Weinlogistik heute: Organisation und Timing sind verlangt

Weinlogistik heute: Organisation und Timing sind verlangt
© Howasped

Weinlogistik zählt heute in der Branche wie auch in vielen anderen Wirtschaftsbereichen zu den zentralen Themen. Sie ist Kostenfaktor und betriebswirtschaftliche Herausforderung zugleich und erfordert auf allen Ebenen eine ausgeklügelte Organisation, den Einsatz von modernster Technik, Fuhrparklösungen und komplexen IT-Systemen.

Transporte sind notwendig, da Wein längst nicht mehr nur dort konsumiert wird, wo die Grundweine erzeugt werden und Wein heute in aller Regel an anderen Orten abgefüllt wird als er in Verkehr kommt. Der Hauptkonsum findet in den großen Ballungsräumen und Städten statt und dorthin muss der Wein erstmal gelangen.

Advertisement

Weinlogistik und -transporte: Von der Rohware zum fertigen Produkt

Seit Jahren wächst weltweit der Anteil gehandelter Weine dank der Liberalisierung des Welthandels, sowie dem Abbau von Zollschranken und Handelsbarrieren. Mittlerweile summiert sich das als Bulk- oder Fasswein über Ländergrenzen hinweg exportierte Volumen auf über 100 Millionen Hektoliter. Damit liegt das Volumen bei mehr als einem Drittel der Weltweinproduktion von rund 250 Millionen Hektolitern.

Weinlogistik und -transporte finden von der Rohware bis zum fertigen Produkt auf drei Ebenen statt:

  1. die Anlieferung von Fass- oder Bulkweinen per Tanklastzug oder mit Containern und Flexitanks an die Kellerei
  2. die innerbetriebliche Logistik und Lagerhaltung
  3. die Speditions- und Auslieferungslogistik der fertig abgefüllten und verpackten Weine

Flexitanks setzen sich weltweit durch

Während innerhalb der europäischen Weinbauregionen die gewonnenen Moste und Jungweine per Tanklastzug in die verarbeitenden Kellereien transportiert werden, haben sich im internationalen Handel die sogenannten Flexitanks durchgesetzt. Insbesondere bei Weinen, die per Schiffscontainer aus Übersee nach Europa in die großen Abfüllkellereien transportiert werden, sind heute Flexitanks unverzichtbar.

Die Systeme sind zweilagig und bestehen aus flüssigkeitsdichten Stahlcontainer sowie einer speziell hergestellten Gewebefolie, in die die zur Verladung vorgesehenen Weine abgefüllt werden. Es gibt sie als 20- und 40-Fuß-Container mit rund 20.000 bis 50.000 Liter Fassungsvermögen. So lassen sich Weine problemlos von den Produktionskellereien in Chile, Argentinien, Australien oder Südafrika per Seecontainer nach Europa verschiffen. Per Sattelschlepper gelangen die Container dann von den Seehäfen an der Nordseeküste in die großen Abfüllkellereien in Frankreich, Deutschland oder anderen europäischen Ländern.

Günstiger, leichter und umweltfreundlicher

Der Einsatz der Flexitanks und die Verschiffung von losen Fassweinen statt abgefüllten Flaschenweinen spart enormes Gewicht und Transport-Volumen und weist eine erheblich bessere CO2-Bilanz auf. Die Kosten für den Übersee-Transport liegen bei 15 bis 18 Cent pro Liter und sind damit oft erheblich günstiger als Weine mit dem Tanklastzug vom einen Ende Europas ans andere zu transportieren. Die hohen Mautgebühren auf den Straßen und Autobahnen und die Speditionskosten schlagen hier zu Buche.

Weinkellereien, die auf die Abfüllung von Weinen spezialisiert sind, legen von Hause aus Wert auf eine rationelle innerbetriebliche Weinlogistik. Die kostengünstige Abfüllung von Wein auf Flaschen oder Getränkebehälter aller Formen und Materialien ist ihr ureigenes Metier. Bei Wein haben sich heute die Abfüllung in Glasflaschen – in der Regel in Größen von 0,75- und 1-Literflaschen sowie von Kartonverpackungen wie 1-Liter-Tetra-Pak oder 1,5- und 3,0-Liter-Folienbeutel in Kartoncontainern durchgesetzt. Organisatorische Anforderung ist die Zusammenführung von erforderlichen Materialien wie Glasflaschen, Korken, Schraubverschlüssen, Etiketten und Verpackungsmitteln wie Kartonagen und Paletten und den abzufüllenden Weinen.

Organisation, IT-gestützte Dokumentation und Kontrolle

Durch unterschiedliche Ausstattungen oder Verpackungsgrößen können aus einem einzigen Produkt mehrere unterschiedliche Fertigprodukte entstehen, was die logistischen Herausforderungen für die betriebliche Lagerhaltung des Produzenten enorm vergrößert. Die Handelsunternehmen als Gate-Keeper zum Konsumenten verlangen ihren logistischen und handelsspezifischen Anforderungen entsprechend unterschiedlichste Ausführungen. Der Faktor Zeit spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle, was für eine effiziente Verwaltung einer Vielzahl unterschiedlicher Produkte hocheffiziente Lagersysteme erforderlich macht.

Moderne vollautomatisierte Hochregallager und selbstfahrende Stapler und Flurförderfahrzeuge sind heute in vielen Kellereien State-of-the-Art. Dabei gilt es gerade im Weinbereich, die produktspezifischen Anforderungen an eine temperaturgeführte Lagerhaltung und Logistik einzuhalten. Aufgrund der Verderblichkeit der Ware gilt für alle Weinlagersysteme das First-In-First-Out-Prinzip. Eine lückenlose Bestandskontrolle sowie die permanente Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit erhöhen die logistische Komplexität.

Logistik und Distribution im Weinbereich erfordern heute ein hohes Maß an Organisation und IT-gestützter Dokumentation und Kontrolle, im Fall von Container-Transporten aus Übersee in die europäischen Kellereien genauso, wie bei der Lagerhaltung der Fertigware in den Abfüllbetrieben oder den Lieferungen im B2B-Bereich oder B2C-Bereich.

Advertisement

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz

Dr. Hermann Pilz has been in charge of the trade magazine WEINWIRTSCHAFT as chief editor for over 20 years. He loves writing about many different topics of the wine and spirits industry.

You may also like...