Bottling on Demand: Personalisierte Getränke als Erfolgsgarant?

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Im Grunde genommen lässt sich heute alles, was man zum Leben benötigt, bequem von zuhause oder auch von unterwegs aus ordern – Online-Marktplätze, wohin das Auge reicht. Einfacher geht Versorgung kaum. Und dennoch genügt Konsumenten dieses umfassende Angebot häufig nicht mehr, denn was sie suchen, das sind direkt auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Produkte. Für die alkoholfreie Getränkebranche bedeutet das: hochgradig personalisierte Getränke stehen zukünftig stärker im Fokus. Dafür sind viele der Verbraucher auch bereit, mehr Geld auszugeben. „Bottling on Demand“ lautet hierzu das Stichwort in der Branche, zu dem das Projekt RoboFill 4.0 neue Zeichen gesetzt hat.

Bottling on Demand – entscheidender Schritt mit RoboFill 4.0

Bei RoboFill 4.0 handelt es sich um ein robotergestütztes Abfüllkonzept für die Bereitstellung von personalisierten Getränken. Es wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt, das zunächst nur für den Zeitraum von 2015 bis 2018 angedacht war, nun jedoch verlängert wurde.

„Es ging darum, ein völlig neuartiges, flexibles und modular erweiterbares Konzept zur industriellen Bereitstellung von personalisierten und kundenindividuellen Getränken in kleinster Auflage zu entwickeln.“

Neben den Lehrstühlen für Brau- und Getränketechnologie sowie Lebensmittelverpackungstechnik der Technischen Universität München (TUM) und der Fraunhofer-Einrichtung für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV des Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik, waren bislang Zulieferunternehmen der Getränkebranche mit daran beteiligt.

Christoph Neugrodda, wissenschaftlicher Mitarbeiter der TUM am Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie, zur Aufgabenstellung des Projekts: „Es ging darum, ein völlig neuartiges, flexibles und modular erweiterbares Konzept zur industriellen Bereitstellung von personalisierten und kundenindividuellen Getränken in kleinster Auflage zu entwickeln.“

Der Projektfortschritt war bereits auf der drinktec 2017 vorgestellt worden. Ende 2018 wurde die Demonstrationsanlage RoboFill 4.0 am Lehrstuhl für Brau- und Getränketechnologie der TUM in Betrieb genommen. Hier sind laut Neugrodda alle autonomen Anlagenkomponenten als cyberphysische Systemkomponenten intelligent miteinander vernetzt. Das bedeutet, dass es neben der physisch vorhandenen Abfüllanlage einen digitalen Zwilling gibt, über den sämtliche Komponenten in der Lage sind, miteinander oder auch mit dem Kunden bzw. dem Betreiber der Anlage zu kommunizieren.

Im Bereich der Abfülltechnologie beteiligte sich Krones mit den nötigen Behandlungsmodulen und stattete die Füllstellen mit einer neuen Technologie aus, die ein Grundgetränk mit bis zu drei zusätzlichen Getränken direkt bei der Abfüllung vermischen kann. Die Zusatzgetränke dürfen dabei maximal 50 Prozent des Flaschenvolumens ausmachen. Die Technologie ist Unternehmensangaben zufolge neben der flexiblen Abfüllung von Biermischgetränken, die bei diesem Projekt im Vordergrund stand, für die flexible Abfüllung von sämtlichen Getränken geeignet, die einen gemeinsamen Hauptbestandteil haben. Bottling on Demand ermöglicht so individuell zusammengestellte Paletten aus ausgewählten befüllten Flaschen mit personalisiertem Design und einer Produktverfolgung. Darüber hinaus lässt sich die Produktion völlig autonom steuern.

Personalisierte Getränke – passend zum genetischen Profil?

Bottling on Demand klingt im Vergleich zum bisher Bekannten nach jeder Menge mehr Flexibilität. Doch trotz aller Euphorie in Hinblick auf diesen „wissenschaftlichen Meilenstein der Abfüllung“ – so zumindest das Fachmagazin Brauwelt – stellt sich die Frage: Wird diese Flexibilität dem Konsumenten in Zukunft genügen?

Unternehmen könnten in Zukunft auf Basis der DNA personalisierte Getränke-Rezepturen abfüllen, die den gesunden Ernährungsstil des jeweiligen Konsumenten unterstützen

Zwar kann er sich nun sein personalisiertes Getränk aus mehreren Produkten zusammenstellen, doch bringt diese Option heute schon den Zusatznutzen mit sich, den er sich wirklich wünscht?

Wie bereits im Blog „Was erwartet uns im Jahr 2038“ beschrieben, tat das digitale Handelsunternehmen QVC in seiner Studie „Living 2038“ kund, dass die Mehrheit der Befragten der Meinung sei, Ernährung werde künftig automatisch auf die jeweiligen Bedürfnisse hin zugeschnitten. Wobei hier das Wort „automatisch“ sicher eine entscheidende Rolle spielt. In diesem Zusammenhang nimmt laut Studienleiter Professor Wippermann die Idee, dass der Schlüssel dazu unsere DNA und die zum genetischen Profil passenden Nahrungsmittel und Getränke sein könnten, an Fahrt auf.

Münzt man dies auf alkoholfreie Getränke um, würde es bedeuten, dass Unternehmen in Zukunft auf Basis der DNA oder möglicherweise auch auf Basis weiterer individueller Analysen wie der des Darmmikrobioms personalisierte Getränke Rezepturen abfüllen, die den gesunden Ernährungsstil des jeweiligen Konsumenten unterstützen. An dieser Stelle kommen Biotechnologie-Unternehmen wie 23andMe mit ins Spiel, bei denen man schon heute Gentests in Auftrag geben kann, auf deren Basis sich Ernährungspläne erstellen lassen.

Die Kosmetikindustrie macht es vor

Zwar wirkt das Szenario aus heutiger Sicht zeitlich weit entfernt, doch das mag auch eine Täuschung sein. Ein Blick in Richtung Kosmetikbranche zeigt beispielsweise, dass hier die personalisierte Hautcreme aus der „Beauty-Minifabrik“ schon machbar ist. Viktor Balzer, Wissenschaftler am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, und Dr. Lars Rüther, Molekularbiologe bei Dermatest, haben mit dem Unternehmen Skinmade eine entsprechende Creme jüngst auf den Markt gebracht. In drei Douglas-Filialen in Frankfurt, Hamburg und Sindelfingen ist die Hautcreme bereits erhältlich. Bis Ende 2019 soll Skinmade Personal Skin Care in allen Großstädten zu erwerben sein.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung könnte mancher Hersteller von alkoholfreien Getränken nun ins Grübeln kommen und sich die Frage stellen, ob es sich nicht lohnen würde, sich schon jetzt näher mit personalisierten Getränken und dem entsprechenden Szenario vertraut zu machen – um so künftig Möglichkeiten für sein Unternehmen frühzeitig auszuloten und in Hinblick auf personalisierte alkoholfreie Getränke in naher Zukunft vielleicht eine Vorreiterposition einzunehmen. Ein erster Ansatzpunkt mag da zunächst einmal die detaillierte Auseinandersetzung mit RoboFill 4.0 und entsprechend mit Bottling on Demand sein.

Friederike Arndt

Friederike Arndt

Die selbstständige Fachjournalistin Friederike Arndt gilt als Expertin für den Bereich Getränke und war unter anderem lange Zeit als Redakteurin der Fachzeitschriften Getränkeindustrie und Getränkefachgroßhandel tätig. In dem Blog berichtet sie über die neuesten Trends und Innovationen aus dem Bereich der Alkoholfreien Getränke.