Nachhaltige Verpackungen: Klasse statt Masse

Ausgangsmaterial für nachhaltige Verpackungen
© mtm plastics GmbH

Es liegt nur wenige Wochen zurück, ist aber in unserer schnelllebigen Zeit fast schon wieder vergessen: das Weltwirtschaftsforum in Davos. Was hatten Trump oder Merkel noch genau gesagt?  Bei den meisten von uns, den Verfasser dieses Beitrags eingerechnet, hilft da wohl nur eines: googeln und noch einmal lesen. Trotzdem: Ein paar Dinge, die in Davos oder im Umfeld des Gipfeltreffens abliefen, sind es durchaus wert, dass man sie in Erinnerung behält – darunter auch interessante Erklärungen zum Thema nachhaltige Verpackungen.

Gemeinsames Ziel: Mehr nachhaltige Verpackungen

Wo die Großen der Politik und die Staatslenker sich treffen, da sind die Big Player der Konsumgüter- und Nahrungsmittelindustrie nie weit entfernt. Bei einem weltweit so bedeutenden Forum, das die großen Perspektiven für die Welt aufzeigen will, präsentieren traditionell auch multinationale Konzerne wie Nestlé, Danone oder Coca Cola ihre Visionen – von der Weiterentwicklung ihres Geschäfts bis hin zur Art wie sie es künftig zu machen gedenken. Im Zeitalter der Nachhaltigkeit durfte der Bereich nachhaltige Verpackungen natürlich nicht fehlen. Und so wurden mit angemessen großer Geste Kunststoff-Einsparziele verkündet. Sage und schreibe 40 international aufgestellte Konzerne haben zugesagt, die Verwendung von Kunststoffen deutlich einzuschränken.

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In einer gemeinsamen Erklärung sprechen die Multis von einem Potenzial von 20 Prozent aller Plastikpackungen, die direkt wiederverwertet werden können, weitere 50 Prozent seien recycelbar. Hier scheinen Umwelt und Ökonomie endlich Hand in Hand zu gehen, denn die verpackende Industrie legt bei jeder Einmalverpackung bares Geld oben drauf. Laut der Ellen-MacArthur-Stiftung werden aktuell 95 Prozent der Kunststoffverpackungen nur einmal verwendet, wodurch den verpackenden Unternehmen 95 Prozent des Materialwerts von 80 bis 120 Milliarden Dollar pro Jahr verloren gehen.

Und da zogen die zitierten Unternehmen in Davos ihre Asse aus dem Ärmel. Unilever z.B. will bis 2025 nur noch voll recyclingfähige Kunststoffe einsetzen. Danone wies auf seine Strategien hin, wie sich bei den weltweit von dem Konzern verwendeten 625.000 Tonnen Kunststoffverpackungen signifikante Einsparungen erreichen lassen.

Recyclingfähige Verpackung

Etwas bescheidener geht es im deutschen Handel zu, der mit seiner Einkaufspolitik aber die Verwendung von Kunststoffverpackungen maßgeblich bestimmt. Aldi, Lidl, Rewe und Edeka fuhren nicht nach Davos, um dort zu prahlen. Die deutschen Händler scheinen ihre Hausaufgaben dafür möglicherweise etwas ernster zu nehmen. Bis 2030 will z.B. Aldi nur noch recyclingfähige Kunststoffverpackungen listen. Bei Lidl und den anderen etablierten Ketten wird dies ganz ähnlich gesehen. Dies wird in der Folge große Herausforderungen für alle Getränke- und Lebensmittelhersteller mit sich bringen. Denn die Strategie für den Einsatz von Kunststoffen muss völlig neu überdacht werden. Bisher stand die Gewichtsreduzierung bei Kunststoffverpackungen, auch durch die Lizenzstruktur des Grünen Punkts so vorgegeben, im absoluten Vordergrund. In Zukunft wird die Eignung der Verpackung für direkte Wiederverwertung oder ein anschließendes Re- (Nicht mehr: Down-) Cycling in den Fokus treten. Die Materialminimierung wurde gerade in der Milch- und Käsereiindustrie, aber speziell auch im Bereich für kohlensäurehaltige Getränke in der Vergangenheit so weit ausgereizt, dass grundlegende Verbesserungen inzwischen fast nicht mehr möglich scheinen. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Industrie alsbald möglicherweise wieder dickere, dafür aber besser verwertbare Folien einsetzen wird. Verbundfolien dürften es trotz ihrer überlegenen Funktionalität aller Voraussicht nach demnächst schwerer haben.

Auch der deutsche Gesetzgeber hat mit dem (endlich verabschiedeten) Verpackungsgesetz die Leitplanken gesetzt. Verpackungen, die einen hohen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen haben oder einfach nur gut zu recyceln sind, sollen bei den DSD-Gebühren bevorzugt werden. Konkret sollen sie eine Quersubvention über entsprechend höhere Gebühren für nicht mehr als adäquat geltende Verpackungen erhalten.

Es wird spannend sein, die Entwicklung der Kunststoffverpackung auf den künftigen Messeveranstaltungen zu beobachten. Dass es gravierende Veränderungen geben wird und muss, sollte jedem Beteiligten klar sein.

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Roland Sossna

Roland Sossna

The trained dairy expert, agricultural engineer and freelance journalist Roland Sossna is part of the editorial staff of the trade magazine molkerei-industrie (dairy industry) and IDM International Dairy Magazine. He regularly presents outstanding innovations from the dairy industry on the blog.

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