Alkoholfreie Getränke: Was erwartet uns im Jahr 2038?

Getränke
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Besonders überraschend sind sie nicht, die von den Marktforschungsinstituten für das Jahr 2019 prognostizierten Trends der Branche für alkoholfreie Getränke. Trotzdem lohnt es sich, sie zu verinnerlichen, denn größtenteils ist hier von Trends die Rede, die die Branche schon länger begleiten, wenn auch mit wechselnder Intensität und in immer wieder neuen Ausprägungen. Von Trends also, die die Tendenz haben, sich weiter zu verstärken und die demnach für jede Erfolgsgeschichte umso bedeutender werden können.

Die Marktforschungsagentur Mintel spricht für 2019 von drei globalen Food- und Drink-Trends: „Immergrüner Konsum“, „Durch die Zeitalter“ und „Erhöhter Komfort“.

Trends in der Branche für AFG: Nachhaltigkeit mit 360-Grad-Ansatz

„Im Jahr 2019 wird die Nachfrage nach Nachhaltigkeitsprogrammen für Unternehmen zunehmen, da die Verbraucher besser verstehen, was erforderlich ist, um einer wirklichen kreislaufartigen Lebensmittel- und Getränkewirtschaft näher zu kommen“, meint Jodie Minotto, Research Manager, Mintel Food and Drink Asia Pacific, zum Trendthema „immergrüner Konsum“. Was so viel bedeutet wie: Nachhaltigkeit wird immer noch ganzheitlicher und über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg betrachtet. Es genügt nicht, ausschließlich im eigenen Betrieb nachhaltig zu agieren. Alles, was mit dem Getränk und dessen Verpackung zu tun hat, ist hier künftig aus Verbrauchersicht relevant, um Vertrauen zu entwickeln. Ein 360-Grad-Ansatz hat idealerweise sicherzustellen, dass sämtliche Ressourcen im Auge behalten und so lange wie möglich genutzt werden.

Beispielsweise wird für viele Unternehmen im Bereich alkoholfreie Getränke das Thema Kunststoffe und biobasierte Verpackungsmaterialien weiterhin eine hohe Bedeutung einnehmen. Das wiederum setzen zahlreiche Verbraucher direkt mit dem Thema Plastikmüll im Meer gleich. Einen interessanten Ansatz hierzu verfolgt in diesem Zusammenhang SodaStream. Das Unternehmen entwickelte erst kürzlich ein Meeresfahrzeug namens „Holy Turtle“, das Kunststoff aus dem offenen Meer fischen soll. Aktiv selbst mit anpacken, so lautet hier die Devise.

Mit alkoholfreien Getränken in jedem Alter fit und gesund bleiben

Mit dem zweiten prognostizierten Trend, „Durch die Zeitalter“, zielt Mintel auf den Verbraucherwunsch, eine längere und gleichzeitig gesündere Lebenszeit zu erreichen. Der Konsum von Getränken und Nahrungsmitteln, die dieses Ziel unterstützen, gewinnt für die Konsumenten immer mehr an Bedeutung. Es geht nicht mehr darum, „nur“ gesunde alkoholfreie Getränke zu sich zu nehmen, sondern vielmehr gesunde alkoholfreie Getränke, die zu der eigenen Lebenssituation passen und die so optimal wie möglich auf jeden Einzelnen abgestimmt sind. Beispielsweise bietet SternVitamin Getränkeherstellern individuelle Mikronährstoff-Premixe, die auf Lebensphasen ausgerichtet sind. Angefangen bei Kinderwunsch und Schwangerschaft über Schule, Studium und Berufsleben bis hin zum Seniorenalter. Auch eine gezielte Mikronährstoffzusammensetzung für Veganer ist möglich.

