Kaffee, Smoothie oder doch lieber Knochenbrühe?

Knochenbrühe
© Klassen Vertriebs GmbH

In New York, London & Co. geht man heute bereits zu einer der hippen „Broth Bars“ und ordert dort Knochenbrühe to go. In Deutschland ist der Trend, Knochenbrühe als Trinksnack zu genießen, bislang noch nicht so richtig angekommen. Doch es gibt auch hier schon erste Unternehmen, die Knochen- oder Fleischbrühe als gesundes Getränk propagieren und mit Erfolg vermarkten. Eröffnet sich hier eine Möglichkeit für die AFG-Branche, in diesen Geschäftszweig einzusteigen und neue Wege zu gehen?

„Brodo“ setzte Zeichen

Begonnen hat der Knochenbrühe-Hype als der Italiener Marco Canora selbst Schluss mit fettigen Kalorienbomben machen wollte und in seinem Shop „Brodo“ im New Yorker East Village Ende 2014 erstmals heiße Brühe aus dem Becher anbot. Innerhalb kürzester Zeit bildeten sich dort Menschenschlangen, die auf das neue „In-Getränk“ warteten. Und das, obwohl der Becher Brühe auf Basis von Bio-Rind und -Geflügelfleisch, kombiniert mit frischem Gemüse, Gewürzen, Chili-Öl, fermentierten Bohnen und Ingwer, mit etwa acht Euro zu Buche schlug.

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Knochenbrühe: Was hat es auf sich mit dem „It-Getränk“?

Doch was ist dran an diesem Getränk, das in New York als „It-Getränk“ durchgeht, dort teilweise sogar als ein Ersatz für Smoothies oder Kaffee wahrgenommen wird, und in China als eine Art Medizin gilt? Eine ganze Menge, meinen Gesundheitsexperten.

Zunächst einmal zur Knochenbrühe selbst: Sie ist ein konzentrierter Sud, der beim Kochen von Knochen, beispielsweise von Rind und Huhn, in Wasser entsteht. Die Brühe sollte – und das ist von essenzieller Bedeutung – mindestens zwei bis drei Stunden – besser noch länger – köcheln, sodass sich die gesunden Inhaltsstoffe aus den Knochen lösen können. Dann überzeugt sie mit Kollagen, einem der wesentlichsten Bestandteile von Knochen, Zähnen, Sehnen und dem Bindegewebe. „Außerdem ist Knochenbrühe reich an Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium, die für Muskeln, Knochen und unsere Nerven von Bedeutung sind und an Spurenelementen wie Silizium, das wichtig für Haut und Haare ist“, so Health Coach Nadine Hüttenrauch. Als einen besonders wesentlichen Gesundheitsnutzen der Knochenbrühe erwähnt Hüttenrauch deren positive Wirkung auf den Darm: „Die harmonisierende Wirkung von Knochenbrühe auf den Darm kann zu einer erhöhten Nährstoffversorgung, einer Stärkung der Immunabwehr und einem effektiveren Ausscheiden von Giftstoffen führen“, sagt die Gesundheitsexpertin. Alles in allem auch Gründe genug für Hollywood-Größen wie Gwyneth Paltrow, Salma Hayek und Shailene Woodley, zum „neuen Allheilmittel“, das sich mit verschiedenen Zutaten wie Gemüse und Gewürzen verfeinern lässt, zu greifen.

Schon Oma wusste Bescheid

Für Otto-Normalverbraucher ist Knochenbrühe häufig schon aufgrund von Kindheitserfahrungen positiv belegt. Viele Omas haben sie gekocht und bei Fieber und Grippe lautstark propagiert. Im Grunde genommen ein ordentlicher Vertrauensvorschuss für die Brühe und vielleicht sogar ein kräftiger Türöffner, der künftig eine breite Masse an Konsumenten flächendeckend überzeugen wird.

Lieber Knochenbrühe..

Und was tut sich zum Thema Knochenbrühe in Deutschland? Das Berliner Start-up Bone Brox griff die Idee der Knochenbrühe to go auf und schenkte das heiße Getränk während der Winterzeit 2016 in einer Eisdiele im Berliner Weinbergsweg aus. Heute vermarkten die Gründer Konrad Knops und Jin Woo-Bae die Brühen, für die sie nach eigenen Angaben ausschließlich die Knochen von Freiland-Hühnern und Weide-Rindern in Bio-Qualität verwenden, vor allem online und über den Einzelhandel. Derzeit werden mehr als 450 Bioläden in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Bone Brox beliefert. Der Sechser-Pack an 530-ml-Gläsern kostet etwa 50 Euro.

Ein weiterer deutscher Player im Bio-Knochenbrühe-Markt heißt Jarmino und stammt aus München. Das Unternehmen bietet mit „Beam“ und „Boost“ ebenfalls Bio-Rinder- und Bio-Hühner-Knochenbrühe an, die – genauso wie bei Bone Brox – sage und schreibe 18 Stunden lang eingekocht wurde. Der Preis pro 350-ml-Glas hier: fast fünf Euro.

…oder „Premium Meat Snack“?

Interessant: Auch Metzgereien scheinen den Trend zum fleischigen Getränk für sich zu entdecken. So führt Metzgermeister Peter Klassen aus Temmels im Kreis Trier-Saarburg seit Ende 2017 Hühner- und Rinder-Drinks unter dem Markennamen Pete & Phil’s im Sortiment. Im Gegensatz zu den genannten Unternehmen bietet er seine Produkte in der Flasche und nicht im Einmachglas an, was die Idee, das Ganze als Getränk wahrzunehmen, deutlich unterstützt. Auch mit der Bezeichnung und den Zutaten seines Produkts beschreitet er neue Wege. Die Vermarktung erfolgt als „Premium Meat Snack“. Hergestellt werden die Fleisch-Drinks laut Klassen aus Fleisch, frischem Gemüse und Gewürzmischungen. Klassen befüllt schon jetzt zwischen 1.500 und 2.500 0,33-l-Flaschen täglich und plant bis Mitte des Jahres eine Kapazität von 3.000 Flaschen/Tag. Für eine Bestellung von drei Flaschen berechnet er knappe 12 Euro. Das Interesse an der „Trinkmahlzeit“ bezeichnet Klassen als „sehr, sehr groß“. Auch wenn seine Fleisch-Drinks stark polarisieren: „Es gibt überhaupt nichts zwischen einem „klasse“ und einem „auf keinen Fall““, stellt der Metzgermeister immer wieder fest.

Wird es etwas mit dem Weg aus der Nische?

Ob Knochenbrühe und Fleischdrinks den Weg aus der Nische herausfinden, wird die Zukunft zeigen. Dafür spricht bei diesem neuen Segment, dass die Produkte mit zahlreichen Gesundheitsargumenten punkten. Außerdem ist die Eigenherstellung von Brühe mit viel Zeitaufwand verbunden und so scheint es nur logisch, dass Verbraucher, sofern sie sich von diesem „It-Getränk angesprochen fühlen, gerne zu Markenprodukten greifen werden, denen sie vertrauen. Auf jeden Fall dürfte die Zeit reif sein für die Getränkeindustrie, sich über dieses Produkt, das häufig schon als Smoothie-Ersatz ausgelobt wird, den einen oder anderen Gedanken zu machen.

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Friederike Arndt

Friederike Arndt

As a freelance trade journalist, Friederike Arndt is regarded as an expert in the area of beverage marketing. She spent a long time writing for the trade magazines Getränkeindustrie (beverage industry) and Getränkefachgroßhandel (beverage wholesale trade). On the blog, she reports on the latest trends and innovations in the field of beverage marketing.

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