Künstliche Intelligenz bahnt sich den Weg in die Getränkeindustrie

artificial intelligence in the beverage industry
© Rastal GmbH & Co. KG

Künstliche Intelligenz (KI) – ein Thema, das die Getränkeindustrie und deren Zulieferunternehmen in immer stärkerem Ausmaß beschäftigt. Vielfach wird noch darüber spekuliert, wie sich KI in die jeweiligen Geschäftsbereiche am besten integrieren lässt. Mehr und mehr kommt künstliche Intelligenz in der Getränkeindustrie jedoch bereits zum Einsatz. 

Von Sensoren, der Lagerhaltung und dem Marketing werden große Datenmengen erfasst, die den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Datenauswertung und -nutzung nahelegen. Aus allen Unternehmensbereichen kommen Informationen, die verwertet werden möchten. Die sinnvolle Nutzung der Daten erfordert intelligente Systeme und zunehmend kommt dabei auch künstliche Intelligenz mit ins Spiel. Mit entsprechenden Algorithmen erkennen Maschinen dabei Muster in Daten, gleichen Verhaltensweisen ab und sind daraufhin in der Lage, selbstständig Entscheidungen zu treffen. 

Zulieferunternehmen entwickeln Wege zur Nutzung von KI in der Getränkeindustrie

Die Definition von KI ist nicht ganz einfach und auch Experten möchten sich hierzu häufig nicht festlegen. Im Gabler Wirtschaftslexikon ist nachzulesen: „Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt sich mit Methoden, die es einem Computer ermöglichen, solche Aufgaben zu lösen, die, wenn sie vom Menschen gelöst werden, Intelligenz erfordern.“ 

Zulieferunternehmen beginnen mehr und mehr damit, Möglichkeiten zur Nutzung künstlicher Intelligenz in der Getränkeindustrie anzubieten. Beispielsweise schuf die Krones-Tochter Syskron mit der IIOT-Plattform „Share2Act“ eine multimandantenfähige Plattform, in der sich zukünftig jede Maschine, auch herstellerübergreifend, in der Produktion miteinander verbinden und abbilden lässt. Gleichzeitig stellt das System zahlreiche Funktionalitäten bereit, die in klassischen MES-Suiten angeboten wurden.

Eine Basis für künstliche Intelligenz in der Getränkeindustrie, denn mit der Sammlung, Klassifizierung und Sicherung umfangreicher Daten aus der Produktion wird es für Systeme möglich, intelligent konkrete Aussagen und Handlungsempfehlungen abzugeben und damit den sich in der Getränkeindustrie ändernden Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

KI bietet Möglichkeiten am Point of Sales

Auch am Point of Sales sollen intelligente Lösungen künftig stärker zum Einsatz kommen, beispielsweise im Bereich der Leergutrücknahme. „Eine schnelle und präzise Erkennung ist bei einem modernen Pfandrücknahmeautomaten von hoher Bedeutung. Auch hier muss das System zunächst die große Vielfalt an Flaschen und Pfandsätzen erlernen“, meint Frank Höhler, Senior Vice President, Tomra Systems. Moderne Automaten können Informationen heute über eine eigene IoT-Plattform untereinander austauschen. Laut Höhler bietet in diesem Zusammenhang KI in der Getränkeindustrie in Zukunft die Möglichkeit, Informationen zur zurückgegebenen Leergutmenge und -qualität in Echtzeit zu erhalten und hieraus entsprechende Schlüsse zu ziehen.

„Smartglass“: Das Kommunikationstalent in Sachen KI in der Getränkeindustrie

Ebenfalls interessant: das „Smartglass“ von Rastal, das mit seiner KI der Getränkeindustrie, Gastronomie und den Endkonsumenten zahlreiche Möglichkeiten bietet. Dabei handelt es sich um ein Trinkglas, das mit einem NFC-Chip (Near Field Communication-Chip) ausgestattet ist. Jeder NFC-Chip hat eine eigene, einmalige UID-Nummer. Dadurch erhält jedes Glas eine eindeutige Identität. 

In einer smarten Bar kann ein solcher Chip mit einem Lesechip direkt kommunizieren und die Daten lassen sich per Mobilfunk in die Cloud der Dinge der Telekom überführen. Speziell für die Gastronomie hat das Unternehmen gemeinsam mit der Telekom eine digitale Lösung entwickelt, die durch valide Daten effiziente Prozesse ermöglicht. Die Plattform wertet die Daten aus und bereitet zum Beispiel Art und Menge der georderten Getränke sowie Uhrzeit der Bestellung übersichtlich auf. Mit den ermittelten Daten lässt sich nicht nur der Status quo erfassen, sondern beispielsweise auch planen, zu welcher Uhrzeit eine zusätzliche Servicekraft eingeplant werden sollte. Außerdem können Gastronomen analysieren, welchen Einfluss das Wetter auf den Konsum ausübt oder an welchen Wochentagen mehr Bier und an welchen mehr alkoholfreie Getränke konsumiert werden. 

künstliche Intelligenz
© Pixabay / User: geralt

Das „Smartglass“ ist auch in der Lage, mit dem Endkunden direkt zu kommunizieren. Um den NFC-Chip auszulesen, genügt es, das Smartphone oder Tablet an den im Glas integrierten Chip zu halten. So ist für die Getränkeindustrie über das Glas eine individuelle, zielgruppengerechte Kommunikation machbar. Gewinnspiele, besondere Events, Informationen zur Marke, Trinkempfehlungen – all das lässt sich über diesen Weg an den Verbraucher kommunizieren. 

