Das Potential der nachhaltigen Verpackung

Nachhaltige Getränkeverpackung
© KHS-Traypacker

Nicht nur die nachhaltige Produktion rückt innerhalb der Getränke- und Lebensmittelindustrie immer mehr in den Fokus: Gerade bei den Herstellern von alkoholfreien Getränken richtet sich der Blick immer stärker auf das Nachhaltigkeitspotential der Verpackung.

Während bei Bier der Brauprozess großen Spielraum zur Optimierung der Energieeffizienz bietet, richtet sich der Blick der Hersteller von alkoholfreien Erfrischungsgetränken oft auf das Nachhaltigkeitspotenzial der Verpackung. Vor dem Hintergrund der EU-Plastics Directive und der Notwendigkeit, das Aufkommen an Verpackungsmüll deutlich einzudämmen, sind auch die Lebensmittelhersteller und die Getränkeindustrie gefordert. Einer Frage widmen derzeit alle Hersteller in der Getränkeindustrie viel Aufmerksamkeit: Wie lässt sich der Einsatz von Kunststoff minimieren? Wie gelingt nachhaltige Verpackung?

Plastikmüll am Strand
© Pixabay / User: adege

Das Flaschendesign kann je nach Vorgaben des Abfüllers mit individuellen Virgin-PET/Recyclat-Mischungen umgesetzt werden. Bottle-to-Bottle-Recyclinganlagen mit Modulen für den Wasch- oder Dekontaminierungsprozess bereiten gebrauchte PET-Flaschen für die erneute Verwendung im Lebensmittel- bzw. Getränkeeinsatz auf. Dass die Verfügung über den Rohstoff PET für viele Getränkehersteller immer interessanter wird, zeigt beispielsweise Asahi Beverages: Das Unternehmen beteiligt sich an einem Joint Venture zum Bau einer Recyclinganlage für PET in Australien. Projektumfang: Recyclingkapazität eine Milliarde 600-ml-PET-Flaschen pro Jahr mit einer Jahresproduktion von 20 000 Tonnen Recyclat. Wert der Gesamtinvestition: rund 45 Millionen US-Dollar.

PET – The one and only?

Angesichts dieser Konkurrenz: Wie werden alternative Kunststoffe im Bereich der nachhaltigen Verpackung im Markt Fuß fassen? Bio-PET als Blend, basierend auf Reststoffen der Zuckerrohr- oder Zuckerrüben-Produktion, kommt schon umfassend zum Einsatz. Die weltweite Produktionskapazität für dieses Material wird gemäß den Erwartungen des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundstoffe an der Hochschule Hannover[1] von 1,4 Millionen Tonnen (2018) bis zum Jahr 2023 auf 2,2 Millionen Tonnen weiter zunehmen – etwa durch veränderte Strategien großer Softdrinkhersteller.

Plastikflaschenmüll reduzieren
© ALPLA-PET-Recycling

Eine spannende Frage wird auch sein, welche Bedeutung neue Kunststoffvarianten erhalten, wie die Plattformchemikalie FDCA (furandicarboxylic acid) für den Kunststoff PEF (polyethylene furanoate)[2]. Die damit verfügbaren Materialien werden aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnen – aus Reststoffen der Agrarindustrie oder aus Holzabfällen – und zeigen deutlich verbesserte Barriereeigenschaften im Vergleich zum klassischen PET. Zeitgleich wird im Getränkemarkt auch das Thema Kunststoffalternativen für die nachhaltige Verpackung weiter an Aufmerksamkeit gewinnen.

Die Innovationskraft der Branche zeigt sich bereits jetzt mit Flaschen-Varianten aus Papier und innenliegender Folienschicht aus Bio-Kunststoff, die zum Beispiel für Spirituosen angewendet werden sollen. Neue Möglichkeiten für das Verpackungsmaterial Papier erschließen die Maschinenhersteller auch in der Sekundärverpackung: Warum nicht auch einen Dosen-Tray mit Papier umhüllen? Oder: Warum nicht die Sechser-Gebinde an PET-Mineralwasser mit einem Karton-Griff ausstatten und auf die Wrap-around-Folien-Umhüllung komplett verzichten?

Schlüsseldisziplin „Nachhaltigkeit“ auf der drinktec 2021

Auch Grundsatzdiskussionen bleiben aktuell: Ist Design for Recycling schon gelernt? Welchen Effekt hat die Abgabe der EU auf nicht recycelte Plastikabfälle in der Getränkeindustrie? Wie ändert sich die Umweltbilanz der Verpackung, wenn Plastik durch Papier ersetzt wird? Und nicht zuletzt: Welche Rolle kann chemisches Recycling in dieser Gemengelage spielen?

Die Weltleitmesse drinktec zeigt sich am Puls der Zeit, indem sie „Nachhaltigkeit“ zu einem ihrer Leitthemen erklärt und einen besonderen Fokus auf nachhaltige Verpackung legt: Vom 12. bis 16. September 2022 in München bietet die drinktec eine umfassende Informationsplattform zum Zukunftsschwerpunkt Nachhaltigkeit in der Getränkeindustrie. Erfahren Sie mehr über nachhaltige Verpackung und Produktion und neue Technologien und innovative Lösungen in diesem Bereich. Sie möchten Ihre Innovation in diesem Bereich vorstellen? Dann seien Sie auf der nächsten drinktec mit dabei.

Der Begriff Plastik ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Kunststoffe aller Art. Laut der EU-Kommission erzeugt Europa pro Jahr 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfall. Deshalb hat die EU eine Plastikstrategie mit entsprechenden Regelungen ins Leben gerufen. Ab 2030 sollen beispielsweise sämtliche Plastikflaschen zumindest 30 Prozent aus recyceltem Material bestehen.

[1] Biobasierte Kunststoffe im Verpackungssektor

[2] PEF as a multilayer barrier technology: a sustainable way to enable long shelf life in PET bottles

drinktec Blog-Team

drinktec Blog-Team

Hier berichtet das drinktec Team über alles rund um die drinktec und gibt Einblicke hinter die Kulissen der Messe.