rPET: Recycelte PET-Flaschen

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© unsplash / Nick Fewings for unsplash

Zweifellos haben PET-Flaschen ihre Vorzüge: Sie sind nahezu unverwüstlich und leicht. Eindeutige Kritikpunkte sind allerdings die übermäßige Ressourcennutzung und Umweltverschmutzung durch achtlos weggeworfene PET-Flaschen. Vor allem im Hinblick auf die Ressourcenschonung fordert die EU den verstärkten Einsatz von recyceltem PET (rPET): Bis 2025 sollen alle PET-Flaschen zumindest zu einem Viertel aus rPET bestehen. Führende Unternehmen der Branche arbeiten bereits daran, diese Vorgaben der EU mit neuen Lösungen zu übertreffen, um nachhaltigere PET-Gebinde zu entwickeln.

Reduzierter Materialeinsatz und mehr Rezyklat sind entscheidende Parameter für die Entwicklung von innovativem PET. „Rein chemisch gesehen unterscheidet sich rPET nicht von PET. Die damit verbundenen Herausforderungen liegen vielmehr in der Qualität des Inputmaterials. Wenn das Eingangsmaterial von guter Qualität ist, gibt es dementsprechend keine eindeutig erwarteten Einschränkungen hinsichtlich der Verarbeitbarkeit, wie sie möglicherweise bei anderen Materialien auftreten können“, so Aurélie Börmann von der Abteilung PET-Verpackungsentwicklung und -beratung bei Krones. „rPET wird seit Jahren auf Krones Blasformern verarbeitet und weist keine wesentlichen Einschränkungen hinsichtlich seiner Verarbeitbarkeit, Qualität und Lebensmittelsicherheit auf.

Nachhaltiger Direktdruck auf 100-prozentige rPET-Behälter 

PET Flasche
© KHS

Der Einsatz von rPET steht auf der Agenda der Verpackungsspezialisten also ganz weit oben. Hinsichtlich der Bearbeitung müssen keine Abstriche gemacht werden. Ob es sich um die individuelle oder personalisierte Bedruckung von Flaschen handelt oder um das Aufbringen von Motiven im Rahmen zeitlich begrenzter Marketingaktionen. Für Freiheiten und ein hohes Maß an Flexibilität bei der Gestaltung sorgt der Direktdruck, der eine hohe Farbbrillanz bietet sowie durch die Bedruckbarkeit von Reliefs und Strukturen eine ansprechende Kombination aus Optik und Haptik liefert. Ein weiteres Plus der Direktdruck-Lösung: Etikettenmotive können per Knopfdruck geändert und damit neue Marketing-Ideen auch kurzfristig umgesetzt werden.

Können auch rPET-Behälter per Direktdruck dekoriert werden? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich die Experten bei Krones und der Tochter Dekron. Produktmanager Zsolt Rozsnyai erklärt, dass verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssen, damit die Tinte auf den Behältern haften bleibt. Neben der Wahl der Tinte und den Prozesseinstellungen ist seiner Auffassung nach das zu bedruckende Material entscheidend.

„Wenn dieses eine gute und auch immer gleichbleibende Chargenqualität besitzt, kann der Prozess exakt darauf abgestimmt und der Behälter problemlos bedruckt werden. Eine Herausforderung könnte sein, unterschiedliche Materialqualitäten in unterschiedlichen Chargen zu bedrucken – denn dann muss der Prozess zumindest je Charge geprüft und bei Bedarf optimiert werden.“

Mehrweg-Leichtgewicht mit hohem rPET-Anteil

Zusammen mit dem österreichischen Verpackungsexperten Alpla hat KHS, Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen, nun eine PET-Mehrwegflasche entwickelt, die ein äußerst geringes Gewicht und einen hohen Rezyklatanteil mitbringt. Der Anlagenbauer folgt mit der Entwicklung seinem Gebot „Reduzieren und Recyceln“, wie Arne Wiese, Product Manager Bottles & Shapes bei der KHS Gruppe, erklärt: „Unser Ziel war es, eine möglichst umweltfreundliche Mehrweglösung zu produzieren. Hierzu sind vor allem zwei Parameter wichtig: ein geringes Gewicht und ein hoher Anteil von Recyclingmaterial.“ 

