Milch regional und nachhaltig – Marketing und Realität

Liquid Food - Regionalität
© Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen

Fragt man Verbraucher, ob sie Lebensmitteln, die nachhaltig oder ökologisch produziert wurden, den Vorzug geben, dann ist die Antwort meist „Ja“. Noch stärker ist der Trend aktuell beim eng verwandten Thema Regionalität. Ein Großteil der Käufer gibt an, regelmäßig regionale Lebensmittel kaufen und dafür auch mehr zu zahlen. Die Zahlen aus dem Handel stützen das aber nur bedingt.

Eine kürzlich präsentierte Umfrage des renommierten Marktforschungsunternehmens Mintel ergab, dass 51 Prozent der Deutschen Milch aus der Region wollen. 72 Prozent der Befragten wünschen mehr Informationen über Ursprung und Produktion. Und 68 Prozent würden Milch von Kühen, die ausschließlich Grundfutter und Getreide bekommen, zumindest ausprobieren.

Wunsch und Wirklichkeit regionaler Lebensmittel

Das klingt alles sehr nachhaltig und ökologisch – und erscheint als wunderbare Chance für die Milchwirtschaft und ihr Marketing. Vermutlich ändert sich der Bezug zu Regionalität und Nachhaltigkeit auch gerade erst jetzt – und in Zukunft immer mehr, je mehr passende Produkte erhältlich sind. Immerhin waren 22 Prozent der 2016 in Deutschland neu eingeführten Milch-Sorten schon mit Angaben zum Tierschutz versehen. In der Vergangenheit konnte sich das Marketing mit regionalen Produkten, etwa Bergbauernmilch, aber oft noch nicht recht im Markt durchsetzen.

Herausforderungen und Chancen für Produktion und Marketing

Damit es überhaupt zu einer ausreichenden Produktvielfalt im Markt kommt, müssen aber noch die Herausforderungen in der Produktion und Distribution überwunden werden. Die Hersteller von frischen Milcherzeugnissen in Deutschland sind sehr oft spezialisiert und nicht regional gleichmäßig verteilt. Schon deshalb können viele Anbieter die potenzielle Nachfrage nach regionaler Milch kaum bedienen. Außerdem muss der (meist immer noch relativ kleine) Anteil an Rohmilch, der zu regionalen Produkten verarbeitet wird, separat verarbeitet, verpackt und gekennzeichnet werden. Dies ist in der Praxis eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe für Prozess/Leittechnik und das MES (Manufacturing Execution System). Viele der Aussteller auf der drinktec können auf diese Herausforderungen in der Produktion passende Antworten geben.

Auch der Handel seinerseits ist oft noch nicht sehr gut für Regionalität aufgestellt, auch wenn fast alle Lebensmittelhändler das Thema als zentrales Marketing-Argument aufgegriffen haben: Sie erkennen zunehmend den Zusammenhang von Regionalität, Nachhaltigkeit und Ökologie und versuchen den Trend aufzugreifen, doch das Angebot ist meist noch überschaubar und außerdem abhängig davon, was unter der „Region“ verstanden wird. Denn schließlich geht es nicht darum, ganz Bayern und Baden-Württemberg mit Bergbauernmilch zu versorgen.

Trends auf der drinktec

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Umfassende Regionalität ist in einem grenzoffenen, auf große Absatzmengen getrimmten europäischen Markt nur schwer zu verwirklichen. Dennoch wird es in Zukunft immer wichtiger sein, die wichtigsten Markttrends in der Produktion und im Marketing zu adaptieren. Einen Überblick gibt der Fokus-Tag Milch auf der drinktec am 15. September und hier besonders der Vortrag „’Frei von’ und ‚Tierschutz’ – Trends in der Ernährung“ ab 10:00 Uhr. Auch die Sonderschau „New Beverage Concepts“ bietet viele neue Impulse für die Milchwirtschaft und das an allen Messetagen.

Roland Sossna

Roland Sossna

Redaktionsleiter von Molkerei-industrie und IDM International Dairy Magazine

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