Boom bei Biersommelier-Ausbildung

Frank Lucas - German Master of Biersommeliers

Ein neues Berufsbild findet hierzulande regen Zulauf: Die Anzahl ausgebildeter Biersommeliers explodiert derzeit geradezu. Aber wie wird man das und was machen solche Experten überhaupt?

Wer kennt das nicht: Man sitzt im Restaurant oder in einer Bar hält eine mehrseitige Bierkarte mit Dutzenden von Gerstensäften in der Hand – der überforderte Gast hat die Auswahl zwischen India Pale Ales, Stouts und Porters sowie zahlreichen Sauer- und Fruchtbieren. Da stellt sich die Frage: Was trinke ich gegen den Durst, was als Aperitif, was zum Pasta-Gericht und was harmoniert zum Schoko-Dessert oder der Käseplatte? Zum Glück gibt es jetzt immer mehr ausgebildete Biersommeliers, die in solchen Situationen für professionelle Beratung zur Seite stehen.

Der Titel „Biersommelier“ erlebt einen regelrechten Boom. Immer mehr Menschen hegen die Leidenschaft zu edlen Gerstensäften und wollen ihr Wissen professionalisieren. Möglich ist das seit 2004 beispielsweise bei der Ausbildungsstätte Doemens in Gräfelfing bei München. Inzwischen entwickeln sich hier die Teilnehmerzahlen für die Sommelier-Lehrgänge immer rasanter. Gab es anfangs nur einen Kurs pro Jahr, sind heute mehr als zehn Lehrgänge im Programm und alle bereits monatelang im Voraus schon ausgebucht. Der Verband der Biersommeliers zählt heute mehr als 1.000 Mitglieder. Darunter auch eine wachsende Anzahl an Frauen. Auslöser für diesen Trend ist die Craft-Bierbewegung. Die Menschen sprechen wieder über Bier, sehen es als spannendes Genussmittel und wollen mehr darüber wissen.

Aber wie wird man eigentlich Biersommelier und was sind dessen Aufgaben? In einem zweiwöchigen Intensivkurs werden Braumethoden, internationale Bierstile, Bierfehler aber auch Themen wie Bier und Gesundheit, Bier und Speisen oder Bier und Glaskultur gelehrt. Absolventen müssen in der Lage sein, Hopfensäfte zu erkennen, sie sensorisch zu beschreiben, eine Bierkarte zu erstellen und Empfehlungen an Gäste abzugeben. Profis sind dazu aufgefordert, in Seminaren, Verkostungen oder Vorträgen ihr Wissen nach außen zu tragen und als Bierbotschafter zu fungieren.

Beweisen können sich die Fachmänner und -frauen bei der Deutschen Meisterschaft, die einmal im Jahr stattfindet. Erst im Februar traten 56 ausgewählte Experten in München zum Wettkampf an. Dort mussten sie ihre sensorischen Fähigkeiten, ihr Bierwissen sowie ihre Präsentationskünste unter Beweis stellen. Ausgerichtet wurde der Wettbewerb von der Doemens-Akademie, unterstützt vom Deutschen und Bayerischen Brauerbund. Sieger und somit neuer deutscher Meister ist Frank Lucas von der Rügener Inselbrauerei.

Da die Ausbildung zum Biersommelier mittlerweile auch in Ländern wie Italien, der Schweiz, Brasilien und den USA angeboten wird, gibt es seit rund acht Jahren auch eine Weltmeisterschaft. Frank Lucas und 19 weitere deutsche Biersommeliers konnten sich für diesen internationalen Wettbewerb qualifizieren, der im Vorfeld der diesjährigen drinktec stattfindet. Eine hochkarätige Jury entscheidet, wer sich mit seinem Wissen über Braukultur und Biergenuss zum Titel durchsetzt.

Was Biersommeliers wirklich draufhaben, können Gäste auf der drinktec im place2beer erfahren. Man kann dort in Halle B1 spannenden Vorträgen lauschen oder sich bei Live-Verkostungen kostenfrei durch internationale Bierstile probieren. Wer Glück hat, trifft sogar den neuamtierenden Weltmeister.

> Zum Rahmenprogramm der drinktec

 

Mareike Hasenbeck

Mareike Hasenbeck

Mareike Hasenbeck ist freie Journalistin, Craft-Bier-Bloggerin von Feiner Hopfen sowie Biersommelière und international DLG geprüfte Sachverständige für Bier-Sensorik.