Nachhaltige Etiketten im Trend

Nachhhaltige Etiketten für alkoholfreie Getränke
© Unsplash.com / User: Arshad Pooloo

Der Konsument verlangt immer deutlicher nach nachhaltigen Verpackungslösungen, deshalb hat auch das Etikett als Teil des Gebindes den hohen Nachhaltigkeitswünschen zu entsprechen. Die Hersteller richten ihre Produkte immer stärker daran aus und bieten der Getränkebranche mittlerweile eine bunte Palette an entsprechenden nachhaltigen Etiketten.

Graspapier, FSC-Papier, Recyclingpapier,…

Den Stein ins Rollen brachten vor allem Jungunternehmer und Start-ups, die Wert auf rundum nachhaltige Produkte inklusive Verpackung legen. Doch auch bei den etablierten Getränkeherstellern wächst das Interesse an nachhaltigen Etiketten. Etikettenhersteller ergänzen ihr Sortiment entsprechend. Etiket Schiller hat sein Portfolio beispielsweise kürzlich um nachhaltige Etiketten aus Graspapier erweitert. Für deren Produktion wird ausschließlich Gras eingesetzt, das jährlich mehrmals nachwächst und von Ausgleichsflächen stammt, die für die Lebens- und Futtermittelproduktion nicht geeignet sind. Das Etikettenmaterial besteht zu jeweils etwa 50 Prozent aus sonnen getrockneter Grasfaser und Zellstoff. Es erfüllt die ISEGA-Zertifizierung für Lebensmittelunbedenklichkeit und die FSC-Mix-Zertifizierung.

Durch einen rein mechanischen Herstellungsprozess des Rohmaterials werden in der Produktion besonders wenige Prozesschemikalien eingesetzt. Zudem ist der Energieverbrauch deutlich reduziert, außerdem wird viel Wasser eingespart. Das Recycling des Graspapiers erfolgt gemeinsam mit anderen Verpackungspapieren. Auch Hersteller wie VT-Etiketten, Papier-Schäfer oder Astro Nova setzen mittlerweile auf nachhaltige Etiketten aus Graspapier. Außerdem bewerben zahlreiche Etikettenproduzenten Etikettenmaterial aus Recyclingpapier und aus FSC-zertifiziertem Papier, das aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt.

…Steinpapier oder doch lieber Echtholz?

Eine interessante Alternative stellen zudem nachhaltige Etiketten aus Steinpapier dar: Steinpapier ist zu 100 Prozent zellstofffrei, besteht zu 80 Prozent aus natürlichem Steinmehl von Marmor-Bergbauabfall und zu 20 Prozent aus recyceltem PE.

Für die Produktion des Steinpapiers werden weder Wasser noch Holz, Säure oder Bleichmittel benötigt. Steinpapier ist abwaschbar, flüssigkeitsresistent und reißfester als Papier oder Karton. In Kombination mit entsprechenden veganen Farben können Steinpapier-Etiketten rein vegane Bestandteile vorweisen. Nötig ist in diesem Zusammenhang selbstverständlich auch ein Etikettenleim, der passt. Zahlreiche Klebstoffe von Etiketten enthalten Kasein, ein tierisches Eiweiß, das aus Kuhmilch gewonnen wird. Mittlerweile gibt es jedoch auch eine große Vielfalt an Klebstoffen auf Pflanzenbasis wie Kautschuk oder Stärke.

Als einen „echten Blickfang“ präsentiert Papier-Schäfer Echtholzetiketten, die besonders für hochwertige Getränke vorgesehen sind. Verwendet wird hierfür ausschließlich Holz, das aus fairem Anbau stammt. Erhältlich ist das Rollenmaterial in den beiden Varianten Birkenholz und Kirschholz – mit integrierten Astlöchern sieht jedes Etikett einzigartig aus.

Nachhaltige Etiketten aus Steinpapier
© Papier-Schäfer GmbH & Co. KG

Zahlreiche weitere Optionen für nachhaltige Etiketten

Nachhaltige Markenwerte und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt lassen sich auch mit biobasierter PE-Folie kommunizieren, die aus 100 Prozent Zuckerrohr-Ethanol hergestellt wird. Das Material ist wesentlich umweltfreundlicher als Folien aus fossilen Brennstoffen und bringt dennoch dieselben Eigenschaften wie konventionelles PE mit. Die biobasierte PE-Folie ist biologisch abbaubar, als weiße und transparente Folie verfügbar und beständig gegenüber Feuchtigkeit.

