Die Zukunft der Getränkeindustrie: Flexibilität als Wettbewerbsfaktor

Die Zukunft der Getränkeindustrie: Flexibilität als Wettbewerbsfaktor
© Universal Robots

Technik, die hocheffizient arbeitet und sich gleichzeitig auf neue Bedingungen und Kundenwünsche einfach und zügig einstellt: Das ist es, was sich die alkoholfreie Getränkeindustrie wünscht. In diesem Zusammenhang spielt Flexibilität eine immer größere Rolle und zwar eine Flexibilität, die sich idealerweise mit kompakt gestalteten und platzsparenden Maschinenkonzepten erreichen lässt. Die Zulieferindustrie bietet hierfür interessante Optionen. Unter anderem stehen auch neue Robotergenerationen immer deutlicher im Fokus.

„More in one“ – Potenziale von flexiblen Konzepten

Karl-Heinz Klumpe, Product Manager Packaging bei KHS in Kleve, bringt es auf den Punkt: „Lassen sich zwei oder mehr Einzelmaschinen zu einer kompakten Blocklösung zusammenfügen, hat dies für Anwender zahlreiche Vorteile“. Beispielsweise verbindet das Unternehmen mit seinem InnoDry Block die Produktionsschritte der Sekundärverpackung mit denen der Tertiärverpackung und praktiziert Verpackungs- und Palettierprozess in einem. Die Flexibilität von Pufferflächen und ein dynamisches Manipulationssystem zur Lagenbilderstellung machen es möglich. Kürzere Transportstrecken, reduzierter Instandhaltungsaufwand und geringere Formatumstellzeiten sprechen Unternehmensangaben zufolge für diese Blocklösung.

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Auf kompakt gestaltete flexible Verpackungstechnik gemäß dem Motto „more in one“ setzt auch Krones. Zum Beispiel mit seiner Varioline. Die Maschine bringt einzelne Behälter zunächst in Multipack-Gebinde und diese anschließend in die jeweils vorgesehenen Verkaufs- oder Umverpackungen ein. Der Baukasten besteht hier aus den drei Modulen Kartonier-, Zuführ- und Basismodul, die sich zu einer individuellen Verpackungsstraße kombinieren lassen. Das System ersetzt bis zu sechs konventionelle Einzelmaschinen mit Transporttechnik. Auch hier werden neben dem Plus der Flexibilität Vorteile wie Platzersparnis, geringerer Wartungsaufwand und weniger Bedienpersonal genannt.

Generell sieht es die Zulieferindustrie als Herausforderung, immer mehr Funktionen in eine einzige kompakte technische Lösung zu integrieren und damit so viele Arbeitsbereiche wie sinnvoll und möglich zusammenzufassen. Und das – wie die aufgeführten exemplarischen Beispiele verdeutlichen – durchaus mit Ergebnissen, die klassischen Konzepten in vielerlei Hinsicht überlegen sind.

Experimente für die Zukunft

Dabei wird ab und an auch mit Ideen gespielt, deren praktische Umsetzung erst einmal überhaupt nicht im Fokus steht. Beispielsweise experimentierte die auf Fördertechnik in Produktionsumgebungen spezialisierte CSi industries B. V. mit einer Drohne, die Kartons aufnimmt und absetzt. Auch, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten in Zukunft zur Verfügung stehen werden. Jedoch bewertete das Unternehmen selbst die Wahrscheinlichkeit, dass Drohnen die Basis der Palettierer der nächsten Generation bilden, als nicht besonders hoch. Dennoch, so die Meinung dort, helfe jede Entwicklung einer innovativen Anwendung dem Hersteller einen Schritt weiter, andere, neuere und innovativere Lösungen zu finden. Ein auf jeden Fall äußerst interessanter Denkansatz und vielleicht wandelt sich in Zukunft das eine oder andere Mal zunächst Unwahrscheinliches ja noch zu Wahrscheinlichem.

Apropos Zukunft: Die Cobots kommen

Doch bleiben wir bei derzeit Vieldiskutiertem: Robotern. Ihnen und insbesondere der neuen Robotergeneration, den sogenannten Cobots (Collaborative Robots), wird in sämtlichen Produktionsbereichen, so auch in der alkoholfreien Getränkeindustrie, eine große Zukunft vorhergesagt. Der Welt-Robotik-Report 2017 berichtet, dass sich der weltweite Bestand der Industrie-Roboter bis 2020 auf mehr als drei Millionen erhöhen wird. Allein in Asien sollen dann rund 1,9 Millionen Roboter im Einsatz sein. Zum Vergleich: 2016 lag der weltweite Bestand an Industrie-Robotern gerade einmal bei etwa 1,8 Millionen. Joe Gemma, Präsident der International Federation of Robotics (IFR) meint: „Roboter arbeiten mit höchster Präzision und werden, mit dem Internet of Things (IoT) vernetzt, eine Schlüsselrolle in neuen digitalen Fertigungsumgebungen spielen. Das rasant wachsende Modellangebot erweitert die Einsatzmöglichkeiten für Industrie-Roboter und gibt Betrieben aller Unternehmensgrößen die Chance, flexibel zu automatisieren.“