Maßgeschneiderte Konzepte für verschiedene Konsumenten-Zielgruppen entwickelt unter anderem auch Döhler. Zum Beispiel führt das Unternehmen ein vielseitiges Portfolio an Adult Soft Drinks mit hochwertigen Ingredients wie Direktsäften, botanischen Extrakten, fermentierten Säften, exotischen Gewürzen oder auch Malzextrakten. Laut Christoph Witte, Head of Product Management B2C, Döhler, geht es darum, dem Verbraucher immer mehr rundum gesunde Produktlösungen anzubieten. So auch im Bereich Wasser. „Wasser in seiner ursprünglichen Form, veredelt mit natürlichen Essenzen oder botanischen Extrakten entspricht dem Bedarf nach gesunden Lifestyle-Getränken ohne Kalorien. Auch Wasser, das speziell mit Vitaminen angereichert wurde, bietet hier eine perfekte Lösung“, meint Witte.

Für Getränkehersteller liegt die Herausforderung sicherlich in einem stetigen Überdenken des eigenen Sortiments und einer an die spezifischen Gesundheitswünsche der Konsumenten direkt angepassten sinnvollen Erweiterung. Beispielsweise ergänzte der Saft- und Smoothie-Hersteller innocent sein Produktportfolio erst kürzlich um drei neue Pflanzendrinks in den Sorten Hafer, Mandel und Haselnuss & Reis und stieg damit auch in den wachsenden Markt der pflanzlichen Milchalternativen mit ein. Was unter anderem demonstriert, dass sich durchaus auch über bislang produzierte Getränkekategorien hinweg denken lässt.

Mutigere Geschmacksrichtungen und multisensorische kulinarische Erlebnisse für den Verbraucher

Einen ganz anderen Ansatz, der über bisherige Denkweisen hinausgeht, findet man im Bereich der Spirituosen und Cocktails. Brancheninsider prognostizieren hier für 2019 große Erfolge für gering alkoholhaltige und alkoholfreie Cocktails. Auch das trifft den globalen Trend „Durch die Zeitalter“. Die weltweit erste alkoholfreie destillierte Spirituose Seedlip, die seit 2016 im Markt ist, machte vor, wie erfolgreich ansonsten Hochprozentiges auch in alkoholfrei sein kann. Claire Smith Warner, Head of New Brands bei Seedlip: „Es besteht ein wachsender Wunsch nach Erlebniscocktails, die so komplex und durchdacht daherkommen wie Speisen. Es geht nicht darum, alkoholische Getränke ganz zu ersetzen. Es geht darum, dass Barkeeper experimentieren.“

Eine Aussage, die Innova Market Insights auch deshalb bestätigt, weil das Marktforschungsinstitut als den bedeutendsten unter den Top Ten Trends 2019 im Lebensmittel- und Getränkebereich den immer abenteuerlustiger werdenden Verbraucher sieht. „Die Verbraucher verlassen ihre Komfortzonen, um mutigere Geschmacksrichtungen und multisensorische kulinarische Erlebnisse zu erkunden. Ein Fokus liegt auf verstärkten Sinneseindrücken, oft kombiniert mit einem Element des Unerwarteten“, heißt es vonseiten des Unternehmens.

Gleichzeitig berichtet Innova Market Insights, dass Verbraucher mehr pflanzliche Optionen in ihre Ernährung mit einbringen möchten, durch den Konsumentenfokus auf Gesundheit und Nachhaltigkeit Ersatznahrung und Inhaltsstoffe an Bedeutung gewinnen, sich Kundenerwartungen zum Thema Nachhaltigkeit steigern und Zwischenmahlzeiten nicht mehr das optionale Extra, sondern ein klarer Anlass für Genuss sind. Was insgesamt gesehen eine starke Übereinstimmung zu den von Mintel getroffenen Aussagen ergibt.

