Unter Verschluss

Verschlüsse
© Dr. Rolf Klein

Einfach nur dicht halten das war gestern! Heute werden höhere Anforderungen an Verschlüsse für Weinflaschen gestellt. Sind wir auf dem Weg zum „intelligenten“ Verschluss?

Naturkork, Granulatkork, Drehverschluss, Kunststoff-Stopfen oder Glasverschluss – ganz zu schweigen vom Kronkorken: Der Winzer hat viele Möglichkeiten. Aber welcher Verschluss ist der beste? Schwer zu sagen! Tendenziell läuft es wohl auf das Duell zwischen Naturkork und Aluminium-Drehverschluss hinaus, obwohl es auch gute Argumente gibt für Kunststoff-Verschlüsse wie die von Marktführer Nomacorc oder den haptisch angenehmen Glasverschluss, der sich als Allzweck-Flaschenverschluss wiederverwenden lässt. Neuere, aufwändige Entwicklungen verbinden die Vorteile unterschiedlicher Verschlusstypen – beispielsweise indem auf einen Granulatkorken eine Naturkorkscheibe geleimt wird. So wird daraus ein Scheibenkorken. Die Wahl des richtigen Verschlusses kann für Produzenten und Abfüller entscheidend sein, denn es geht um die Entwicklung des Weins, die Akzeptanz beim Verbraucher aber auch um Produktionskosten und vieles mehr. Abfüll- und Verpackungstechnik, Verschließmaschinen und Verschlüsse für unterschiedlichste Anwendungen sind deshalb in diesem Jahr besonders wichtige und spannende Ausstellungsbereiche der drinktec.

Erfolg liegt auch am Verschluss

Beginnen wir mit den Herausforderungen beim Verschluss: Am bekanntesten (und am meisten gefürchtet) ist der Korkschmecker, ein Weinfehler, der durch eine Substanz namens TCA (2,4,6-Trichloranisol) verursacht wird. Wie die in den Korken hineinkommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Angeblich sollen auch Holzschutzmittel, mit denen zum Beispiel Lagerkisten behandelt werden, den TCA-Fehler hervorrufen können ‒ selbst wenn der Wein gar nicht mit Naturkorken verschlossen ist! Ein weiterer Fehler ist der unangenehme Geruch von Weinen, die allzu reduktiv, also ohne Sauerstoffeinwirkung, ausgebaut wurden. Derlei „Böckser“ kreiden Kritiker gerne den absolut luftdichten Drehverschlüssen an. Das Argument: Jeder Wein braucht ein bisschen Sauerstoff, er muss durch den Verschluss ein wenig „atmen“ können. Heute werden Weine oft unter dem Schutz von Kohlendioxid abgefüllt, sodass gar kein Sauerstoff in die Flasche gelangen kann.

Gibt es den „besten“ Korken?

Die Lösung wäre also entweder ein Naturkork, der den TCA-Fehler zuverlässig ausschließt, oder ein anderer Verschluss, der gerade so luftdurchlässig wie nötig ist. Gut aussehen muss er freilich auch und den Verbraucher ansprechen. Der ist oft noch traditionell orientiert und mag auf das „Plopp“ beim Öffnen einer Flasche nicht verzichten. Tatsächlich haben Korkhersteller wie der drinktec-Aussteller Amorim Verfahren entwickelt, mit denen Korken Stück für Stück mit einer Art Gaschromatographen gescannt und TCA-befallene Exemplare ausgesondert werden. „100 % TCA-frei“, lautet die Garantie. Preiswerter als gute Naturkorken sind die Granulatkorken. Die Variante als Scheibenkorken verhindert dabei, dass der Wein mit den Bindemitteln in Berührung kommt. Auch die Granulate können durch spezielle Verfahren absolut TCA-frei gemacht werden.

Neue Materialien – neue Möglichkeiten

Die Anbieter von Kunststoffkorken propagieren nicht nur Stopfen mit unterschiedlicher Sauerstoff-Durchlässigkeit, die sich anders als beim Naturkorken für jeden Weintyp exakt einstellen lässt – denn zum Beispiel sollen Rotweine ruhig mehr atmen als Weißweine. Sie bieten inzwischen auch umweltfreundliche Materialien an, die aus Zuckerrohr gewonnen werden. Damit entfällt das Argument, dass nach dem Öffnen Kunststoffabfall anfällt. Die Stopfen lassen sich genau wie Naturkorken mit einem klassischen Korkenzieher öffnen. Auch die Drehverschluss-Anbieter, deren Verschlüsse längst auch optisch hohen Ansprüchen genügen, können für eine gewisse Sauerstoffdurchlässigkeit sorgen (mit Hilfe entsprechender Dichtungsscheiben). Diese kommen inzwischen auch ohne den wegen seiner Weichmacher problematischen Stoff PVdC (Polyvinylidenchlorid) aus.

Die erfreuliche Nachricht: Die modernen Verschlüsse sind vielseitiger geworden und können dem jeweiligen Weintyp weiter entgegenkommen. Sie helfen dem Wein bei seiner Entwicklung. Die Wahl des Verschlusses obliegt dem Winzer, der sich freilich auch am Preis orientieren wird. Die Akzeptanz durch den Verbraucher wird neben der Ästhetik auch Aspekten wie Nachhaltigkeit und leichte Handhabbarkeit Rechnung tragen.

Weintechnologie für jeden Bedarf

2017 baut die drinktec mit der SIMEI@drinktec das Angebot für die Weinbranche deutlich aus. Erstmals findet die SIMEI, die weltweit führende Messe für Weintechnologie, als integraler Bestandteil der drinktec statt. Zwei Messehallen mit über 20.000 Quadratmeter Fläche richten sich exklusiv an die Weinindustrie. Große Weingüter, die hauptsächlich vom Export leben, werden auf der SIMEI@drinktec ebenso fündig wie kleine Winzer. Das spiegelt sich auch im Rahmenprogramm der Messe wider. Die SIMEI Knowledge & Innovation Area bietet eine Vielzahl von Seminaren und Workshops mit Themen von Technik bis Ökologie. Die SIMEI Innovation Challenge „Lucio Mastroberardino“ prämiert Innovationen und technologische Kreativität innerhalb der Branche und die SIMEI Sensory Bar lädt zum Verkosten ein.

Dr. Rolf Klein

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