Rum-Markt mit hohem Potenzial

Rumfass und Gläser
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Rum hat in den letzten Jahren weltweit wie auch in Deutschland kräftig zugelegt. Insbesondere das hochwertige Preissegment wächst und wächst. Ein riesiger Erfolgsfaktor für den Rum-Markt ist die Vielfalt der Spirituose.

Rum gehört weltweit zu den Gewinnern am Spirituosenmarkt. Laut internationalen Marktforschungsdaten wurde 2019 in Handel und Gastronomie mit gut einer Milliarde Litern ein Umsatz von über 14 Milliarden Euro erzielt. 2010 hatte der Wert noch bei knapp 11 Milliarden Euro gelegen. Und es geht weiter aufwärts: Experten schätzen, dass die Kurve in den nächsten Jahren weiter stetig ansteigen wird.

Auch in Deutschland stehen die Zeichen auf Wachstum: Zwar stagnierte laut IRI-Marktforschung der Absatz der Warengruppe im vergangenen Jahr (–0,8 %) bei einem nur leichten Wertzuwachs von 1,2 Prozent auf nunmehr 526,5 Millionen Euro (LEH inkl. Discount plus GAM, C&C und Drogeriemärkte).

Gute Nachrichten kommen aber wie so oft aus dem Premiumsegment: Rum, der zu einem Preis über 15 Euro verkauft wird, legte um gut 16 Prozent auf 59,4 Millionen Euro zu.

Die positive Entwicklung bestätigt die großen Hersteller und Importeure. „Obwohl dieses Segment noch klein ist, wächst es schnell, sowohl im On- wie auch im Offtrade“, freut sich etwa Tjalling Simoons, Marketingdirektor für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH) bei Bacardi. Das Potenzial von Premiumqualitäten sei also „riesig“, unterstreicht Simoons, der durch seine Nähe zu der weltweit führenden Rum-Marke auch Einblick in internationale Märkte hat.

Rum herstellen aus Zuckerrohr
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Gelagerte Sorten am Rum-Markt besonders erfolgreich

In anderen Ländern sei „die Premiumisierung bereits weiter fortgeschritten“, weiß Simoons. Daraus könne man schließen, dass der Trend auch hierzulande weiter anhalten wird. Das größte Wachstum sieht er bei den lang gelagerten Rums wie den Bacardí-Spezialitäten Añejo Cuatro (4 Jahre) oder Gran Reserva Diez (10 Jahre), der im letzten Jahr in den Markt eingeführt wurde.

Erhebungen des Londoner Marktforschungsinstituts IWSR zufolge belegen Indien, die USA und die Philippinen gemessen an den Absatzzahlen die internationalen Spitzenpositionen im Rum-Markt. Auf den Plätzen vier und fünf folgen Kuba und Frankreich – an sechster Stelle steht Deutschland.

Sehr gute Perspektiven schreibt man der Kategorie auch bei Pernod Ricard Deutschland zu. „Der Craft-Trend macht auch vor der Rum-Kategorie nicht halt“, unterstreicht ein Unternehmenssprecher. Dies sei am „signifikanten Wachstum des Ultra-Premium-Segments in einem insgesamt stagnierenden Markt“ zu erkennen. An der positiven Entwicklung partizipieren bei Pernod Ricard unter anderem die Havana Club-Qualität 7 Años und der handwerklich hergestellte Pacto Navio.

„Das Less-but-better-Prinzip greift hier voll durch“, zeigt sich auch Markus Hotze, Geschäftsführer von Eggers & Franke, begeistert von dem Aufwärtstrend der Premiumkategorie am Rum-Markt. Mit Marken wie Mount Gay, Flor de Caña oder dem Spiced-Rum The Kraken sehe man sich „gut aufgestellt, um die Opportunitäten im Markt auszuschöpfen“, so Hotze. Da gerade bei hochwertigen Rums ab 16 Euro „eine wunderschöne Dynamik“ zu verzeichnen sei, sehe das Bremer Importhaus als Distributeur von Premiumspirituosen auch beim Rum „noch großes Entwicklungspotenzial“.

Das Richtige für jeden Geschmack

Ein riesiger Erfolgsfaktor beim Rum ist indessen auch seine Vielfalt, wie Dr. Tina Ingwersen-Matthiesen, Geschäftsführerin von Borco-Marken-Import, erklärt. Angesichts verschiedener Herkunftsregionen sowie unterschiedlicher Sorten und Geschmacksprofile biete Rum das Richtige für jeden Geschmack und Verwendungsanlass, betont die Borco-Chefin, die genau hier den Reiz erkennt.

Diese Geschmackswelten muss man den Konsumenten aber erst einmal nahebringen, wie das Beispiel der Luxury-Range von Ron Vacilón zeigt, den es in den Varianten 15, 18 und 25 Años gibt. Borco vermittelt die Vielfalt der Linie im Rahmen von Tastings und immer öfter auch mit Food-Pairings, die „eine zunehmend bedeutende Rolle spielen“. Verkostungen im Zusammenspiel mit erlesener Schokolade sind da nur ein Beispiel.

Der steigenden Nachfrage nach sehr hochwertigen Qualitäten zum Trotz ist freilich die stärkste Kategorie im Bereich der LEH-Vollsortimenter weiterhin das Mittelpreissegment. Darauf weist Jan Rock, Pressesprecher von Henkell Freixenet hin. Auch hier zeige sich allerdings ein Trend zu Premium. „Aufgrund seiner Komplexität und Vielschichtigkeit im Geschmack und den Qualitäten rückt Rum immer weiter ins Interesse der Endkonsumenten“, weiß man bei Henkell Freixenet. „Wir beobachten, dass der Endverbraucher auch hier mehr und mehr ein größeres Sortiment fordert, um die verschiedenen Verwendungsanlässe optimal abdecken zu können“, so Rock.

„Ein Stück Karibik in Deutschland“

Um an der positiven Marktentwicklung teilzuhaben, arbeiten die Wiesbadener deshalb auch weiter daran, ihren Pott Rum, der Marktführer im traditionellen deutschen Rum-Segment ist, stärker als Übersee-Rum zu promoten. Pott sei ein Blend aus Rum von Jamaica und La Réunion. „Mit dieser Herkunftsstory schaffen wir es, jedem Pott-Genießer ein Stück Karibik in Deutschland anzubieten“, erklärt der Unternehmenssprecher. Die früher eher als Zutat in heißen Wintergetränken oder Backwaren bekannte Marke werde inzwischen auch immer beliebter beim Mixen von Drinks.

Im Ranking der größten Spirituosenkategorien spielt übrigens Rum ziemlich weit oben mit: Er gehört in Deutschland neben Klaren, Likören, Weinbrand/Cognac und Whisky zu den Top 5-Segmenten. Im weltweiten Vergleich steht indessen der deutsche Markt erst an sechster Stelle.

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Rum Cocktails des neuen Rum Marktes
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Barbara Rademacher

Barbara Rademacher

Barbara Rademacher war 18 Jahre lang Redakteurin bei einer renommierten Fachzeitschrift für die Getränkebranche. Im Juli 2018 gründete die gelernte Journalistin zusammen mit ihrem langjährigen Kollegen Dirk Omlor ein Text- und Beratungsbüro mit dem zentralen Projekt getraenke-news.de.