Australische Getränkeindustrie: Aktuelle Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Verwendung von PET-Flaschen

PET Flaschen in Australien
© Unsplash: Brian Yurasi

Weltweit steigt die Nachfrage nach zuckerarmen oder -freien Getränken. Auch die australische Getränkeindustrie verzeichnete in den letzten Jahren einen deutlichen Rückgang beim Geschäft mit zuckerhaltigen Softdrinks. Neben der COVID-19-Pandemie wirkt sich auch diese Entwicklung entscheidend auf die Verwendung von PET-Flaschen im Land aus.

Mit Blick auf kohlensäurehaltige und stille Erfrischungsgetränke zeigt der aktuelle Trend keine sichtbaren Veränderungen der allgemeinen Umsatzzahlen. Dieses Phänomen lässt sich damit erklären, dass die Entwicklung innerhalb der Branche lediglich eine Umsatzverschiebung zwischen den Getränketypen bewirkt. Wo der Umsatz mit zuckerhaltigen Getränken zurückgeht, greifen Verbraucher nun vermehrt zu Sport- oder Diätgetränken, die funktional und zuckerfrei sind. Das bedeutet, dass die absoluten Umsatzzahlen bei PET- und Glasflaschen, aber auch bei Dosen weitgehend unverändert bleiben.

Die Entwicklung der australischen Getränkeindustrie

Kohlensäurehaltige Getränke werden in Australien doppelt so oft in Dosen abgefüllt wie in PET-Flaschen. Daher ist es für die Branche von entscheidender Bedeutung, dass die Verkaufszahlen in diesem Bereich stabil bleiben. Laut Euromonitor stieg der Umsatz mit Dosen zwischen 2017 und 2019 um rund ein Prozent, während der Umsatz mit PET-Flaschen um beinahe 2,5 Prozent sank. Nach Angaben von Statista blieb in diesem Zeitraum allerdings der Absatz mit Erfrischungsgetränken insgesamt mit 3,5 Milliarden Litern auf einem konstanten Level. Auch die Absatzzahlen für Säfte waren in den vergangenen Jahren mit einem zweiprozentigen Wachstum auf durchschnittlich 433 Millionen Liter stabil. In diesem Sektor verzeichnete die Branche allerdings kürzlich ein Anstieg von 1,6 Prozent beim Umsatz mit Getränkekartons, während die Zahlen für PET-Flaschen um rund 0,75 Prozent zurückgingen.

Im Bereich Wasser zeigt sich ein ganz anderes Bild: Hier stieg die Anzahl der verkauften Einheiten in besagtem Zeitraum um etwa 17 Prozent von 942 Millionen auf 1,100 Milliarden. So zeigt eine Nutrients-Langzeitstudie eine erhebliche Steigerung des jährlichen Pro-Kopf-Verbrauchs von gerade einmal knapp sechs Litern im Jahr 1997 auf rund 48 Liter im Jahr 2018, wobei der Anstieg seit 2012 besonders deutlich ist. Zugleich legte der Anteil an PET-Verpackungen um 18 Prozent zu. 2019 lag die Verkaufsmenge von PET-Wasserflaschen bereits bei 974 Millionen Einheiten, was jedoch kaum Auswirkungen auf die abgesetzte Menge hatte (durchschnittlich 737 Millionen Liter).

Der australische Getränkemarkt wird seit über zehn Jahren von zwei Herstellern dominiert: Coca-Cola Amatil und Asahi. 2020 hielten die Unternehmen zusammen mehr als 50 Prozent der Marktanteile, wobei rund 40 Prozent auf Coca-Cola entfielen und 15 Prozent auf Asahi. Weitere Player am Markt sind Tru Blu Beverages, Bundaberg Brewed Drinks und Nexba.

Grund hierfür könnte die steigende Nachfrage nach kleineren Flaschen sein. Insgesamt sind diese Wachstumszahlen mit Vorsicht zu betrachten, da die Forschungsplattform Ibis World zu abweichenden Ergebnissen kommt. Während Euromonitor für den Zeitraum von 2018 bis 2019 noch eine Umsatzsteigerung von rund sechs Prozent ermittelte, gehen ABCL und Ibis World aufgrund der Pandemie für das aktuelle Jahr von einem Wachstum von deutlich unter einem Prozent aus.

Die Realität liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen, allerdings herrscht aktuell auch große Unsicherheit. Unter Berücksichtigung aller Auswirkungen der Corona-Pandemie dürfte Statista zufolge der Umsatz mit nichtalkoholischen Getränken und dabei vor allem Softdrinks im Jahr 2020 etwas über 13,5 Milliarden US-Dollar liegen und bis 2025 auf 17 Milliarden US-Dollar steigen. Für in PET-Flaschen abgefüllte alkoholische Getränke wie Bier und Spirituosen gibt es derzeit (noch) keinen Markt.

Die Auswirkungen von COVID-19 auf die australische Getränkeindustrie

Geoff Parker, CEO von ABCL, geht aufgrund der Beschränkungen für Freizeitaktivitäten im Freien von einem COVID-19-bedingten Verkaufsrückgang bei kleinen Wasserflaschen aus, während Hamsterkäufe von Wasserflaschen in Supermärkten zunehmen dürften. „COVID-19 und die damit verbundenen Herausforderungen sorgen für große Unsicherheit“, erklärt Parker mit Blick auf die gesamte Branche. „Obwohl sie aktuell mehr Lebensmittel für ihren Privathaushalt benötigen, werden Verbraucher wahrscheinlich zu günstigeren Alternativen wie Eigenmarken greifen, da sie aufgrund der Pandemie weniger Einkommen zu Verfügung haben. Dies dürfte zu sinkenden Gewinnspannen für unsere Branche führen.“ Erwartungsgemäß werde diese Entwicklungen dazu führen, dass Getränkehersteller ihre Prozesse überdenken, auch im Hinblick auf die Unterstützung von Lieferanten und Logistikpartnern.

PET Flaschen Produktion
© Unsplash: Jonathan Chng

„Von lokalen und importierten Produkten über F&E-Labore, Transport, Logistik und Materialhandhabung bis hin zu Anlagen und Ausstattung – die Lieferkette unserer Branche ist äußerst vielschichtig. Aktuell machen wir Regierungen die Bedeutung der Getränkeindustrie deutlich und betonen dabei auch die durchgängige Lieferkette, die für unserer Kerngeschäft eine zentrale Rolle spielt. Schließlich ist die Branche angewiesen auf hochwertige australische Erzeugnisse und eine Lieferkette, die über das erforderliche Know-how verfügt“, so Parker.

Wie in anderen Ländern, so wirkte sich auch in Australien das veränderte Verbraucherverhalten auf die allgemeine Verfügbarkeit aus. „In den letzten Monaten haben wir im gesamten Land eine deutliche Veränderung des Kaufverhaltens beobachtet, auch in Victoria. Während der März noch von Hamsterkäufen geprägt war, wurden im April und Mai die Warenlager wieder aufgefüllt, bevor im Juni und Juli vielerorts wieder eine Art Normalität einkehren konnte.“

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Kay Barton

Kay Barton

Seit 13 Jahren ist Kay Barton bei der Getränke- und PET-Expertenplattform PETplanet tätig, davon seit 2014 als Fachredakteur. Sein Schwerpunkt ist die klassische Vor-Ort Berichterstattung in Textform und als Podcasts bei Getränkeproduzenten, PET-Flaschenherstellern, sowie bei Maschinenbauern und Peripherie-Lieferanten weltweit. Darüberhinaus plant und führt er für PETplanet fachbezogene Kongresse, Diskussionsforen und Symposien durch.