Trend für Helles ist ungebrochen

Helles Bier
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Im Ranking der beliebtesten Biersorten der Welt steht Helles an oberster Stelle. Keine andere Sorte wird weltweit so oft getrunken. Kein Wunder: Helle Biere sind mild, süffig und haben nicht zu viel Alkohol. Auch in Deutschland wächst helles Lagerbier seit Jahren – insbesondere die Sorte „Bayerisch Hell“ – und erobert auch die Regionen jenseits des Weißwurstäquators.

Die Sorte „Helles“ erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Laut Marktforschung stieg der Marktanteil von 4,5 Prozent in 2010 auf nunmehr über sieben Prozent im ersten Halbjahr 2019. Im rückläufigen Biermarkt ist Helles inzwischen nach Pils und Weizenbier die drittstärkste Sorte. Helles ist angesagt, auch bei den jungen Erwachsenen. Als Wegbereiter dieses Trends darf Augustiner gesehen werden. Mit der Sorte Hell und dem „Edelstoff“ hat die Münchner Brauerei über viele Jahre hinweg einen Markenkult aufgebaut. Als sämtliche Großbrauereien sich von der Euro-Flasche verabschiedeten und zu moderneren Flaschenformen wechselten, hielt Augustiner an der damals etwas altbacken wirkenden Flasche fest. Mit großem Erfolg: Augustiner wurde zur Kultmarke und die Euro-Flasche steht heute für Helles aus Bayern.

Mit einem Marktanteil im Handel von rund 29 Prozent ist Augustiner die Nummer 1 beim Hellen. Jenseits der bayerischen Landesgrenzen haben sich inzwischen jedoch Newcomer wie „Bayreuther Hell“ oder „Mooser Liesl“ längst ein Stück vom Kuchen abgeschnitten.

Helles hat eine lange Tradition

Die erste Münchner Brauerei, die ein helles Bier braute, war Spatenbräu. Bis dahin waren Biere nach Münchner Brauart dunkel. Als die Brauerei das helle Bier 1895 in München einführte, soll dies für großen Wirbel gesorgt haben. Heute gilt dieser Tag als die Geburtsstunde des Hellen. Denn obwohl die Sorte anfangs eher umstritten war, zogen andere Münchner Brauereien innerhalb weniger Jahre nach und brauten ebenfalls ein Helles.

Tatsache ist: Helle Biere haben hierzulande eine lange Tradition. Bis Mitte der 1970er Jahre war Export sogar das beliebteste Bier der Deutschen. Doch es gab keine Marken im heutigen Sinne. Bier war eben Bier. Anfang der 70er gab es dann einen neuen Trend zur Marke und Warsteiner positionierte als erste Brauerei ihr Pils als Premium. Andere Pilsbrauer folgten dem Beispiel. Gleichzeitig wandelte sich der Geschmack der Deutschen. Die Leute wurden anspruchsvoller und fragten zunehmend nach besseren Qualitäten, nach Leichterem, Spritzigerem und Herberem. Die damals relativ exklusive Sorte Pils kam dem neuen Geschmack entgegen. Einige Brauer richteten ihre Produktion voll auf Pils aus, profilierten sich und wurden zu Markenartiklern. Die sogenannte Pilswelle rollte über das Land. Mit Ausnahme der süddeutschen Brauer fokussierten sich bald alle auf die Erfolgssorte. Sortimente wurden bereinigt, die Bierlandschaft wurde monotoner.

Nachfrage wird weiter steigen

Heute suchen Biertrinker wieder die Abwechslung, wollen Genuss und sind dank der Craftbier-Bewegung probierfreudiger denn je. Außerdem spielt das Thema Regionalität und Herkunft eine große Rolle. Und genau damit können die bayerischen Hellbier-Marken punkten. Stand bis vor ein paar Jahren Weißbier außerhalb Bayerns alleine für bayerisches Lebensgefühl und wurde damit zur Nummer zwei im Biermarkt, hat sich inzwischen Helles dazugesellt. Es ist eine willkommene Abwechslung. Frisch, mild und süffig. Inzwischen gibt es einen regelrechten Hellbier-Boom. Da sind zum einen die bayerischen Erfolgsmarken wie Bayreuther, Chiemseer, Tegernseer, Allgäuer Büble oder Mooser Liesl, auf der anderen Seite haben inzwischen auch die nicht-bayerischen Brauereien wie Krombacher, Flensburger, Veltins, Karlsberg oder Bitburger (mit der Marke Benediktiner) ein Helles im Portfolio. Erfreulich ist: Die Nachfrage nach Hellem ist ungebrochen.

Helles Bier im Bierkrug
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Brauereien wie Arcobräu mit der „Mooser Liesl“ oder „Bayreuther Hell“ bauen ihre Distribution weiter aus und setzen dabei auf starke Partner wie den Getränkefachgroßhandel. Dabei ist nicht die Menge entscheidend, sondern der Stücknutzen. Und der ist bei Bierspezialitäten wie dem Hellen sehr hoch.

Einige Brauereien bieten ihr Helles seit einiger Zeit auch in einer 0,33-Liter-„Euro“-Flasche an. Davon gibt es inzwischen sogar gleich zwei Varianten. Die Giesinger-Flasche, benannt nach der Giesinger Brauerei, die sie vor ein paar Jahren entwickeln ließ, und eine zum Verwechseln ähnliche Flasche, die ein paar Jahre später auf den Markt kam. Beide sehen aus wie der kleine Bruder der 0,5-Liter-Euro-Flasche und sollen bei den Biertrinkern die gleichen Emotionen auslösen wie die großen Flaschen, die von vielen Marketingexperten maßgeblich für den Hellbiertrend verantwortlich gemacht werden.

Laut den neuesten Nielsen-Zahlen haben deutsche Konsumenten knapp 2,1 Millionen Hektoliter Helles in den ersten sechs Monaten 2019 im Lebensmitteleinzelhandel und in Getränkemärkten gekauft. Das sind fast vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Branchenkenner rechnen damit, dass die Nachfrage nach Hellem weiter steigt. Schließlich entdecken viele gerade erst die traditionelle Bierspezialität für sich. Und der zugängliche Geschmack gefällt beinahe jedem. Damit dürfte Helles ein wichtiges Wachstumssegment im deutschen Biermarkt bleiben.

Bierspezialitäten auf der drinktec 2021

Wer ebenfalls neue Bierspezialitäten kennen lernen möchte, sollte im Rahmen der Weltleitmesse drinktec 2021 zu dem beliebten Brauer-Treffpunkt kommen. Auf einer Ausstellungsfläche können dort an allen Messetagen kostenfrei wechselnde Biere aus aller Welt probiert werden, darunter auch innovative Helle. Die drinktec findet vom 13. bis 17. September 2021 auf dem Messegelände in München statt.

Bis zum fertigen Produkt ist es aber ein langer Weg: Wenn sie also innovative Produkte und Lösungen auf dem Weg zum trinkfertigen Bier anbieten, seien Sie bei der nächsten drinktec auch mit dabei und stellen sie diese einem internationalen Publikum vor.

Dirk Omlor

Dirk Omlor

Dirk Omlor war rund zwei Jahrzehnte Redakteur bei renommierten Getränke-Fachverlagen. Im Juli 2018 gründete der Dipl.-Ing. für Brauwesen zusammen mit seiner langjährigen Kollegin Barbara Rademacher ein Text- und Beratungsbüro mit dem zentralen Projekt getraenke-news.de.