Wassersparen durch Abwasseraufbereitung

Abwasseraufbereitung durch Rohre
© Wiseman Dairy Bridgwater

Spätestens der vergangene trockene Sommer hat gezeigt, dass auch in Deutschland mit der Ressource Wasser behutsam umgegangen werden muss. Wassersparen wird ein immer wichtigeres Thema. Abwasseraufbereitung kann hier eine tragende Rolle spielen.

Unabhängig von der Ursache: der Klimawandel ist Fakt und unsere einst mit Wasserüberfluss gesegnete Region wird sich entsprechend ausrichten müssen. Dabei geht es nicht nur um die verfügbare Menge an Wasser, sondern auch um dessen Qualität, auf die im so dicht besiedelten und viel verbrauchenden Europa besonders geachtet werden muss.

Enormes Sparpotenzial durch Abwasseraufbereitung

In der deutschen Industrie werden laut Prof. Markus Engelhart von der TU Darmstadt jährlich 21.600 Millionen m³ Wasser verwendet, viermal so viel wie von den Kommunen. Ein großer Teil des Industriewassers, nämlich 17,1 Millionen m³, wird rein für Kühlzwecke eingesetzt und danach meist direkt wieder abgeleitet. Lediglich zehn Prozent dieser enormen Wassermenge werden mehrfach genutzt. Hier wird unterschieden, ob es sich um Weiternutzung von Wasser (= Mehrfachverwendung für verschiedene Zwecke) oder um Wiederverwendung (= Einsatz für den gleichen Zweck in einem Kreislauf) handelt. Betrachtet man nur die Wiederverwendung, wird deutlich, dass ein riesiges Potenzial für Einsparungen besteht.

Molkereien setzen auf Wiederverwendung von Wasser

Für milchverarbeitende Betriebe ist es mit der Wassersituation prinzipiell gar nicht so schlecht bestellt. Denn die großen Durchsatzmengen an flüssigen Rohstoffen korrelieren mit dem Einsatz entsprechender Mengen an (teurem) Wasser. Grob geschätzt kann man mit einem Wasserverbrauch von einem bis zwei Liter je verarbeitetem Liter Milch rechnen. Im mexikanischen Jalisco steht zwar eine Nestlé-Molkerei, die sich eines Null-Verbrauchs an Wasser rühmt, doch hat dieses Beispiel angesichts der enormen Installationen zur Abwasseraufbereitung (und dem damit zusammenhängenden hohen Energieverbrauch) bislang keine Nachahmer gefunden. Null-Verbrauch ist sicher nicht ein Ziel, das man sich für Molkereien in Mitteleuropa setzen  würde. Aber die Wiederverwendung von Wasser steht in allen Betrieben seit einigen Jahren  hoch im Kurs – eine Folge steigender kommunaler Gebühren.

Optimierte Verhältnisse für eine Abwasserbehandlung schaffen

Alvaro Carozzi, Ingenieurgesellschaft für Abwassertechnik Dr.-Ing. Steinle, empfiehlt für einen wirklich effektiven Umgang mit Wasser, dass zunächst einmal optimierte Verhältnisse für eine Abwasserbehandlung geschaffen werden. Dafür sind die einzelnen Abwasserströme in einer Molkerei zu trennen und separat mit geeigneten Verfahren zu behandeln. Produkt sollte im Abwasser erst gar nicht enthalten sein, denn so geht verkaufbare Ware verloren, und deren Beseitigung verursacht im Abwasser zusätzliche, unnötige Kosten.

Je nach Abwasserstrom bzw. den darin enthaltenen Stoffen sind ganz unterschiedliche Verfahren der Abwasseraufbereitung zu wählen. Produktionsabwasser kann z.B. über eine Flotation von einem Großteil der Schmutzfracht separiert werden. Die Flotation ist meist energiereich (Fettanteil!) und lässt sich hervorragend zu Biogas umsetzen. Abwasser aus Konzentrationsprozessen wird in der Regel über Membranlinien geleitet, die ein Endprodukt liefern, das sehr oft wieder als Brauchwasser in den Kreislauf der Molkerei eingehen kann – behördliche Erlaubnis vorausgesetzt.

Wasser/Abwasser: Top-Thema der drinktec

Fachbesucher wird die kommende drinktec, die vom 13. bis 17. September 2021 in München stattfindet, als Weltleitmesse für Getränke- und Flüssigprozesstechnik auch umfassend über Möglichkeiten informieren, wie sie in ihren Betrieben Ressourcen, in diesem Fall Wasser sparen können. Es kann nicht schaden, schon jetzt Kontakte zu relevanten Firmen zu knüpfen, um diese dann auf der Messe zu vertiefen. Einen Ansatz dafür bietet das Ausstellerverzeichnis der drinktec 2017. Dort findet man allein 86 Aussteller, die sich dem Themenkomplex „Abwasser“ verschrieben haben.

Roland Sossna

Roland Sossna

Der gelernte Molkereifachmann, Agraringenieur und freie Fachjournalist Roland Sossna gestaltet unter anderem die Redaktion der Fachtitel molkerei-industrie und IDM International Dairy Magazine. Regelmäßig stellt er herausragende Innovationen aus der Molkerei-Branche auf dem Blog vor.