Heißt die Zukunft Biokunststoffe?

Immer häufiger ist heute die Rede von Biokunststoffen. Doch was genau versteht man eigentlich unter diesem Begriff? Inwieweit ist der Verbraucher über den Einsatz von Biokunststoffen bereits informiert? Und welche Biokunststoff-Optionen bestehen schon jetzt für die Getränkeverpackungsbranche?

Generell: Die Bezeichnung Biokunststoffe ist nicht gesetzlich geschützt und eine einheitliche Definition gibt es nicht. In der Regel werden Werkstoffe als Biokunststoffe bezeichnet, wenn sie zu einem wesentlichen Anteil oder ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Außerdem ist zwischen biobasiert und bioabbaubar zu unterscheiden. So stammen biobasierte Kunststoffe immer aus pflanzlichen oder tierischen Quellen und nicht etwa aus endlichen Rohstoffquellen wie Erdöl. Bioabbaubare Kunststoffe müssen jedoch nicht unbedingt aus nachwachsenden Ressourcen kommen. Folglich können Biokunststoffe biobasiert oder bioabbaubar oder auch beides sein

Laut Marktforschungsinstitut Ceresana vereinen Biokunststoffe heute erst einen Prozent der rund 300 Millionen Tonnen Kunststoff, die jedes Jahr produziert werden, auf sich. Jedoch mit stark steigender Tendenz. European Bioplastics prognostiziert in nächster Zeit Wachstumsraten zwischen 20 und 100 Prozent jährlich.

Biokunststoffe: Rohstoffe aus Abfall

Geforscht wird in alle möglichen Richtungen. Vielfach geht es darum, Rohstoffe aus Abfallstoffen zu gewinnen. Hier wird die Verwertung von Unterschiedlichstem angedacht: Von Maisstärke, Holzchips und Grasschnitt über Stroh, Algenabfälle und Molke bis hin zu Kartoffelpulpe, Orangenschalen oder Chicorèe-Abfälle – all das steht auf der Agenda. Ziel dabei: möglichst erst gar nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung zu treten.

Der Verbraucher weiß zu wenig über Biokunststoffe

Während die Industrie sich nahezu unermüdlich mit Biokunststoffen beschäftigt, scheint der Verbraucher in diesem Bereich noch eher unbedarft. Das verdeutlicht eine Umfrage der Hochschule Hannover. 36,3 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal von Biokunststoffen gehört zu haben. 56,7 Prozent konnten mit dem Begriff nichts anfangen. Nur 7 Prozent glaubten sicher zu wissen, um was es sich genau handelt. Von ihnen waren jedoch etwa zwei Drittel der Meinung, alle Biokunststoffe seien bioabbaubar. Was deutlich zeigt: Erklärung tut Not.

PEF: Chicorée-Wurzelrüben finden ihre Bestimmung

Vor allem, weil es bereits durchaus erfolgreiche Projekte gibt, bei denen verstärkte Kommunikation sicherlich gut ankäme. Äußerst interessant: Die Verwendung von Chicorée-Wurzelrüben als Basis von PEF (Polyethylenfuranoat)-Flaschen. Bislang wird dieser Rohstoff – und davon gibt es in Europa jährlich ca. 800.000 Tonnen – auf einer Kompostieranlage oder in der Biogasanlage entsorgt. In einem früheren Forschungsprojekt gelang es Prof. Dr. Andrea Kruse von der Universität Hohenheim bereits, die für PEF-Herstellung wesentliche Basis-Chemikalie HMF (Hydroxymethylfurfural) aus Fruchtzucker zu gewinnen. Doch, so Kruse: „Fructose ist essbar. Es gibt bessere Verwendungszwecke als HMF daraus zu gewinnen. Anders bei der Chicorée-Wurzelrübe. Sie war bislang nur ein Abfallprodukt. Außerdem können PEF-Verpackungen aus Chicorée-HMF beispielsweise dünner gezogen werden als die aus Erdöl-PET. Das spart Transportkosten und verbessert die Umweltbilanz.“ Geeignet soll das Material sowohl für kohlensäurehaltige als auch für stille Getränke sein. Wesentlicher weiterer Pluspunkt: PEF bietet eine erhöhte Dichtigkeit gegen Gase wie Kohlendioxid und Sauerstoff. Die abgefüllten Getränke sind damit besonders lange haltbar.

Eine Zukunft für PEF sehen auch BASF und Avantium. Sie gründeten kürzlich das neue Gemeinschaftsunternehmen Synvina, dessen Ziel unter anderem die Herstellung und Vermarktung von PEF ist. Eine weitere Zusammenarbeit mit The Coca-Cola Company, Danone und Alpla zur Entwicklung von PEF-Flaschen soll stattfinden.

Vielfältige Ideen in punkto Verpackung

Ein ebenfalls interessantes Konzept ist das des österreichischen Unternehmens Naku, das eine Flasche aus PLA (Polylactide) auf den Markt bringt. „Das neuartige Material wird zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen produziert und besteht aus Milchsäure“, so Johann Zimmermann, Geschäftsführer und Gründer des Unternehmens. Die Flasche soll laut Unternehmensangaben 10-fach billiger und 20-mal leichter sein als Glas und unter anderem als Verpackung für frische Fruchtsäfte, Smoothies und Milchprodukte sehr geeignet sein.

Doch es ist nicht nur die Flasche als „Biogebinde“ in der AfG-Branche angedacht. Beispielsweise präsentierte der Berliner Hersteller von Obst- und Gemüsesäften Erdbär für seine Kindermarke „Freche Freunde“ neue Trinkbeutel, die zu mehr als 80 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Das verwendete Verbundmaterial der Quetschbeutel ist angeblich aus PET, zuckerrohrbasiertem grünem PE und barrierefähigem PET HB. Die Verschlusskappe und das Mundstück sind aus grünem PE.

Informiert bleiben und nachhaltige Möglichkeiten nutzen

Branchenexperten sind davon überzeugt, dass vieles, was heute vielleicht noch gar nicht denkbar ist, mit Biokunststoffen möglich gemacht wird. Das gilt auch für die Verpackung von alkoholfreien Getränken. Hier heißt es, informiert zu bleiben und gezielte Verbraucherinformation keinesfalls zu vernachlässigen. Denn schließlich ist gerade das nachhaltige Agieren bei der Verpackung immer auch Werbeargument und Wettbewerbsvorteil zugleich.

Während der drinktec lässt sich über Biokunststoffe aus unterschiedlichsten Blickwinkeln heraus diskutieren und unter anderem auch klären, inwieweit die einfache Verarbeitung von Gebinden aus Biokunststoff auf bestehenden und neuen Anlagen gegeben ist. Beispielsweise eignet sich die Innovation Flow Lounge hervorragend für derartige Gespräche. Während der Fachkonferenz PETnology Europe sowie im Ausstellungsbereich PETpoint stehen PET-Innovationen und -Entwicklungen im Fokus. Auch hier werden interessante Diskussionen über nachhaltige PET-Lösungen stattfinden.

Die Innovation Flow Lounge wird unterstützt von:

  • Döhler
  • FoodBev Media
  • KHS
  • Sahm GmbH
Friederike Arndt

Friederike Arndt

As a freelance trade journalist, Friederike Arndt is regarded as an expert in the area of beverages. She spent a long time writing for, inter alia, the trade magazines Getränkeindustrie (beverage industry) and Getränkefachgroßhandel (beverage wholesale trade). On the blog, she reports on the latest trends and innovations in the field of non-alcoholic beverages.

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