Kräuter und Gewürze zum Trinken: Kurkuma, Basilikum und Lavendel für ein besonderes Geschmackserlebnis

Kurkuma, Basilikum und Lavendel für ein besonderes Geschmackserlebnis
© JAMU GmbH

Kräuter und Gewürze sind in fast jeder Küche vorzufinden, verleihen sie doch zahlreichen Gerichten ihren unverwechselbaren und leckeren Geschmack. Außerdem werden viele von ihnen seit langer Zeit als Heilmittel in der Volksmedizin angewendet. Umso mehr verwundert es, dass sie in der alkoholfreien Getränkebranche nur selten „mit auf dem Plan“ stehen. Das könnte sich angesichts eines immer weiter wachsenden Gesundheitsbewusstseins der Verbraucher schneller ändern als gedacht.

Hersteller von Aromen und Ingredients bieten innerhalb dieses Bereichs verschiedene Optionen an. Beispielsweise bringt Sensient Flavors mit seiner „Spice Collection“ für Getränke schwarzen oder rosa Pfeffer, Sternanis, Gewürznelke und Safran mit ins Spiel. Die speziell zusammengestellte „Herbs Collection“ des Unternehmens umfasst Gartenminze, Korianderblätter, Salbei, Rosmarin, Hopfen, Oregano, Basilikum, Thymian, Zitronengras und Aloe Vera. Esarom hat unter dem Titel „Kitchengarden“ Konzepte für Limonaden entwickelt, die auf Kombinationen von Küchenkräutern mit Früchten aus dem heimischen Obstgarten sowie mit Zitronen setzen. Zu den zahlreichen Möglichkeiten, die sich hieraus zur Herstellung innovativer Getränkevarianten ergeben, zählen zum Beispiel Kirsche-Thymian, Zitrone-Salbei, Birne-Basilikum oder Johannisbeere-Koriander. Die von WILD Flavors & Specialty Ingredients (WFSI) entwickelten „Carbotanicals“ punkten ebenfalls mit beliebten Früchten, vereint mit einem Hauch an natürlichen Kräuterextrakten. Ebenso wie die genannten Unternehmen zielt auch Döhler mit einer breiten Palette an Kräuter- und Gewürzextrakten, darunter Ingwer, Kardamom, Lavendel oder Pfefferminze, auf das Segment der Erwachsenengetränke ab.

Jamu-Heilkultur in der alkoholfreien Getränkebranche

Die Getränkebranche lässt sich bei der Verwendung von Kräutern und Gewürzen häufig auch von althergebrachten Traditionen und Rezepten inspirieren. Beispielsweise von Jamu, der indonesischen Gesundheitslehre, die mit „Kräuter, Blumen und Wurzeln“ übersetzt wird und mit dem indischen Ayurveda und der Traditionellen Chinesischen Medizin vergleichbar ist. Auf Jamu basierende Rezepte aus natürlichen Pflanzenstoffen werden auf der Insel Java seit mehr als 1000 Jahren von Mutter zu Tochter weitergegeben. Kevin Singh Witzorek, ein Hamburger Unternehmer, der eigenen Angaben gemäß mit Naturmedizin, Yoga und täglich einer Messerspitze Kurkuma aufwuchs, griff die Idee von Jamu auf und entwickelte mit Jamu No. 1 bis Jamu No. 3 Wellnessgetränke, von denen jedes einen anderen Zweck erfüllen soll. Durch den Einsatz von Ingwer, Kurkuma, Aronia, Koriander und Fenchel ist No. 1 für die Stärkung von Haaren und Nägeln vorgesehen, während bei No. 2 Zutaten wie Ginseng, Ingwer, Zimt und Kurkuma für ein Mehr an Entspannung sorgen sollen. No. 3 stellt einen Energiespender dar, bei dem Ginseng, Kardamom, Guarana, schwarzer Pfeffer, Muskat und Chili für den gewünschten Effekt verantwortlich zeichnen. „Die Jamu-Vitalstoff-Komposition mit Vitaminen, Adaptogenen und Spurenelementen eröffnet eine ganz neue Liga im Sektor Beverages. Wir machen keine Kompromisse beim Geschmack. Alle Sorten haben eine leichte Kohlensäure, sind bio, vegan, laktose- und glutenfrei. Die Inhaltsstoffe stammen zu 100 Prozent aus nachhaltiger Produktion“, meint dazu Kevin Singh Witzorek.

Von der Jamu-Heilkultur lässt sich gleichermaßen die Marke Gewara leiten. Mit Gewara Curcuma Tamarind, einem Getränk das aus Kurkuma und weiteren Superfoods wie Tamarinde, Yuzusaft, Ginseng, Damiana, schwarzem Pfeffer und Maca besteht. Generell lautet das Motto der Marke „Drinks around the world“ und so wird mit Gewara Superfood Cola außerdem ein kubanisches und mit Gewara Guava Coconut ein hawaiianisches Erfolgsrezept aufgegriffen.

