Transportbehälter-Hygiene – Wie sauber ist der Tank?

LKW mit Transportbehälter vor der Fabrik
© Milk truck by factory

Täglich wird europaweit die unglaubliche Menge von 250.000 Tonnen unverpackter, flüssiger oder pulverförmiger Rohstoffe und Lebensmittel per Transportbehälter befördert (DSLV). Auch Logistiker und Tankreinigungsbetriebe unterliegen dabei den gleichen strengen Kriterien wie ein „richtiger“ Lebensmittelhersteller. Was allerdings unter „Reinigung“ zu verstehen ist, wird meist vom Logistiker selbst definiert.

Die Vorschriften sind einfach und eindeutig: Das Reinigungsergebnis muss mit einer geeigneten Messmethode an den kritischen Stellen der Lebensmittel-Transportbehälter überprüft und die Ergebnisse müssen dokumentiert werden.

Die andere Seite der Medaille: Logistiker stehen in einem beinharten Wettbewerb. Sie müssen  auf die Kosten achten, auch bei der Reinigung ihrer Fahrzeuge. Allfällige Reinigungsdokumente listen keine definierten Reinigungsprozeduren auf – Qualitätskontrolle? Fehlanzeige. In der Regel haben die Fahrer nur einen Zettel bei sich, der aufführt, dass eine Reinigungsanlage im Spiel war, und angibt, dass der Transportbehälter „sauber “ ist. Die „Bestätigung“ für eine ordentliche Reinigung besteht darin, dass vom Domdeckel aus keine sichtbaren Spuren oder Gerüche des letzten Produkts bzw. des Reinigungsmittels festgestellt wurden. Der Albtraum eines jeden Mikrobiologen.

Kritische Bereiche bei Lebensmitteltransport-Behältern

Bei Lebensmitteltransport-Behältern, das sind auf Fahrzeugen montierte Tanks, liegen die kritischen Punkte in den Kammern, Rohrleitungen und Pumpen. Tankfahrzeuge haben oft getrennte Kammern, die nicht gegen Vermischung, sondern gegen Unwuchten durch schwappende Fluide sichern sollen. Diese Kammern gehen meist nur auf eine gemeinsame Entleerungsleitung oder wenn es separate Auslaufleitungen gibt, auf eine einzige verbaute Pumpe. Damit sind Kreuzkontaminationen nicht auszuschließen.

In der Regel befinden sich die neuralgischen Stellen also nicht im leicht einsehbaren Bereich der Transportbehälter, sondern an schlecht zu reinigenden Stellen, etwa in den Be- und Entlüftungsleitungen, den Be- und Entleerungsrohren, in Schläuchen zur Be- und Entladung, in Bodenventilen, Pumpen und Filtersystemen.

ATP- und Proteintest für mehr
Transportbehälter-Hygiene

Aber es gibt Möglichkeiten, die Effektivität einer Tankreinigung schnell und kostengünstig zu prüfen. Geeignet dafür sind neben dem bekannten ATP-Tests auch Schnelltests auf Proteinrückstände. Im Prinzip handelt es sich um auf geeignetem Trägermaterial aufgebrachte farbreaktive Stoffe. Ein solches Testpad zeigt per Farbumschlag, ob die Stelle, welche überprüft wurde, in Frage kommt oder nicht. Dies funktioniert bei Milchtransportfahrzeugen gut, nicht aber bei reinen Zuckern und Fetten, hier müssen andere Tests herangezogen werden.

Ein Proteinrückstandstest lässt übrigens auch Rückschlüsse auf die Qualität eines Reinigungsprozesses der Transportbehälter zu. Denn er reagiert auch auf proteinähnliche Gruppierungen in den Reinigungs- und Desinfektionsmitteln.

Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure BLK empfiehlt als Baustein für ein Hygienemanagement im Lebensmitteltransport die sogenannte Clean Card PRO der amfora health care GmbH. Diese Clean Card wird von Tankreinigungs-Firmen und auch in der Lebensmittelindustrie eingesetzt und von Auditoren empfohlen. Aufgrund der niedrigen Nachweisgrenze von 25-50 µg/100 cm² ist der Indikator-Test Clean Card PRO auch zur Detektion von geringen Verunreinigungen geeignet. Besucher der nächsten drinktec, die vom 13. bis 17. September 2021 in München stattfindet, können sich auf der Weltleitmesse für Getränke- und Flüssigprozesstechnik über die neuesten Möglichkeiten für die Sicherstellung hygienegerechter Transporte von Rohstoffen und Lebensmitteln informieren.

Roland Sossna

Roland Sossna

Der gelernte Molkereifachmann, Agraringenieur und freie Fachjournalist Roland Sossna gestaltet unter anderem die Redaktion der Fachtitel molkerei-industrie und IDM International Dairy Magazine. Regelmäßig stellt er herausragende Innovationen aus der Molkerei-Branche auf dem Blog vor.