Neue Rezepturen mithilfe von KI 

Dass sich auch neue Getränkerezepturen mithilfe von KI entwickeln lassen, zeigt das Beispiel Mackmyra. Die schwedische Whiskybrennerei ging eine Kooperation mit Microsoft ein, um gemeinsam mit Fourkind, einem auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz spezialisierten Unternehmen aus Finnland, den angeblich ersten Whisky mithilfe von künstlicher Intelligenz zu entwickeln. Das System wurde hierfür mit bisherigen Blending-Rezepturen, Verkaufszahlen und Kundenwünschen gefüttert.

Laut Capgemini wollen Produktionsunternehmen der Getränkeindustrie weltweit in den nächsten fünf Jahren 40 Prozent mehr intelligente Fabriken aufbauen. In Deutschland sollen im gleichen Zeitraum sogar 43 Prozent mehr Fabriken dieser Art entstehen. Capgemini schätzt, dass intelligente Fabriken in den nächsten fünf Jahren zwischen 1,5 und 2,2 Billionen US-Dollar zur Weltwirtschaft beitragen können.

Ergebnis ist die Marke Intelligens, die das Unternehmen Ende letzten Jahres in limitierter Auflage herausbrachte. „Auch wenn Maschinen kein menschliches Know-how haben, können wir ihnen beibringen zu begreifen, aus welchen Elementen frühere Rezepturen und Produkte bestehen. Wir zeigen ihnen außerdem, wie diese bei Kunden und Fachleuten ankommen und bewertet werden“, erläutert Jarno Kartela, Principal Machine Learning Partner Fourkind. Was auch bedeutet, dass mithilfe von KI in der Getränkeindustrie künftig Rezepte für zahlreiche weitere Getränke, ob alkoholisch oder alkoholfrei, entwickelt werden können.

KI hilft auch bei der Getränkeauswahl

Künstliche Intelligenz in der Getränkeindustrie lässt sich indes ebenso dazu nutzen, den Endkunden bei der Getränkeauswahl zu unterstützen. Wie das geht, machte erst kürzlich der Getränkehersteller Diageo vor. Mit „What’s Your Whisky“ launchte das Unternehmen eine digitale Anwendung, die dabei behilflich ist, basierend auf der Vorliebe des Konsumenten den persönlichen Lieblingswhisky zu finden. Sie wird ermittelt, indem der Verbraucher Fragen zu individuellen Geschmacksvorlieben beantwortet. Andy Parton, Senior Regional Manager, Diageo: „Mit der mobilen Anwendung können Konsumenten ein breites Spektrum unserer Single Malts anhand ihrer persönlichen Vorlieben entdecken.“ Ein neues Geschäftsmodell, das nicht nur für Mehrumsatz, sondern auch für eine erhöhte Kundenbindung sorgen kann und sich auf weitere Getränkebranchen übertragen lässt. 

Digitale Ethik von essenzieller Bedeutung

Alle genannten Anwendungen versprechen nicht nur eine interessante Zukunft für die Branche, sondern klingen zudem nach jeder Menge Potenzial, das es zu entdecken und zu nutzen gilt. Dennoch gibt es beim Einsatz von künstlicher Intelligenz zahlreiche Bedenkenträger, die meinen, in nicht mehr kontrollierbare Sphären zu schlittern. Manuela Mackert, Chief Compliance Officer der Telekom äußerte sich dazu wie folgt: „Künstliche Intelligenz bietet jede Menge Möglichkeiten, aber auch Risiken. Deshalb müssen fundamentale Werte beachtet werden. Mit digitaler Ethik wächst die Akzeptanz und die Nutzung von KI.“ Aus diesem Grund hat die Deutsche Telekom beispielsweise gemeinsam mit weiteren Unternehmen und Instituten KI-Leitlinien für ihre KI-Prozesse und -Produkte sowie den Umgang damit entwickelt. Mackert: „Wir sind davon überzeugt, dass sich das große Potenzial von KI letztlich nur verwirklichen lässt, sofern diese an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist.“ 

Wer endlich seinen Lieblingswhisky finden, mit einem smarten Glas kommunizieren oder weitere Trends und Entwicklungen von künstlicher Intelligenz in der Getränkeindustrie hautnah erleben möchte, wird auf der drinktec vom 13. bis 17. September 2021 auf dem Messegelände in München fündig. Sie suchen auch nach einer Plattform, um Ihre Innovation in diesem Bereich vorzustellen? Dann seien Sie auf der nächsten drinktec mit dabei.

Friederike Arndt

Friederike Arndt

Die selbstständige Fachjournalistin Friederike Arndt gilt als Expertin für den Bereich Getränke und war unter anderem lange Zeit als Redakteurin der Fachzeitschriften Getränkeindustrie und Getränkefachgroßhandel tätig. In dem Blog berichtet sie über die neuesten Trends und Innovationen aus dem Bereich der Alkoholfreien Getränke.