Dank Optimierungen am Boden und Neck der Flasche erzielten die Verpackungsspezialisten eine deutliche Gewichtsreduzierung im Vergleich zu konventionellen PET-Mehrweggebinden. Mit 55 Gramm ist die 1-Liter-Flasche im Schnitt 10 Gramm leichter als ihre herkömmlichen Pendants, rechnen die Entwickler. Verglichen mit Glasgebinden bringt sie sogar nur ein Zehntel des Gewichts auf die Waage. „Durch diese Optimierung reduziert sich der Materialeinsatz erheblich. Gleichzeitig sinken der Kraftstoffverbrauch und damit auch der CO2-Ausstoß beim Transport“, erläutert Wiese. Trotz ihres geringen Materialeinsatzes ist die Mehrweglösung für hohe Umlaufzahlen ausgelegt. Die PET-Flasche weist eine hohe Laugenbeständigkeit auf, sodass die Qualität und Optik auch nach zahlreichen Waschzyklen erhalten bleiben, heißt es von Seiten der Entwickler. 

Die Mehrwegflasche von KHS und Alpla kann nach eigenen Angaben nicht nur zu 100 Prozent recycelt werden und bleibt damit dem Wertstoffkreislauf erhalten, sondern bringt auch einen hohen Rezyklatanteil mit. Testergebnisse mit Preforms aus bis zu 35 Prozent Recyclingmaterial erzielen hervorragende Ergebnisse, auch Preforms mit einem Anteil von 50 Prozent Rezyklat seien für einige Märkte denkbar. Damit geht die PET-Lösung über die Vorgabe der Europäischen Kommission von 30 Prozent Rezyklateinsatz bei PET-Einwegflaschen bis zum Jahr 2030 hinaus.  

PET-Flasche mit flexibler Schulter

water for everyone flasche
© Sidel

Das Thema rPET ist auch ein wichtiges Thema in der Entwicklungsarbeit von Sidel, die mit dem Aya-Design eine End-to-End-Verpackungsalternative für stilles Wasser entwickelt hat, die von der Primärverpackung aus 100 Prozent recyceltem PET über die Sekundärverpackung aus Karton bis hin zu den Alternativen für die Tertiärverpackung alle Aspekte abdeckt. Im März wurde das Konzept mit dem World Food Innovation Award (WFIA) der Kategorie „Best Drink Packaging Design“ ausgezeichnet.

Bedeutender Baustein des Konzeptes ist die V-förmige Flasche aus 100 Prozent rPET. Aya ist eine 220-ml-Wasserflasche mit einem Gewicht von nur fünf Gramm. „Das optimierte Flaschengewicht unserer 220-ml-Aya-Flasche beeinträchtigt deren Stabilität nicht. Dies ist auf das spezifische Deep Base Design des Flaschenbodens zurückzuführen, welches das einfache Aufeinanderstapeln der Flaschen ermöglicht, die Höhe reduziert und gleichzeitig das gesamte Lagervolumen verbessert. Die Boss-Bodenfläche passt sich perfekt in den Verschluss einer anderen Flasche ein und sorgt somit für Stabilität bei der Lagerung und dem Transport auf Paletten“, sagt Vincent Le Guen, Vice President Packaging bai Sidel. 

Zunehmender Fortschritt bei rPET

Um PET-Gebinde umweltfreundlicher zu gestalten, arbeiten die Entwicklungsabteilungen intensiv daran, zum Zweck der Gewichtseinsparung und der Ressourcenschonung weniger Material einzusetzen sowie den rPET-Anteil sukzessive zu erhöhen. Insbesondere was die Gewichtsreduzierung angeht, haben die führenden Verpackungsunternehmen mit PET-Leichtgewichten in den vergangenen Jahren immense Fortschritte erzielt. 

Weiterhin stehen aber auch die technischen Lösungen für die Bearbeitung von PET (Drucklösungen, Etiketten, Einsatz von Verschlüssen etc.) im Blickfeld. Diese sollten und müssen so konzipiert sein, dass sich das verwendete PET optimal recyceln lässt. Denn nur ein hochwertiges rPET als Input garantiert eine optimale Verarbeitbarkeit, Qualität und Lebensmittelsicherheit als Output.   

Auf der drinktec vom 4. bis 8. Oktober 2021 in München erfahren Sie mehr über Recycling von PET: Sie möchten Ihre Entwicklungen für Einweg- oder Mehrwegflaschen vorstellen? Dann seien Sie auf der nächsten drinktec mit dabei.

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