In der Tat arbeiten bereits zahlreiche Zulieferunternehmen an der Entwicklung und Perfektion von Robotern, die mit Menschen direkt zusammenarbeiten und als hilfreiche Kollegen wahrgenommen werden können. Diese mit Sensoren ausgestatteten Roboter nennt man Cobots. Beispielsweise entwickelte Universal Robots sechsgliedrige Knickarmroboter in unterschiedlichen Größen und mit differierender Tragkraft, die ohne oder nur mit minimalen Schutzvorrichtungen direkt neben den menschlichen Kollegen tätig sein können und auch für kleine und mittlere Unternehmen prädestiniert sind. Helmut Schmid, Geschäftsführer und General Manager Western Europe von Universal Robots, zu Zukunftschancen der „neuartigen Kollegen“: „Egal ob Pick and Place, Verpacken, Etikettieren oder Palettieren – in der Verpackung sowie in der Logistik sehen wir in den kommenden Jahren ein enormes Potenzial für die Leichtbaurobotik und die Mensch-Roboter-Kollaboration“. Auch Kuka geht gemeinsam mit Optoforce neue „Roboter-Wege“. Ákos Dömötör, CEO Optoforce: „Unsere sechsachsigen Tastsensoren werden mit einem umfangreichen Softwarepaket kombiniert. Während die Sensor-Hardware den Robotern Feinfühligkeit verleiht, wandelt die Software diesen Tastsinn in industrielle Applikationen um.“ Konkret geht es um Handführung, Positionserkennung und Zentrierung bei Kuka-Robotern mit Nutzlasten bis 16 Kilogramm.

Smart Factory und Predictive Maintenance in der Getränkeindustrie

Immer noch intelligentere Lösungen führen hin zu einem weiteren Zukunftstrend: dem der digital vernetzten, intelligenten Fabrik, der sogenannten Smart Factory. In diesem Zusammenhang wird Experten zufolge auch das Thema Predicitive Maintenance (vorausschauende Wartung) einen immer höheren Stellenwert einnehmen. Matthias Heinrich, POD Manager Digital Solutions, GEA Westfalia Separator Group, meint im DLG-Trendmonitor 2018: „Innerhalb der nächsten sechs Jahre werden die Themen Predictive Maintenance und Smart Factory immer mehr miteinander verschmelzen und daher perspektivisch zusammen an erster Stelle stehen.“ Dr. rer. nat. Sabine Brunklaus, Fachbereich Life Science Technologies Institut für Lebensmitteltechnologie NRW, Hochschule Ostwestfalen-Lippe dazu: „In sechs Jahren sollte die Reife der Technologie von Predictive Maintenance so weit entwickelt sein, dass neue Anlagen bereits standardmäßig mit einer Option auf ein vorausschauendes Wartungssystem angeboten werden.“ Die Smart Food Factory dagegen sieht sie noch in weiterer Ferne: „Wenngleich der Trend eindeutig in diese Richtung geht, lässt sich nach derzeitigem Stand der Wissenschaft und Technik absehen, dass es selbst in sechs Jahren eine umfassende Umsetzung der Idee einer Smart Factory zumindest in der industriellen Lebensmittelproduktion noch nicht geben wird.“

Flexibilität heißt agieren statt reagieren

Was abzuwarten bleibt. Denn haben nicht schon viele neue Ideen prognostizierte Entwicklungszeiten überholt? Deshalb die Empfehlung für die alkoholfreie Getränkeindustrie: Stets am Puls der Zeit bleiben und Entwicklungen, die in Richtung Smart Factory führen, genauestens beobachten, um weder Flexibilitäts- noch Effizienzvorteile, die neue Lösungen erwarten lassen, zu spät zu integrieren und damit in Zukunft Wettbewerbsnachteile in Kauf zu nehmen.

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Friederike Arndt

Friederike Arndt

As a freelance trade journalist, Friederike Arndt is regarded as an expert in the area of beverage marketing. She spent a long time writing for the trade magazines Getränkeindustrie (beverage industry) and Getränkefachgroßhandel (beverage wholesale trade). On the blog, she reports on the latest trends and innovations in the field of beverage marketing.

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