Etwas andere nachhaltige Lösungen führt der Selbstklebe-Etikettenhersteller CCL Label. Seine sogenannten „EcoStream“-Etiketten ermöglichen angeblich ein Bottle-to-Bottle-Recycling von PET-Flaschen durch eine saubere Trennung von Etikettenresten und PET-Flakes. So können die Rohmaterialien in den weiteren Recyclingprozess geleitet und vollständig wiederverwendet werden. Als biobasiertes Etikett bezeichnet das Unternehmen sein „EcoSource“-Label, das aus Materialien mit bis zu 94 Prozent biologischem Anteil besteht. Anstelle von fossilen Rohstoffen werden die Komponenten aus nachwachsenden Rohstoffen produziert, so der Hersteller. „EcoSolve“-Etiketten sind als die Dritten im Bunde biologisch abbaubar und kompostierbar. In Betracht kommen sie als Lösung für nachhaltige Behälter wie Flaschen aus PLA (Polylactide).

Als erste Brauerei Österreichs verwendet Stiegl ab sofort Flaschen-Etiketten aus 100-Prozent-Recycling-Papier: Die neuen Recycling-Etiketten haben – im Vergleich zu ihren bisher verwendeten Etiketten – einen um 26 Prozent geringeren CO₂-Fußabdruck.

Eine spezielle PP-Folie, die den No-Label-Look realisiert und den Recyclingprozess von Einwegglasflaschen erleichtert, bietet VT-Etiketten an. Die Trennung des Etiketts vom Glas geschieht hier durch einen umschaltbaren Klebstoff, der sich während des klassischen Recyclingverfahrens ausschaltet. Das Haftetiketten-Material ist transparent und für viele konventionelle Druckverfahren geeignet.

Was zählt ist das „Gesamtpaket“

Die aufgeführten Lösungen für nachhaltige Etiketten stellen einen kompakten Auszug dar und sollen vor allem verdeutlichen, wie vielfältig die heute gegebenen Möglichkeiten zur nachhaltigen Etikettierung bereits sind. Generell ist bei der Etikettierung zu beachten, dass Etikett, Etikettenfarben und Etikettenleim miteinander harmonieren, und – soll es die rundum nachhaltige Lösung sein – gemeinsam mit dem jeweiligen Gebinde und dem darin abgefüllten Getränk ein nachhaltiges Gesamtpaket bilden. In Zukunft ist davon auszugehen, dass der Konsument ein weiter wachsendes Interesse an nachhaltigen Gesamtpaketen zeigt. Folglich tut die alkoholfreie Getränkebranche gut daran, sich mit allen Verpackungsbestandteilen zu beschäftigen, denn der Verbraucher kommt am Point of Sales als erstes mit dem prominent platzierten Etikett in Kontakt.

Nachhaltige Etiketten auf der drinktec 2021

Egal ob aus Holz, Stein oder Gras: Wer sich für die Produktion und Vermarktung von nachhaltigen Etiketten interessiert, findet auf der Weltleitmesse drinktec das richtige Forum. Dort präsentieren Aussteller aus aller Welt ihre aktuellen Entwicklungen. Die nächste drinktec findet vom 13. bis 17. September 2021 auf dem Messegelände in München statt.

Sie haben innovative Ansätze für die nachhaltige Etikettierung entwickelt und möchten diese einem internationalen Publikum vorstellen? Dann seien auch Sie bei der nächsten drinktec mit dabei.

Friederike Arndt

Friederike Arndt

Die selbstständige Fachjournalistin Friederike Arndt gilt als Expertin für den Bereich Getränke und war unter anderem lange Zeit als Redakteurin der Fachzeitschriften Getränkeindustrie und Getränkefachgroßhandel tätig. In dem Blog berichtet sie über die neuesten Trends und Innovationen aus dem Bereich der Alkoholfreien Getränke.