Themenwoche Prozessoptimierung: Aus „Abwasser“ Wasser machen – das geht!

Prozesswässer können genutzt werden: Mittels Membranfiltration kann man daraus Wasser zurückgewinnen.
© Unternehmensgruppe Theo Müller / Sachsenmilch

Die deutschen Molkereien haben im vergangenen Jahr 31,5 Millionen Tonnen Milch verarbeitet. Nach neuen Erkenntnissen der Hochschule Hannover ließe sich ein Drittel dieser Menge direkt aus den Prozessen als Betriebs-, Spül- oder Prozesswasser zurückgewinnen. Im Fokus stehen dabei Brüden aus der Milch- und Molkeneindampfung sowie Permeat aus der Membranfiltration von Milch und Molke.

Nun ist es nicht so, als würden Milchverarbeiter nicht schon längst wissen, dass sie einen guten Teil ihrer Frischwasserkosten über eine zweckdienliche Rückgewinnung einsparen können. Eine solche Rückgewinnung findet bereits seit Jahren statt, aber eben nicht in dem Umfang, den die Hochschule Hannover als Potenzial benannt hat.

Wasserrecycling ist notwendig!

Bislang war es in vielen Betrieben vielleicht auch noch nicht an der Zeit, sich Gedanken um Wasserrecycling zu machen. Vor allem wenn eine Molkerei über eine eigene Brunnenanlage verfügt, wird die Notwendigkeit oft nicht gesehen. Aber die gesetzlichen Auflagen im Bereich der Düngemittel-, Klärschlamm-, Trinkwasserverordnung steigen immer weiter. In einigen Regionen gibt es zum Beispiel hinsichtlich des Nitratgehalts im Wasser bereits Probleme. Daher ist die Versorgung mit Eigenwasser in der Wasserüberschussregion Nordwesteuropa nicht mehr überall möglich. Auch von der Abwasserseite her gesehen müssen Molkereien eine Vielzahl von Parametern einhalten, mit entsprechenden Kosten. Zeit also, sich in Molkereien ein paar Gedanken über die künftige Wasserversorgung und das Wasserrecycling zu machen.

Aufbereitung von Wasser

Technologisch ist es relativ einfach, Wasser aus Prozesswässern, wie z.B. Spülmilch, abzuscheiden. Ultrafiltration, Umkehrosmose mit und ohne nachgeschaltetem Polisher, Aktivkohlefiltration oder auch aerobe bzw. anaerobe Behandlung der Prozesswässer sind die Hauptverfahren.

Das so wiedergewonnene Wasser lässt sich jedoch nicht direkt wieder in den Prozess einspeisen, es muss vielmehr aufbereitet werden. Denn das Lebensmittelrecht schreibt vor, dass mit Trinkwasserqualität gearbeitet werden muss, wenn das Wasser im direkten Kontakt mit dem Produkt steht. Wer eine solche aufwändige und teure Aufbereitung nicht vornehmen will, kann ein für alle Mal einen sekundären Wasserkreislauf verlegen und sein wiedergewonnenes Wasser fortan zum Spülen und ähnlichen Zwecken verwenden.

Vorteile für Molkereien

Es gibt aber bereits Verfahren, die Wasser in Trinkwasserqualität aus dem Prozess zurückgewinnen. Hier sollten Molkereien prüfen, ob sich so etwas für sie rechnet. Zumal wenn sie kommunales Trinkwasser einkaufen und ihr Abwasser in die kommunale Kläranlage geben, können derartige Aufbereitungsverfahren einen durchaus hohen ROI haben.

Besucher der drinktec werden auf der Messe eine Vielfalt an Informationen rund um die Gewinnung von Wasser aus Prozesswässern finden, zum Beispiel im Ausstellungsbereich Prozesstechnik zur Herstellung bzw. Verarbeitung von Getränken und Milch. Das Ausstellerverzeichnis und das neue Lösungsverzeichnis der drinktec hilft Ihnen, Aussteller in diesem Bereich zu finden. Nebenbei: wenn Sie den Water Footprint ihres Unternehmens verbessern, wird sich das auch gut für das Unternehmensimage machen.

Roland Sossna

Roland Sossna

The trained dairy expert, agricultural engineer and freelance journalist Roland Sossna is part of the editorial staff of the trade magazine molkerei-industrie (dairy industry) and IDM International Dairy Magazine. He regularly presents outstanding innovations from the dairy industry on the blog.

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