Heilige Braustätten

Klosterbrauereien gelten als Vorreiter jahrhundertealter Bierkultur. Einige Abteien produzieren noch heute spezielle Sude nach uralten Rezepten, die zu den besten der Welt zählen. Jetzt haben sich mehrere deutsche Klöster zusammengeschlossen um dieses Erbe weiterhin zu pflegen.

Es ist eine ganz eigene Welt, in der Tradition nicht nur einem Versprechen gleicht: Klosterbrauereien gelten als die ältesten Braustätten der Welt. In ehrwürdigen Gemäuern pflegen noch immer Nonnen und Mönchen eine tausendjährige Bierkultur. Allein in Bayern gab es noch vor etwa 200 Jahren rund 300 fromme Bierproduzenten. Inzwischen existieren noch zwölf ihrer Art.

Klosterbrauereien als Hüter gepflegter Brautradition

Jetzt verkündeten auf dem heiligen Kreuzberg in Franken acht von ihnen den Zusammenschluss zu einem Förderverein. Neben der Klosterbrauerei Kreuzberg gehören auch die Abteien aus Aldersbach, Weltenburg, Andechs, Baumburg, Ettal, Scheyern und Weißenohe zur heiligen Gemeinschaft. Ziel soll also sein, die Brautradition der Klöster in gemeinsamen Projekten hervorzuheben. „Uns verbinden neben der historischen und kunstgeschichtlichen Bedeutung der einzelnen Brauereistandorte vor allem die gemeinsamen Werte“, sagt der amtierende Vorsitzende Pater Lukas Wirth aus dem Benediktinerkloster Scheyern.

Abteien gelten noch heute als Gralshüter gepflegter Brautradition. Der Siegeszug der Klosterbiere begann etwa im 11. Jahrhundert. Angeblich waren es zuerst geschäftstüchtige Zisterzienser-Mönche, die den Marktwert des Gerstensaftes erkannten und zu einem einträglichen Geschäft für Klöster und Stifte machten. Nachdem Mönche und Nonnen in grauer Vorzeit meist nur für den Eigenbedarf brauten, erwarben die Klosterbrauereien alsbald fürstliche Schankrechte und begannen vermehrt das Bier in eigenen Zechstuben auszuschenken. Hopfen und Braugetreide wurde auf heimischen Feldern angebaut, Wasser kam aus dem eigenen Brunnen. Bis zum 19. Jahrhundert gehörte zu fast jedem Kloster eine eigene Brauerei. Heute schmücken sich einige Brauereien noch mit alten Klosternamen wie etwa Augustiner, Paulaner oder auch die Staatsbrauerei Weihenstephan, die angeblich älteste Braustätte der Welt ist und von Mönchen gegründet wurde.

 „Heilige Brauereien“ weltweit mit Kultstatus

Aber nicht nur in Deutschland wird noch in heiligen Gemäuern gebraut. Vor allem die Trappistenklöster sind weltweit für ihre Spezialitäten bekannt. Insgesamt existieren rund um den Globus noch elf Stück. Sechs davon in Belgien, zwei in den Niederlanden und jeweils eins in Italien, Österreich und den USA. Das Besondere an Trappistenbieren: Die Sude werden ausschließlich von Mönchen produziert und der Erlös geht an soziale Zwecke. Um das zu kennzeichnen, entwickelten die Klöster ein eigenes Abzeichen für die Flaschenetiketten auf denen „Authentic Trappist Product“ steht.

Zu den ältesten Trappisten-Brauereien zählt Westvleteren in Westflandern. Das Bier der Mönche hat weltweiten Kultstatus erreicht. Es wird nicht im herkömmlichen Handel vertrieben, sondern nur im Kloster selbst verkauft. Produziert wird nur in wenigen Mengen, insgesamt 6000 Hektoliter pro Jahr. Somit sind bewusst nicht immer alle drei Sorten verfügbar. Per Telefon können sich Interessenten anmelden und zum vorgegebenen Termin maximal zwei Holzkisten mit je 24 Flaschen abgeholt werden. Der Clou: Anrufen können Bierfans pro Tag nur an zwei bestimmten Stunden. Da der Andrang so enorm ist, braucht jeden Anrufer großes Glück um überhaupt durchzukommen. Die Sorte „Westvleteren 12“ mit mehr als 12 Prozent Alkohol zählt auf der Online-Ranking-Plattform „RateBeer“ mit 100 Punkten zu den besten Bieren der Welt.

Jede Tradition hat ihren Ursprung

Dass Nonnen und Ordensbrüder über Jahrhunderte ihre Biertradition pflegen, hat einen plausiblen Grund. In der Fastenzeit musste „flüssiges Brot“ die feste Nahrung ersetzen. Eine Tagesration von fünf Liter Bier galt dabei keineswegs als Ausnahme. Daher sind die Klosterbewohner speziellen Festivitäten auch nicht abgeneigt. Bei der Gründungsversammlung des Fördervereins bayerischer Klosterbrauereien wurde daher im Rahmen der Bayerischen Landesausstellung 2018 im Kloster Ettal gleich ein Holzfass-Festival beschlossen.

Mareike Hasenbeck

Mareike Hasenbeck

Mareike Hasenbeck is a freelance journalist with her own craft beer blog (Feiner Hopfen), she is also a beer sommelier and an international expert for beer sensory certified by the DLG (German Agricultural Society).

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