Vollmundiger Kaffeegenuss: Reisen durch die Kaffeewelt

Kaffeegenuss als täglicher Begleiter
© MyCoffeebag

Kaffeegenuss zum Wachwerden: Nach dem Aufwachen erst einmal eine Tasse des Heißgetränks trinken – ein Morgenritual, das weltweit praktiziert wird. Auch zum Nachmittag gilt das schwarze Gold weitverbreitet als ein Muss. Häufig wird es zudem als ultimativer Energiekick für Zwischendurch gesehen. Kaffee ist allerdings nicht gleich Kaffee: Zahlreiche innovative Ideen bahnen sich zurzeit ihren Weg und werden vor allem von der jüngeren Konsumentengeneration gerne und in immer stärkerem Ausmaß angenommen.

Kaffee eroberte im 17. Jahrhundert von Afrika und dem Orient aus Europa. Vor allem in Wien entwickelte sich eine regelrechte Kaffeehaus-Kultur. In Deutschland entstand um 1673 das Erste in Bremen und seit Mitte des 19. Jahrhunderts gilt der Koffeindrink hier als Volksgetränk. Laut Deutschem Kaffeeverband befinden wir uns derzeit in der „Third Wave of Coffee“, die durch ein neues Bewusstsein für Kaffeegenuss geprägt ist. Themenbereiche wie Anbau, Sorten, Bohnenqualität, Röstung, Verarbeitung, aber auch in immer stärkerem Maße Nachhaltigkeit, Gesundheit und die Art der Zubereitung stehen dabei im Fokus.

Europäische Union führt beim Konsum

Gemäß der ICO (International Coffee Organisation) hielt Brasilien 2017/2018 mit 32,4 Prozent den größten prozentualen Anteil an der globalen Rohkaffeeproduktion. Gefolgt von Vietnam (17,9 Prozent), Kolumbien (8,8 Prozent), Indonesien (6,8 Prozent) und Honduras (5,3 Prozent). Die weltweite Produktion beziffert die ICO für 2018 mit ca. 168.000.000 Sechzig-Kilo-Säcken. Den größten Kaffeekonsum verzeichnen nach der europäischen Union zurzeit die USA, Brasilien und Japan. Täglich werden weltweit mehr als zwei Milliarden Tassen getrunken. Das entspricht einem Umsatz von rund 200 Milliarden Dollar pro Jahr.

Einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen zufolge gaben allein die Deutschen von Anfang Dezember 2017 bis Anfang Dezember 2018 fast vier Milliarden Euro, also etwa 50 Euro pro Kopf, für das beliebte Heißgetränk aus. Der Tchibo-Kaffeereport spricht davon, dass der tägliche Pro-Kopf-Konsum in Deutschland bei 3,4 Tassen liegt, wobei die 18- bis 39-Jährigen nur 2,7 Tassen pro Tag konsumieren während 40- bis 75-Jährige bei einem Verbrauch von 3,7 Tassen täglich liegen.

Kaffeegenuss für zwischendurch: RTD-Drinks immer beliebter

Global gesehen stoßen vor allem bei einer jüngeren Zielgruppe Ready-to-drink-Kaffeegetränke (RTD) auf ein immer stärkeres Interesse. Laut Mintel befindet sich auch kalter Kaffeegenuss immer deutlicher auf dem Vormarsch. So berichtet das Marktforschungsunternehmen davon, dass mittlerweile fast jedes fünfte weltweit neu eingeführte RTD-Kaffeegetränk ein Kaltgetränk ist. Vor allem in den USA boomen die Kaltgetränke. Jonny Forsyth, Global Food & Drink Analyst, Mintel: „Cold Brew verhilft dazu, diese Kategorie nicht nur zu stärken, sondern auch weiter in Richtung Premium zu rücken.“

Unter Cold Brew versteht man, dass Geschmacks- und Aromastoffe nicht mit heißem, sondern mit kaltem Wasser aus den gemahlenen dunklen Bohnen gelöst werden. Hierfür wird das grob gemahlene Pulver in ein Gefäß mit Wasser gegeben, gut durchgerührt und nach einer längeren Ruhephase von bis zu 24 Stunden gefiltert. Das hat den Vorteil, dass im Vergleich zu dem klassischen Brühvorgang weniger unerwünschte Bestandteile wie Bitterstoffe und Säuren aus dem Koffeingetränk gelöst werden. Versetzt man diesen mit kaltem Wasser gebrauten Kaffee mit Stickstoff, entsteht der sogenannte Nitro Coffee.

Cold Brew – mehr als nur kalter Kaffee

Dass Cold Brew auch in der Lage dazu ist, Grenzen zwischen Kaffeesegment und weiteren Getränkesegmenten – und das in unterschiedlichen Verpackungsvarianten – zu sprengen, beweist beispielsweise das Erfrischungsgetränk Caffezza, eine Cold Brew Coffee Lemonade in der Dose. Caffezza wurde vor kurzem als Gewinner des German Innovation Awards ausgezeichnet. Oder ffeel, das neue Cold Brew Produkt von Melitta, das als kohlensäurehaltiges Lifestylegetränk in den Varianten Calamansi Tangerine, Coconut Mango oder Grapefruit Yuzu in braunen, direkt bedruckten 330-ml-Glasflaschen zur Verfügung steht. Und auch der österreichische Fruchtsaftproduzent Pfanner setzt mit seinen Produkten Coffee & Lemon und Coffee & Orange auf ein mit Fruchtsaft kombiniertes Erlebnis.

