Heterogene Entwicklungen in der Getränkebranche

Große Auswahl an Getränken im Markt
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Die Nachfrage pro Haushalt nach alkoholfreien Getränken ist 2019 um 5,8 Prozent zurückgegangen, weshalb einige Marktbeobachter zumindest auf eine Stabilisierung für das Jahr 2020 gehofft haben. Doch die Veränderungen, die die Covid-19-Maßnahmen im alltäglichen Leben mit sich bringen, haben auch die Entwicklungen in der Getränkebranche geprägt.

Covid-19-bedingte Maßnahmen zeigen Auswirkungen auf den Markt von alkoholischen und alkoholfreien Getränken: Während die Food-Sortimente in den ersten acht Monaten des Jahres 2020 mit einem Plus von 14 Prozent überdurchschnittlich von der Verlagerung des Essens in die heimischen vier Wände profitiert haben, hinkt die Entwicklung der alkoholfreien Getränke mit einer Zunahme von nur 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit einem Minus von einem Prozent in der Mengennachfrage erneut hinter dem Gesamtmarkt zurück. Ein Faktor für die rückläufige Mengennachfrage nach alkoholfreien Getränken waren die im Vergleich zum Vorjahr kühleren Monate Juni und Juli, die nur teilweise von einer positiven Entwicklung im August kompensiert werden konnte.

Der Haushaltskonsum steigt

Bei der Entwicklung der alkoholfreien Getränkebranche zeigen sich in diesem Jahr stark unterschiedliche Tendenzen, da manche Kategorien im Lebensmitteleinzelhandel von dem veränderten Konsumverhalten seit Beginn der Corona-Krise profitieren konnten. So waren Smoothies in den letzten Jahren ein Wachstumsfeld bei den fruchthaltigen Getränken, während der Konsum klassischer Fruchtsäfte und -nektare zurückgegangen ist. Durch den reduzierten Konsum außer Haus und damit verbundenem Frühstück und Mittagsverpflegung zu Hause, sind die Smoothies mit 10,7 Prozent in der Menge rückläufig, während die Fruchtsäfte und -nektare mit circa 7 Prozent im Plus liegen. Aber auch Segmente mit einer starken Stellung im Außer-Haus-Markt zeigen momentan ein überdurchschnittliches Wachstum. So konnten Cola/Cola-Mixgetränke um 6 Prozent und Energy Drinks sogar um 23 Prozent in der Menge im Haushaltskonsum zulegen. Weiterhin erfreuen sich Bittergetränke einer zunehmenden Popularität, da Konsumenten den Longdrink-Genuss aus der Bar nach Hause verlagern.

Neues Freizeitverhalten verändert Konsum

Aber es gibt nicht nur Gewinner bei den alkoholfreien Getränken. Bei den „Verlierern“ sind insbesondere Erfrischungsgetränkekategorien wie Mineralwasser, Schorlen/Wässer mit Geschmack und Sportgetränke anzuführen. Einerseits haben durch den Lockdown und das seitdem stark veränderte Freizeitverhalten Konsumanlässe wie beispielsweise (mannschafts-)sportliche Aktivitäten für diese Produkte gefehlt und andererseits haben sich in den letzten Monaten Konkurrenzsegmente für die alkoholfreien Getränke sehr dynamisch entwickelt. 

Die Lücke im Außer-Haus-Konsum hat die „Binnennachfrage“ im Lebensmitteleinzelhandel stark angeregt, sodass der Haushaltskonsum für den gesamten FMCG-Bereich in Deutschland bis August 2020 um 12,5 Prozent im Umsatz zugelegt hat.

Hier ist als Alternative zum Mineralwasser der zunehmende Nachfragetrend zu Sprudlerpatronen anzuführen, der durch den Einstieg von Aldi Süd in das Geschäft im vergangenen Jahr und die zunehmende Verfügbarkeit von Tauschpatronen im restlichen Handel deutlich befeuert wurde. Neben den bisherigen Gründen, warum Konsumenten immer häufiger zu Sprudlergeräten greifen haben zu Beginn der Pandemie sicherlich auch das generelle Bestreben zum One-Stop-Shopping und einer schnellen unkomplizierten Bevorratung zu diesem starken Wachstum beigetragen.

Extrem steigender Beliebtheit erfreuen sich Getränkesirupe, die auch innerhalb des gesamten FMCG-Sortiments eine der wachstumsstärksten Kategorien sind. Interessanterweise hat hier die Wachstumsdynamik erst ein paar Wochen nach den ersten Hamsterkäufen eingesetzt, die vornehmlich der Absicherung der Grundversorgung gedient haben. Danach sind sukzessive auch verstärkt Produkte gekauft worden, die den Restaurantbesuch daheim ersetzen sollten oder zum Experimentieren dienen, beispielsweise durch das Selbstmischen von Cocktails

Weitere Entwicklungen in der Getränkebranche

Auch die Nachfrage nach alkoholischen Getränken steht im Zeichen der Verlagerung in die heimischen vier Wände. Allerdings fällt der Umsatzzuwachs im ersten Halbjahr 2020 nicht stärker aus als die Gesamtmarktentwicklung FMCG. Dabei sind es vor allem die Warengruppen Wein (plus 20,2 Prozent) und Spirituosen (plus 14,9 Prozent), die stärker nachgefragt wurden. Bier bleibt mit einer Steigerung von 8,1 Prozent hinter dieser Entwicklung in der Getränkebranche etwas zurück.

Ein Blick auf die Entwicklung der Gebinde im Biermarkt zeigt, dass sich der Trend zur Dose weiter fortgesetzt hat. Die Dose konnte auch im 1. Halbjahr 2020 wieder in der Käuferreichweite zulegen und erreicht mittlerweile 13,4 Prozent aller Haushalte in Deutschland. Die verstärkte Verlagerung des Außer-Haus-Konsums in die eigenen vier Wände hat auch bei den Großgebinden 0,5-Liter-MW-Kiste und den 0,33-Liter-MW-Kästen für deutliche Zuwächse gesorgt. Diese Entwicklung ist neu und muss sicher auch im Zusammenhang mit der Corona-Krise gesehen werden. Wie nachhaltig diese Sonderentwicklung ist, bleibt abzuwarten.

Auch wenn Covid-19 vorerst das omnipräsente Thema für Hersteller und Verbraucher sein wird, bleiben Nachhaltigkeit und Klimaschutz besonders auf Verbraucherseite höchst relevante Themen. Bei den alkoholfreien Getränken setzen sich beispielsweise die Verpackungstrends des letzten Jahres weiter fort: PET-Verpackungen gehen zurück, während Glasgebinde mit über 12 Prozent Wachstum deutlich zulegen können.

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