Kurkuma liegt im Trend

Vor allem in Kurkuma scheint auch die Naturkostsafterei Voelkel ordentlich Potenzial zu sehen. So hat sie gleich drei Getränke mit diesem Gewürz, das antioxidativ und entzündungshemmend wirken und die Gesundheit aller Organe schützen und verbessern soll, auf den Markt gebracht: Kurkumasaft aus Peru, ein 100-prozentiger Bio-Kurkumasaft, fair to go, eine Kombination aus Apfel- und Mango-Direktsaft mit Kurkuma sowie Switchel Kurkuma, ein fruchtig-scharfes Getränk mit Apfelsaft, Ahornsirup, Apfelessig und Ingwer, das in Amerika früher angeblich die Heubauern gegen die Hitze tranken.

Gewürze machen Spaß

Durch ansprechende humorvoll-individuelle Produkt-Bezeichnungen ist die Smoothie-Marke innocent unter anderem bekannt geworden. Mit ihren beiden neuen Sorten „Eins, Zwei, Chai“ und „One in a Vanillion“ führt sie diese Tradition auch bei ihren als Spice Smoothies bezeichneten Produkten fort. Erstgenannter Drink ist ein Mix aus Birne, Banane, Feige und Chai-Gewürzen. Zweitgenannter kombiniert Himbeere und Rhabarber mit Bourbonvanille aus Madagaskar.

Nicht nur Geschmack, auch Gefühl

Auf den „Gewürz- und Kräuterzug“ aufgesprungen sind mittlerweile noch weitere Getränkeunternehmen. Und trotzdem sind es in der Summe noch immer nicht wirklich viele. Beispielsweise führt Piranjasoul seit kurzem eine Kirsch-Rosmarin-Limonade im Sortiment, während Rabenhorst mit Klostergarten den Bio-Mehrfruchtsaft, der Essenzen aus Galgant, Süßholz und Veilchenblüten enthält, propagiert. Bei Friya Snacking Drinks basieren zwei von insgesamt drei Sorten auf Basilikumsamen, die für ein besonders Mundgefühl stehen, denn nach einem Einweichen in Wasser nehmen sie, ähnlich wie Chiasamen, eine geleeartige Textur an. Da mutet das Erfrischungsgetränk namens J wie Johanna von Bauer Fruchtsaft, das schwarze Johannisbeere mit Minze kombiniert, trotz seiner innovativen Komponenten vergleichsweise weniger spektakulär an.

Vielversprechende Kombination: Fermentation und natürliche Zutaten

Laut Marktforschungsunternehmen Mintel sind 55 Prozent der spanischen, 53 Prozent der polnischen und 43 Prozent der französischen Konsumenten der Meinung, dass kohlensäurehaltige alkoholfreie Erfrischungsgetränke besser für sie sind, wenn sie nur mit natürlichen Zutaten hergestellt werden. Ähnlich dürften die Konsumenten in weiteren europäischen Ländern und vielen anderen Teilen der Welt auch denken. Dem kommt der Trend zur Fermentation entgegen. Einige Getränkeentwicklungen kombinieren ihn bereits mit dem zu Kräutern und Gewürzen. Beispielsweise Living Lemonade Ginger & Curcuma von Mattisson aus den Niederlanden, die als fermentiertes Getränk Ingwer, Curcuma, Pfeffer und Probiotika enthält. Oder Kefir Zing Sparkling Blackcurrant von Watson & Pratts aus Großbritannien – ein Drink, der Kefirkulturen mit gefiltertem Wasser und fruchtigen Komponenten vereint.

Kräuter- und gewürzlastiges Alkoholfreies „im Spirituosengewand“

Zudem äußerst interessant, wieder ganz anders und trotzdem erfolgreich: Kräuter- und gewürzlastiges und gleichzeitig Alkoholfreies „im Spirituosengewand“. Alles das bietet Seedlip, die laut Lifestyle Drinks weltweit erste destillierte alkoholfreie Spirituose. Ben Branson entwickelte sie 2016 in Großbritannien in seiner Küche im Wald mithilfe einer kleinen Kupferdestille. Mittlerweile ist die Spirituose in den Sorten Seedlip Garden 108 und Seedlip Spice 94 in den Metropolen der Welt und dort unter anderem auch in 80 Michelin-Sterne-Restaurants erhältlich. Seit kurzem gibt es das Produkt in Deutschland.

Es kann auch einfacher sein als gedacht

Bei der Entwicklung von neuen, erfolgreichen alkoholfreien Getränken darf durchaus sehr quer gedacht werden. Dennoch kann das Kreieren von innovativen alkoholfreien Kräuter- und Gewürzgetränken auch wesentlich einfacher sein als vielfach gemeint. Häufig hilft dabei ein Blick über die Landesgrenzen hinaus sowie ein Einlassen auf althergebrachte und überlieferte Rezepte unterschiedlicher Kulturen. Und vielleicht genügt zunächst einmal auch einfach nur der Blick in ein Kräuter- und Gewürzbuch, um neue Ideen für die Getränkebranche entstehen und reifen zu lassen.

Friederike Arndt

Friederike Arndt

Die selbstständige Fachjournalistin Friederike Arndt gilt als Expertin für den Bereich Getränke und war unter anderem lange Zeit als Redakteurin der Fachzeitschriften Getränkeindustrie und Getränkefachgroßhandel tätig. In dem Blog berichtet sie über die neuesten Trends und Innovationen aus dem Bereich der Alkoholfreien Getränke.

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