Abwechslung mit Dunkelbier

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Dunkel- und Schwarzbiere haben eine große Fan-Gemeinde. Besonders im Osten und Süden Deutschlands sind diese Spezialitäten gefragt. 

Waren vor dem Siegeszug der hellen Biere ursprünglich fast alle Biere dunkel, sind Schwarz- und Dunkelbiere heute regionale Spezialitäten. Auch wenn sie nicht zu den Sortengewinnern zählen und unter zwei Prozent Marktanteil am Gesamtbiermarkt stellen: Ihr Spezialitätencharakter macht Schwarz- und Dunkelbiere weiterhin interessant, um Abwechslung auf die Getränkekarte zu bringen. Die oft nur saisonal verfügbaren Schwarz- und Dunkelbiere können als besonderer, nicht alltäglicher Genuss für Zusatzimpulse in Handel und Gastronomie sorgen.

Individualisierung des Biermarktes

„Dunkel- und Schwarzbiere verstehen wir als Sortimentsabrundung, um dem Trend zu einer immer stärkeren Individualisierung des Biermarktes entgegenzukommen“, sagt Birte Kleppien, Sprecherin der Radeberger Gruppe. „Daher fokussieren wir die Marketingaktivitäten auch auf die jeweilige Dachmarke“, so Kleppien.

Jüngstes Beispiel sei der neue Altenmünster-Markenkasten in Holzoptik, den die Brauerei in Anlehnung an sein historisches Vorbild jetzt erstmals auch für Altenmünster Winterbier einsetzt. Ganzjährig und national bietet die Radeberger Gruppe Schöfferhofer Dunkles Hefeweizen. Hinzu kommen traditionsreiche, regional verankerte Spezialitäten: In Franken braut die Tucher Traditionsbrauerei Tucher Urfränkisch Dunkel.

Dunkelbier besticht besonders mit seinen Malz- und Röstaromen. Heute bestehen dunkle Biere fast ausschließlich aus hellen Grundmalzen, die mit dunkel gerösteten Farbmalzen wie Karamell- oder Röstmalzen ergänzt werden.

„Dunkel- und Schwarzbiere verstehen wir als Sortimentsabrundung, um dem Trend zu einer immer stärkeren Individualisierung des Biermarktes entgegenzukommen“, sagt Birte Kleppien, Sprecherin der Radeberger Gruppe.
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Das Allgäuer Brauhaus bietet das Allgäuer Büble Urbayrisch Dunkel in der traditionellen Bügelflasche an. Zudem gehören das Ur-Krostitzer Schwarze und Freiberger Schwarzbier aus Sachsen, Märkischer Landmann aus Berlin sowie die Fassbierspezialität Rostocker Dunkel aus dem hohen Norden zum Sortiment der Radeberger Gruppe.

Tatsache ist: Der Trend zu Bierspezialitäten ist ungebrochen und auch das Thema Regionalität liegt weiterhin hoch im Kurs. Auch Regionen, die bislang nicht traditionell für dunkle Biere bekannt waren, finden über eine – durch die Craft-Brauer initiierte – neue Bierkultur zu dunklen Bieren.

Verbraucher fragen nach außergewöhnlicheren Bieren. Dennoch ist der Markt für Dunkel- und Schwarzbiere in den letzten Jahren rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Absätze im gesamten Segment weiter gesunken (Quelle: Nielsen, LEH+GAM). Marktforschungen zeigen aber auch, dass Dunkel- und Schwarzbiere im Osten und im Süden Deutschlands überdurchschnittlich gefragt sind. Hier erreicht das Segment je Bundesland die höchsten Anteile am Gesamtmarkt.

Seit 25 Jahren die Nummer 1

Mit großem Abstand die Nummer 1 beim Schwarzbier ist Köstritzer Schwarzbier – und das bereits seit über 25 Jahren. Der Marktanteil liegt aktuell bei knapp 30 Prozent (Quelle: Nielsen, LEH+GAM). Die Marke hat sich innerhalb des Segmentes stabil entwickelt und ist in Ost und West gleichermaßen beliebt. Wer an Schwarzbier denkt, hat Köstritzer vor Augen.