Grenzen des klassischen Kaffeegenusses sprengt außerdem ein weiterer Trend: Der zum sogenannten „Super Coffee“. Darunter versteht man Kaffee, der mit Pflanzenextrakten und Pulvern angereichert wird. Beispielsweise mit dem Pulver aus den Wurzeln der Maca-Pflanze, welche eine hohe Menge an Kalzium, Vitamin C sowie zahlreiche weitere Vitamine enthalten. Ein besonders außergewöhnlicher angeblich das Immunsystem stärkender Trend ist der, das Koffeingetränk mit Pilzextrakten anzureichern. Pilze wie Reishi, Chaga oder Igel-Stachelbart, die mit Antioxidantien, Aminosäuren und entzündungshemmenden Eigenschaften punkten, gelangen hier zum Einsatz.

Pink is the new black: Die pinke Kaffee-Alternative

Sogar Pink darf das beliebte Getränk mittlerweile sein. Versehen mit Rote Beete Saft gilt es als Vitamin- und Mineralstofflieferant, soll die Verdauung ankurbeln und das Immunsystem stärken. Und selbst Kokosöl und Butter werden immer häufiger mit Kaffeegenuss in Verbindung gebracht. Als Bulletproof Coffee versprechen die drei Komponenten Filterkaffee, Butter und Kokosöl laut ihrem Erfinder Dave Asprey angeblich bis zu sechs Stunden geballte Energie und sind auch dazu in der Lage, das komplette Frühstück zu ersetzen. Die ungewöhnliche Kombination entwickelte Asprey, nachdem er beim Bergsteigen in Tibet seine Kraft vor allem aus Tee mit Butter bezogen hatte. Die Idee der Kombination von Fett mit Heißgetränk münzte er direkt auf den Kaffee um.

Trotzdem geht es aus europäischer Sicht noch gewöhnungsbedürftiger – und zwar mit dem Egg Coffee. Dabei handelt es sich um ein Getränk, das in Vietnam zuhause ist. Die Spezialität ist schnell zubereitet. Einfach Espresso mit Eigelb und gezuckerter Kondensmilch verfeinern – fertig ist der Egg Coffee.

Kreative Brokkoli-Idee schafft Publicity

Dass sich mit neuen Ideen nicht nur Trends setzen lassen, sondern gleichzeitig eine hohe Aufmerksamkeit generiert werden kann, verdeutlicht eine weitere Innovation: das Brokkoli-Kaffeegetränk. Das Szene-Café Commonfolk Coffee in Melbourne setzte die innovativen Kaffeegetränke Brokkoli-Espresso, Brokkoli-Cappuccino und Brokkoli-Latte kürzlich auf seine Karte. Das Rezept ist einfach: Gemüsepulver in den Kaffee mischen und gegebenenfalls oben auf den Schaum streuen. Laut Sam Keck, Besitzer des Coffeeshops, reagierten die Kunden darauf vollkommen unterschiedlich. Auf jeden Fall schaffte es der Coffeeshop mit seinen kreativen Brokkoli-Kreationen in die Schlagzeilen – und das weltweit.

Doch auch traditioneller Kaffeegenuss aus den Tagen der ersten Welle zieht

Dennoch: Es müssen nicht immer die außergewöhnlichsten Ideen sein, die Erfolg haben. Aktuell beweist das in Deutschland zum Beispiel Alexander Streck, Gründer des Startups MyCoffeebag. Er besann sich zurück und lehnte seine Idee an die erste Welle des Kaffeegenusses an. Die fand in Deutschland in den 1950er-Jahren statt und dabei ging es um die Etablierung von Filterkaffee als Volksgetränk. Streck packte die Aspekte Nachhaltigkeit, Qualität und den Trend zum Ein-Tassen-Kaffee mit in seine Filterkaffee-Idee und agiert damit äußerst erfolgreich. MyCoffeebag ist aus einem aus Vlies und Papierhenkeln bestehender Filter, im Miniaturformat hergestellt und zu hundert Prozent kompostierbar. Den portionsweise abgepackten Kaffee liefert der Hersteller mit. Innerhalb von 20 Monaten konnte das Unternehmen, das ausschließlich auf den Onlinevertrieb setzt, 40.000 Neukunden gewinnen und etwas mehr als 1,5 Millionen Tassen des Getränks verkaufen. Laut Produktentwicklerin Jennifer Shirley bedeutet dies umgerechnet auf Kaffeekapseln eine Einsparung von mehr als 25 Tonnen Kohlendioxid, die zur Herstellung der Kaffeekapseln notwendig wären.

Nachhaltigkeit und fairer Handel als weitere wesentliche Bausteine zum Erfolg

Künftig ist davon auszugehen, dass sich nicht nur weitere innovative Ideen für Kaffeegenuss etablieren werden, die insbesondere die Zielgruppe der jungen Erwachsenen ansprechen, sondern auch die Themenbereiche Nachhaltigkeit und fairer Handel deutlicher in den Fokus gelangen. Die aktuelle französische Studie „Kaffee – eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise“ belegt, dass dem Kaffeesektor angesichts des Klimawandels dramatische Entwicklungen bevorstehen. „Wenn wir auch zukünftig täglich Kaffee genießen möchten, müssen die Bedingungen für die Kaffeebäuerinnen und -bauern dringend verbessert werden“, mahnt auch Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender bei TransFair und fügt hinzu: „Damit möglichst viele Kaffeebäuerinnen und -bauern bessere Bedingungen erhalten, braucht es zudem übergreifende gesetzliche Regelungen.“

Friederike Arndt

Friederike Arndt

As a freelance trade journalist, Friederike Arndt is regarded as an expert in the area of beverages. She spent a long time writing for, inter alia, the trade magazines Getränkeindustrie (beverage industry) and Getränkefachgroßhandel (beverage wholesale trade). On the blog, she reports on the latest trends and innovations in the field of non-alcoholic beverages.

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