Die gute, alte Dose: wandelbar und zeitlos

Eine Frau mit einer Dose
© Forum Getränkedose

Kein anderer Getränkebehälter hat in Deutschland eine solche Berg- und Talfahrt hinter sich wie die Dose. In den vergangenen Jahren hat sie ein erstaunliches Revival erlebt.

Im Januar 2017 feierte sie ihren 82. Geburtstag. Mut zur ersten Dose bewies 1935 die Brauerei Gottfried Krueger in Newark, New Jersey. 2.000 ausgewählte Tester durften damals Leichtbier aus einer etwa 100 Gramm schweren Weißblechdose kosten. Der Vorstoß in neue Gebinde-Gefilde wurde schließlich belohnt: 91 Prozent der Probanden beantworteten die Frage „Mögt ihr Bier in Dosen?“ mit einem klaren „Ja“. So fiel der Startschuss für eine Getränkedosen-Karriere, die rund um den Globus unterschiedliche Erfolge erfuhr.

Getränkedosen-Absatz: 2,5-Milliarden-Hürde geknackt

Mit der Einführung des Pfands auf alle Einweg-Getränkeverpackungen brach der Getränkedosen-Markt 2003 dramatisch ein – und zwar um 90 Prozent. Seit den letzten Jahren erholt sich die Dose wieder und erlebt eine regelrechte Renaissance: 2011 lag der deutsche Getränkedosen-Absatz bei mehr als einer Milliarde Stück. 2015 knackte er mit 2,08 Milliarden Einheiten die zwei Milliarden-Marke. 2016 wurde bereits der Sprung über die 2,5-Milliarden-Grenze und damit ein im Vergleich zum Vorjahr sattes Absatz-Plus von über 20 Prozent erreicht. Interessanter Fakt: Etwa 1,5 Milliarden davon waren mit Soft Drinks befüllt.

Die Dose, ein wandelbarer Zeitgenosse

Da drängt sich vor allem eine Frage auf: Was hat die Dose, das den Verbraucher wieder derart überzeugt? Fragt man die Getränkeindustrie, sieht diese einen großen Vorteil darin, dass sie licht- und sauerstoffdicht ist. So werden Qualität und Frische des Inhalts besonders lange gewährt. Aus Marketing-Sicht ist sie äußerst wandelbar in ihrer Gestaltung. Zudem verfügt sie über ein geringes Materialgewicht. 0,33 Liter Weißblechdosen wiegen heute etwa um die 20 Gramm, 0,33 Liter Aluminiumdosen gerade einmal knappe 10 Gramm. Dosenanhänger schätzen außerdem die 100-prozentige Recyclingfähigkeit. Derzeit liegt die Recyclingrate in Deutschland bei 96 Prozent. Thomas Haensch, SVP Commercial, Global Beverage bei Ball Packaging: „Aus jeder Dose kann eine neue Dose entstehen. Und da Metall unendlich oft recycelbar ist, kann das Material einer Getränkedose über Generationen hinweg beständig im Umlauf bleiben. Theoretisch wäre es also durchaus denkbar, dass der Sohn aus dem gleichen Dosenmaterial trinkt, wie es bereits sein Vater als Jugendlicher tat.“

Dose verspricht Emotion und Kreation

Für den Konsumenten mögen nicht nur die Daten und Fakten der Getränkeindustrie überzeugend sein. Beim Griff zur Dose scheint auch Emotion mit im Spiel zu sein. Vor allem junge Erwachsene sehen die Dose als ein Gebinde, das unter anderem für Coolness, Frische und Aktivität steht. Sicherlich auch ein Grund dafür, dass mehr als 60 Prozent der Energy Drinks in Europa heute in der Dose an den Konsumenten gehen. Die bereits angesprochene Vielfalt in der Dosengestaltung spricht ebenfalls für sich: Ob unterschiedliche Formate wie Sleek- oder Slim-Can, allerlei Möglichkeiten bei der Dosenwand-Gestaltung wie Digital Printing, Prägungen, matte Oberflächen oder Spezialdrucke wie QR-Codes, klassische oder wiederverschließbare Verschlüsse – die Format-Vielfalt ist groß. Aber Dosen sind nicht nur was für das Auge: Sie können auch Düfte verströmen, die mit dem abgefüllten Getränk harmonieren. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt: Schwimmende Kapseln setzen beim Öffnen die darin enthaltenen Vitamine oder Mineralien frei.

Die Alu-Flasche: Inspiration aus den 1920ern

Die Vielfalt erstreckt sich sogar auf weitere Getränkebehälter: Die Kombination von Dose und Flasche beispielsweise. So entwickelte die Ardagh Group spezielle 25-cl-Formflaschen aus Aluminium für die „Taste the Feeling“-Kampagne von Coca-Cola Europe. Selbst die ungewöhnliche Paarung von Bio und Alutrinkflasche scheint aufzugehen. Das zeigt die österreichische Biolimonade Skiwater, die kürzlich in der Alumi-Tek-Flasche von Ball präsentiert wurde. Jitse Rupp, Gründer von Skiwater: „Inspiriert haben uns die klaren Linien der Alutrinkflaschen, wie sie Wanderer in den 1920er Jahren verwendet haben. Die Flasche passt hervorragend zu uns und unseren Kunden, die ebenso aktiv wie umweltbewusst sind.“

Dose: Eine Chance als Premium-Gebinde?

Es ist davon auszugehen, dass der Absatz von Dosen und Aluminiumflaschen in Deutschland und Europa weiter wachsen wird. Diesem Trend entziehen möchte sich die „Mehrweg ist Klimaschutz“-Allianz. Letztlich wird sich zeigen, welches Qualitätsempfinden der Konsument diesen Gebinden künftig entgegenbringen wird. In Asien, Afrika, aber auch in Osteuropa erfüllt die Dose beispielsweise schon lange den Premium-Anspruch des Getränks. Vielleicht hält dieser Trend auch bald Einzug in deutschen und westeuropäischen Gefilden – angeregt von individueller und aufwändiger Gebinde-Gestaltung.

Während der drinktec standen Abfüll- und Verpackungslösungen für Dosen und Aluminiumflaschen ebenso im Fokus wie für Glas- und PET-Flaschen. Dabei wurde ein starker Fokus auf die Individualisierung dieser Gebinde-Varianten gelegt, denn je marken- und zielgruppengerechter sie sich darstellen, umso größer sind in der Regel ihre Erfolgschancen. In diesem Zusammenhang erhielten Konzepte wie beispielsweise die digitale Bedruckung große Aufmerksamkeit.

Friederike Arndt

Friederike Arndt

Die selbstständige Fachjournalistin Friederike Arndt gilt als Expertin für den Bereich Getränke und war unter anderem lange Zeit als Redakteurin der Fachzeitschriften Getränkeindustrie und Getränkefachgroßhandel tätig. In dem Blog berichtet sie über die neuesten Trends und Innovationen aus dem Bereich der Alkoholfreien Getränke.