasi sofort an die Spitze dessen, was heute als Standard in Sachen Energieeffizienz gilt.

Klimaneutrale Produktion: Hochland goes Zero

Natürlich wird dieser Standard in den Industrieländern ganz unterschiedlich interpretiert. Der neuseeländische Milchriese Fonterra stellt beispielsweise erst jetzt ältere Molkereien von der Kohleverfeuerung auf moderne Brennstoffe um. Andere Unternehmen wie zum Beispiel die deutsche Vorzeigekäserei Hochland haben einige ihrer Produktionsstätten bereits für klimaneutral erklärt. Bei Hochland sind dies die Werke in Schongau, Heimenkirch sowie im französischen Dieue-sur-Meuse. Seine Emissionen von 35.000 Tonnen CO2 [Stand 2018] kompensiert Hochland im Rahmen des Programms „ZNU goes Zero“ vollständig. Dies erfolgt durch Maßnahmen in den Werken, wie etwa Photovoltaikinstallationen oder den Bezug von 100 Prozent Ökostrom aus Wasserkraft. Den Rest machen Baumpflanzungen auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan oder die Förderung erneuerbarer Energien über entsprechende Zertifikate.

Erfolgreiche Klimaneutralität: Palsgaard is Zero

Ebenso ehrgeizig ist der dänische Hersteller von Emulgatoren und Stabilisatoren Palsgaard. Er hat sein Ziel für CO2-Freiheit bereits im Jahr 2010 gefasst, nachdem der damalige Inhaber Herbert Schou auf einer Reise nach Grönland die Auswirkungen des Temperaturwandels mit eigenen Augen erfasst hatte. Palsgaard sollte bis 2020 klimaneutral werden, tatsächlich hat das Unternehmen es ein wenig früher geschafft, die Standorte Juelsminde in Dänemark und Zierikzee in den Niederlanden klimaneutral zu betreiben.

Den Start machte 2005 die Ablösung der Schwerölverfeuerung durch Nawaro: Palsgaard bewirtschaftet nebenbei 800 Hektar Land in Dänemark und erkannte in der Verbrennung von Stroh von den eigenen Feldern eine elegante Möglichkeit, umweltfreundlich Heißwasser zu erzeugen.

Der dänische Hersteller von Emulgatoren und Stabilisatoren Palsgaard – im Bild das Hauptwerk in Juelsminde – arbeitet seit diesem Jahr CO2-neutral
© Palsgaard / Der dänische Hersteller von Emulgatoren und Stabilisatoren Palsgaard – im Bild das Hauptwerk in Juelsminde – arbeitet seit diesem Jahr CO2-neutral

Später kamen Biogas als Energieträger sowie grüner Strom aus skandinavischer Wasserkraft hinzu. Heute deckt Palsgaard zwei Drittel seines Energiebedarfs klimaneutral ab, der Rest wird kompensiert, unter anderem über den Betrieb von Windkraftanlagen in Südostasien und Bioenergiezertifikate.

Vorteile von Klimaneutralität sind gegeben

Was haben Unternehmen davon, dass sie klimaneutral wirtschaften? Eine ganze Menge wohl, denn sonst würden sie es nicht tun. Zu nennen ist zuerst einmal, dass der Ressourcenverbrauch sehr viel bewusster und (insbesondere auch im Geldwert) sparsamer erfolgt. Hinzu kommt der Imagegewinn, der aus der Pionierrolle „klimaneutral“ erwächst. Bewusste Verbraucher werden im Zweifelsfall wohl eher zu Produkten greifen, von denen sie wissen, dass die Herstellung verantwortungsvoll erfolgt. Dies funktioniert auch im B2B-Bereich. Laut Palsgaard fragen die Kunden inzwischen vor dem Hintergrund, dass ‚Klima‘ zu einem alles beherrschenden Thema wurde, zunehmend nach nachhaltigen Zutaten.

Ganz klar ist der Weg hin zu einer klimaneutralen Produktion lang und kompliziert. Speziell die innerbetrieblichen Umstellungen und Modernisierungen können komplex und teuer werden. Die Klimaneutralität ergibt sich aus der Summe vieler einzelner Schritte – sei es eine Umstellung auf LED-Beleuchtung, die Installation ausgeklügelter Wärmeschaukeln oder auch nur Einsparungen an Energie durch einfache Isolierung wärmeführender Leitungen.

Ende 2018 hat die Europäische Kommission eine strategische, langfristige Vision für eine wohlhabende, moderne, wettbewerbsfähige und klimaneutrale Wirtschaft – ein sauberer Planet für alle – verabschiedet. Die Strategie zeigt auf, wie Europa auf dem Weg zur Klimaneutralität vorangehen kann. Ziel ist es, dass die EU bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität erreicht.

Was Betriebe der Lebensmittelindustrie alles unternehmen können, um den Weg zur klimaneutralen Produktion erfolgreich zu beschreiten, darüber informieren Fachblätter, Fachveranstaltungen und natürlich auch Fachmessen. Die kommende drinktec (13. – 17. September 2021) wird als Weltleitmesse eine Fülle von Ausstellern versammeln, die ausgewiesenes Know-how in der Einsparung von Ressourcen mitbringen. Sie wollen auch dabei sein und einem internationalen Publikum ihre Ansätze hin zur Klimaneutralität vorstellen? Dann melden Sie sich gleich an.

Roland Sossna

Roland Sossna

Der gelernte Molkereifachmann, Agraringenieur und freie Fachjournalist Roland Sossna gestaltet unter anderem die Redaktion der Fachtitel molkerei-industrie und IDM International Dairy Magazine. Regelmäßig stellt er herausragende Innovationen aus der Molkerei-Branche auf dem Blog vor.