Komfort in vielen Facetten

Das letztgenannte Statement entspricht denn auch dem von Mintel als dritten globalen Trend bezeichnetem „Erhöhten Komfort“. „Im Bereich Saft sehen wir beispielsweise vermehrt „Snack Drinks“, das heißt funktionale Smoothies, die auf die Inklusion von pflanzlichen Proteinen wie Samen und Getreide und anderen funktionalen Superfoods setzen. Zudem sind sogenannte Wellness Shots im Kommen“, meint dazu Mintel Analystin Julia Buech.

Erhöhter Komfort spielt indes auch im Bereich der Getränkeverpackung eine große Rolle. Beispiel für eine interessante Neuentwicklung ist hier die neue Kartonverpackung Heat & Go. Ali Kaylan, Vice President Global Marketing bei SIG: „Unsere neue aseptische Kartonpackung kann in der Mikrowelle auf bis zu 60 °C erhitzt werden. Die empfohlene Temperatur liegt bei 50 °C. Sie erlaubt es, Markenherstellern und Co-Packern innovative, hochwertige Produkte im Bereich Heißgetränke in neuen Vertriebskanälen und Kategorien auf den Markt zu bringen.“ Das erste Produkt in der Heat & Go-Verpackung stammt mit „Achimae“ Sojamilch von der südkoreanischen Seoul Dairy Cooperative. Dabei handelt es sich um ein Sojamilchgetränk, das Kichererbsenprotein enthält und als on-the-go-Frühstück gedacht ist.

Wie lautet die Prognose für Trends in der Branche für alkoholfreie Getränke in 2038?

So viel zu prognostizierten Trends für 2019. QVC gehen die jedoch nicht weit genug. In seiner neuen Studie “Living 2038“ beschäftigt sich das digitale Handelsunternehmen damit, welche Trends die Food- und Getränkebranche in 20 Jahren erwarten. Studienleiter Professor Peter Wippermann zu den Ergebnissen: „Die Ernährungsprodukte der Zukunft werden nicht nur auf das physische, sondern verstärkt auf das psychische Wohlbefinden abzielen“. So wünschen sich heute schon 70 Prozent aus der Generation Z schneller, kreativer und konzentrierter denken zu können. 53 Prozent der Teenager können sich vorstellen, künftig Nahrungsmittel oder Trainingskonzepte zu nutzen, die die Denkfähigkeit verbessern. Außerdem ist eine Mehrheit der Befragten der Meinung, dass die Ernährung künftig automatisch auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt wird. „Die Idee, dass der Schlüssel dazu unsere DNA und die zum genetischen Profil passenden Nahrungsmittel und Getränke sein könnten, nimmt bereits Fahrt auf“, so Prof. Wippermann. Beispielsweise bietet das Biotechnologie-Unternehmen 23andMe in den USA bereits Gesundheitsforschung und Diätpläne auf Basis eines Gentests an. Und auch Nestlé startete in Japan erst kürzlich ein Ernährungsprogramm, das auf DNA- und Bluttestergebnissen basiert.

Mut als Grundvoraussetzung

Alles in allem zeigen die geschilderten Trendbewegungen, dass ein Ausruhen auf bislang gewonnenen Lorbeeren künftig nicht mehr genügen kann und Verbraucher mit Innovativem, das ihre persönliche Gesundheitsplanung unterstützt, überrascht werden möchten. Um dem in vollem Umfang gerecht zu werden, ist es sicher hilfreich, sich nicht nur zu Trends in eigenen Regionen, sondern auch zu Entwicklungen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten zu informieren. Und letztlich ist das wohl Bedeutendste den Mut aufzubringen, erfolgversprechendes Neues in die Tat umzusetzen.

Friederike Arndt

Friederike Arndt

As a freelance trade journalist, Friederike Arndt is regarded as an expert in the area of beverages. She spent a long time writing for, inter alia, the trade magazines Getränkeindustrie (beverage industry) and Getränkefachgroßhandel (beverage wholesale trade). On the blog, she reports on the latest trends and innovations in the field of non-alcoholic beverages.

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