Exportiert wird das Bier weiterhin weltweit, unter anderem nach China, in die USA und Italien, aber auch in Länder wie Japan und Malaysia. „Wir glauben daran, dass das Marktpotenzial noch nicht ausgeschöpft ist und auch wieder Wachstumschancen vorhanden sind“, sagt Stefan Didt, Geschäftsführer der Köstritzer Schwarzbierbrauerei. Aufgrund der immens steigenden Angebotsvielfalt werde es daher immer wichtiger, neue differenzierte Produkte zu entwickeln.

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„Wir beobachten genau die Wünsche der Verbraucher und haben erst zu Jahresbeginn die beiden neuen Spezialitäten Köstritzer Kirsche auf Schwarzbierbasis und Köstritzer Kellerbier Limette auf Kellerbierbasis auf den Markt gebracht. Mit den Neuprodukten wollen wir neue Zielgruppen ansprechen und den Spezialitätenmarkt erweitern“, erklärt Didt.

Fester Bestandteil im Sortiment

Für eine Spezialitätenmarke wie Mönchshof von der Kulmbacher Brauerei ist Schwarzbier laut Unternehmenssprecherin Natalia Balacka zwingend ein fester Bestandteil des Sortiments. Es sei das Milde unter den Schwarzbieren und tiefdunkel in der Farbe. „Unser Schwarzbier wird nicht filtriert. Dennoch ist es Dank des besonderen Brauverfahrens klar in der Farbe“, sagt Balacka. „Obwohl das Segment der Schwarzbiere in Deutschland rückläufig ist, greifen in den letzten Jahren immer mehr Liebhaber zu unserem Schwarzbier in der traditionellen Bügelverschlussflasche“, so die Sprecherin. Doch auch in Kulmbach sieht man für das Segment der Schwarz- und Dunkelbiere zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Anzeichen zu einer generellen Renaissance. Vom Trend der Verbraucher hin zu authentischen regionalen Bierspezialitäten profitierten heute eher andere Sorten, heißt es.

Auch im hohen Norden ist Schwarzbier beliebt: Die Störtebeker Braumanufaktur meldet für die letzten Jahren zweistelliges Wachstum bei ihren dunklen Sorten „Schwarz-Bier“ oder „Hanse-Porter“. Mit den dunklen Bieren sieht die Brauerei nach eigenen Angaben Wachstumschancen außerhalb ihres Kernmarktes in ganz Deutschland.

Weiteres Wachstum für Dunkelbier erwartet

Die Nummer 1 beim Dunkelbier ist nach Unternehmensangaben König Ludwig Dunkel von der Schlossbrauerei Kaltenberg. „Nach wie vor wird es auf Schloss Kaltenberg im traditionellen Brauverfahren in der Kupfersudpfanne hergestellt und ist inzwischen bundesweit Marktführer in seinem Segment und – worauf wir besonders stolz sind – ausgezeichnet als Deutschlands Dunkelbier Nummer 1“, erklärt Oliver Lentz, Geschäftsführer der Schlossbrauerei Kaltenberg. „Mit der Entwicklung des König Ludwig Dunkel über die Jahre sind wir sehr zufrieden und konnten auch 2019 weitere Marktanteile hinzugewinnen. Wir sind daher überzeugt, dass wir auch in Zukunft noch mehr Verbraucher von unserem wahrhaft königlich-bayerischen Produkt überzeugen können“, so Lentz.

Insgesamt kauften die Verbraucher in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 rund 2,9 Mrd. Liter Bier und Biermixgetränke und damit gut ein Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Pils ist zwar weiterhin der Kassenschlager, wurde im Vergleich zu 2018 aber um drei Prozent weniger verkauft.

Wer sich von dem besonderen Charakter dunkler Bierspezialitäten überzeugen möchte, sollte im Rahmen der drinktec 2021 zu dem beliebten Brauer-Treffpunkt kommen. Auf einer großen Ausstellungsfläche können dort an allen Messetagen kostenfrei wechselnde Biere aus aller Welt probiert werden, darunter auch zahlreiche dunkle Biere. Die drinktec findet vom 13. bis 17. September 2021 auf dem Messegelände in München statt.

Dirk Omlor

Dirk Omlor

Dirk Omlor war rund zwei Jahrzehnte Redakteur bei renommierten Getränke-Fachverlagen. Im Juli 2018 gründete der Dipl.-Ing. für Brauwesen zusammen mit seiner langjährigen Kollegin Barbara Rademacher ein Text- und Beratungsbüro mit dem zentralen Projekt getraenke-news.de.